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Bauern in Nordfriesland

34 Momentaufnahmen von Karin Biermann in einer Ausstellung in Breklum
Von Birger Bahlo
Karin Biermann zeigt eines ihrer 34 Bilder aus der Ausstellung – hier mit Gunnar Söth (Ahrenviöl). In ihrem Gespräch mit ihm wünscht er sich, dass Familien mit ihren Kindern Tage der offenen Tür nutzen, am Feldrand zuschauen, wie Landwirte ihre Arbeit machen und sich klarmachen, dass da Nahrungsmittel erzeugt werden. "Und selbst wenn dieser stinkende Güllewagen vor einem fährt, der ist auch sehr wichtig für einen erfolgreichen Anbau - dass sich die Menschen dessen wieder bewusst werden." Foto: Birger Bahlo

Der einsame Bauer, der mit einem Pferd sein Feld pflügt – das Bild aus ihrer Kindheit hat sich tief eingebrannt ins Gedächtnis von Karin Biermann. Genauso wie in jungen Jahren die Mithilfe auf einem Berghof im Allgäu. Als Ethnologin und Museumswissenschaftlerin ist sie weit herumgekommen und hat selbst im tiefsten Kaukasus Landwirte getroffen. Aktuell sind ihre Momentaufnahmen von Bauern in Nordfriesland in einer Ausstellung bis Ende November in Breklum zu sehen.

Sie fotografiert gern – und hat in den Jahren 2024 und 2025 ihren Wissensdurst bezüglich der Landwirtschaft in ein ganz persönliches Projekt gegossen. Karin Biermann hat in Nordfriesland mehr als 100 Gespräche mit Bauern und Landfrauen geführt, teils in der guten Stube, teils auf dem Feld, und sie in ihrer typischen Umgebung fotografiert.

34 Momentaufnahmen sind im Christian-Jensen-Kolleg in Breklum, Kreis Nordfriesland, ausgestellt und gewähren einen tiefen Einblick in die Motive und Überzeugungen der Menschen auf den Höfen – alle in Schwarz-Weiß gehalten. Buntes wird auf diese Weise ausgespart, was die Konzentration auf die Stimmung im Moment der Aufnahme erleichtert. Es symbolisiert zudem die Generationenfolge und Traditionen in der Landwirtschaft.

Inspiriert hatte sie zur Zeit der Wende die Begegnung mit einer Arbeiterfotografin der DDR. Ihre Werke reihen sich somit in die Tradition der Berufsporträts oder Milieustudien ein. Schnell kristallisierten sich in den Gesprächen zwei Kernfragen heraus, die sich als Leitmotiv durch die Texttafeln ziehen. Wie sehen die Gesprächspartner die allgemeine Lage der Landwirtschaft und die Zukunft des Betriebes? Und was möchten sie der Gesellschaft gern mitteilen? Die zweite Frage fügt sich perfekt in die aktuellen Debatten über das Verhältnis zwischen Verbrauchern und allen Akteuren im ländlichen Raum ein. Immer wieder kam dabei die Art der Kommunikation zur Sprache und der Umgang miteinander.

Das führt letztlich auch zum Sinn des ganzen Projektes, wie Karin Biermann es sieht. Sie hofft auf eine Form der Kommunikation zwischen dem Betrachter der Fotos, den abgebildeten Landwirten und Landfrauen und ihren Antworten auf die Kernfragen. Sie möchte einen Bezug zur Lage auf den Höfen herstellen: „Ich bin in den Gesprächen auf sehr viel Offenheit gestoßen.“ Und sie sei damit sehr sensibel umgegangen. Längst nicht alles habe sie öffentlich auf die Texttafeln übernehmen können.

Karin Biermann erzählt, dass sie mehrmals Bauern begegnet sei, „die kurz vor der Hofaufgabe, Teilhofaufgabe oder der Idee dazu standen. Aber es gab auch Beispiele oft junger Bäuerinnen und Bauern, die zu Hoffnung Anlass geben“.

Die Ausstellung in Fluren und Räumen des Christian-Jensen-Kollegs hat Anke Fasse, die theologische Leiterin und Geschäftsführerin der Breklumer Einrichtung, der Fotografin ermöglicht. Sie hat auch die Vernissage im Oktober gestaltet und Karin Biermann selbst die Einführung in ihre Werke überlassen. Sie sind dort noch bis zum 30. November zu sehen.

Biermanns Fazit: „Ich bedanke mich bei allen Bauern, Bäuerinnen und ihren Familien für ihr Vertrauen und ihre Zeit, ihre sympathische und uneitle Art, mir für die Fotos während ihrer Arbeit Modell zu stehen. Wir alle haben dieser Berufsgruppe unendlich viel zu danken, denn sie ernährt uns.“

Besonders erwähnt werden muss noch, dass Karin Biermann sich ganz aus freien Stücken, ohne finanzielle Interessen und ohne einen Euro Förderung ans Werk gemacht hat. Sie betont auf Nachfrage, ihre Werke nicht verkaufen zu wollen und dass sie bislang auch nicht die Absicht hat, sie etwa in einem Bildband zusammenzufassen. Es ist ein rein privates Projekt. „Ich habe stattdessen schon wieder ganz andere Grillen im Kopf“, so Biermann. 

Jens Johann Jacobsen (Nordstrand) beklagt überbordende Bürokratie, die allen sehr zu schaffen mache. Das sollte zurückgefahren werden. Er kritisiert „ideologisches Unterwandern. Es sind ja Leute da, die mir mit meinen 85 Jahren erzählen wollen, wie ich es machen kann und was ich alles verkehrt gemacht habe. Das sind 20- bis 25-Jährige, das sind intelligente Jungs und Mädchen, aber die haben keine Lebenserfahrung und sollten etwas zurückstecken.“ Seine Frau Karin Jacobsen war viele Jahre Vorsitzende des Landfrauenvereins Nordstrand. Sie beschreibt einen Wandel: Früher waren die Frauen im landwirtschaftlichen Betrieb voll tätig, heute lernen sie andere Berufe und arbeiten in denen. „Da leidet das Ehrenamt etwa drunter, auch hier auf Nordstrand.“
Foto: Karin Biermann
Daniela Albrecht (Reußenköge) betont, der Familienbetrieb sei gut aufgestellt, auch der kleine Sohn will Bauer werden. „Wir freuen uns, sollte er in unsere Fußstapfen treten.“ Sie selbst schlägt jetzt das Kapitel „Soziale Landwirtschaft“ auf, hat sich damit im Betrieb selbstständig gemacht. Ihre Zielgruppe sind Menschen mit Kindergärten und Schulklassen, Menschen mit Handicaps und mit Einzelbetreuung pflegebedürftiger Menschen und jenen, die an Demenz erkrankt sind. Außerdem betreibt sie ein Erzählcafé für aktive Senioren. Allen Bauern gegenüber hofft sie auf mehr Offenheit. „Wir sind für Fragen in jeder Hinsicht offen.“
Foto: Karin Biermann
Theodor Hansen (Bordelum) ist Jahrgang 1939, damals reichte die Nordsee noch nah an die Höfe ran. Als Kind hat er vor und nach der Schule mitarbeiten müssen. Karin Biermann lässt ihn im Begleittext zum Foto ausführlich zum Namensrecht und zur Hoffolge berichten – bis hin zur Flurbereinigung. Im Rückblick sagt er: „Früher war mehr Zusammenhalt und Hilfsbereitschaft, heute ist es die Ellenbbogengesellschaft. Es dreht sich alles nur noch ums Geld.“ Drechseln ist Theodor Hansens Hobby. Hier zeigt er seinen kunstvollen Lampenständer.
Foto: Karin Biermann
Gotje Brümmer (Reußenköge) sieht die Zukunft des Betriebes positiv. Der ist breit aufgestellt mit Ackerbau, Tierhaltung und Biogas. Allerdings seien gerade dieses Jahr die Getreidepreise „sehr weit unten, das macht es schwierig.“
Sie wünscht sich, dass die viele Arbeit erkannt wird – „und wie lange es dauert, bis ein Stück Fleisch fertig ist. Wir müssen erstmals viel Geld in die Hand nehmen, um etwas zu erwirtschaften.“
Foto: Karin Biermann
Peter R. Petersen (Dörpum) schaut zuversichtlich in die Zukunft, zumal zwei Söhne den Betrieb weiterführen wollen. Er weist auf die Diskrepanz hin, wenn er Leute hört, die über 30- oder 35-Stunden-Woche reden – „und die Bauern 70 oder 80 Stunden die Woche arbeiten.“ Auch er kritisiert die Bürokratie: „Wir müssen hier unter Bedingungen arbeiten, die es nirgendwo auf der Welt mit so vielen Regularien und Einschränkungen gibt, ob es das Baurecht oder das Veterinärrecht ist.“ Er und seine Mutter Ilse, geboren 1931, wirkten intensiv mit beim Erstellen einer Dorfchronik.
Foto: Karin Biermann


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