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Konstruktiver Umgang mit Konflikten

Und warum das Ich manchmal besser ist als das Du
Von Dr. Claudia Kleimann-Balke
Druck abgeben und die Tür zur Sachebene öffnen: Jessica Jessen (li.) und Christine Gribat machen es vor.

„Du musst dir endlich mal angewöhnen, pünktlich zu sein. Andere schaffen das ja schließlich auch!“ Sätze wie diesen hat sicher jeder schon einmal gehört – oder selbst ausgesprochen. Sie kommen beim Gegenüber häufig als Vorwurf an, verursachen Schuldgefühle, verletzen und erzeugen eher Widerstand, als eine Verhaltensänderung zu bewirken. Wie äußere ich mich konstruktiv? Wie gehe ich mit Emotionen in Konflikten um? Was mache ich, wenn jemand dichtmacht? Auf diese Fragen hat das Seminar „Umgang mit Konflikten“ Antworten parat.

Gruppenarbeit: Jutta Junge, Christa Emcke und Angela Gripp formulieren Ich-Bot­schaften.

Dreizehn Frauen sitzen am großen Tisch, um sich einen ganzen Tag lang mit dem Thema „Konflikte“ auseinanderzusetzen. „Welche Erwartungen habt ihr an diesen Tag?“, fragt Christine Gribat in die Runde. Die Diplom-Sozialpädagogin begleitet als erfahrene Seminarleiterin, Coach und Referentin Menschen und Organisationen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung und leitet das Seminar des LandFrauenVerbandes Schleswig-Holstein. Schnell füllt sich das Flipchart mit Themen, die den Teilnehmerinnen unter den Nägeln brennen. Vor allem wünschen sie sich praxisnahe Tipps für ihren Alltag, für Konflikte in der Familie, im Job und im Ehrenamt. Damit kann Gribat dienen: „Ihr bekommt alle am Ende dieses Tages einen Erste-Hilfe-Koffer für den Umgang mit Konflikten mit nach Hause.“

Wie Konflikte entstehen

Christine Gribat gibt Teilnehmerinnen Werkzeug an die Hand.
Fotos: Dr. Claudia Kleimann-Balke

Konflikte entstehen häufig, wenn die beabsichtigte Aussage und die wahrgenommene Botschaft auseinanderfallen – etwa, wenn eine sachliche Information als persönliche Kritik verstanden wird. „Wenn die Beziehungsebene durch Wertschätzung und Vertrauen sicher und stark ist, kann auf der Sachebene jeglicher Austausch stattfinden. Wenn aber unser Gegenüber nur den leisesten Hauch von persönlicher Kritik wittert, ist die Beziehungsebene ganz schnell getriggert“, fasst Christine Gribat zusammen. „Hinter Konflikten wohnen immer unerfüllte Bedürfnisse. Das muss uns klar sein. Dann können wir viele vermeiden.“ Zum Beispiel indem man versucht, Schuldzuweisungen in konstruktive Gespräche umzuwandeln.

Grau ist alle Theorie

Während einer Gruppenarbeit sollen die Teilnehmerinnen nun ausprobieren, wie verschiedene Botschaften zur gleichen Situation wirken können. Eine Situation mit Konfliktpotenzial: Vera erklärt Hannah eine Anwendung am PC. Hannah versteht es nicht sofort. Vera ist etwas genervt und sagt: „Sag mal, hast du das denn immer noch nicht verstanden?“ Diese sogenannte Du-Botschaft verletzt Hannah, die sich ziemlich dumm vorkommt. Die Aufgabe ist es, eine Ich-Botschaft zu formulieren, die konstruktiv ist. „Ich merke, dass meine Erklärung noch nicht verständlich war. Ich würde es gern anders versuchen.“ Diese Botschaft impliziert ein Hilfsangebot. Nach diesem Schema bearbeiten die Teilnehmerinnen einige Beispiele und spüren den Unterschied sozusagen am eigenen Leib. „Ich-Botschaften sind keine Zuckerwatte“, erklärt Christine Gribat. „Sie sind nur eine Form der Kommunikation, die uns an so einer Stelle weiter bringt als die direkte Konfrontation.“ Es hilft, einmal die Perspektive zu wechseln und Trigger des Gegenübers zu vermeiden.

Ein paar Tipps zum Mitnehmen

Natürlich gibt es auch für den Umgang mit Konflikten keine Universallösung, aber man kann Werkzeuge immer wieder anwenden und ausprobieren, um die beste Lösung für sich selbst zu finden. „Kleine Anlässe kann man als Übung verstehen“, rät die Trainerin. „Bedürfnisse erspüren und selbst äußern – das sind erste Schritte für eine gute Kommunikation, die Konflikte vermeidet oder beendet.“ Es gilt auch, selbst Geduld zu haben und Situationen auch einmal auszuhalten. Gribat empfiehlt Kraftsätze. „Die sind unglaublich wichtig, weil wir sie für uns selbst denken können. Beispielsweise: Ich möchte das so stehen lassen. Das heißt nicht, dass ich dem Gegenüber recht gebe, sondern macht klar, dass wir unterschiedliche Standpunkte haben.“

Dörte Bornholt, Beate Peters, Anja Moczkuhn, Susanne Lutze, Silke Wieben, Heidi Kopp, Chistine Gribat, Jessica Jessen, Yoli Manowski, Christa Emcke, Petra Fahje, Jutta Junge, Angela Gripp und Karin Ehler (v. li.) haben viel mitgenommen und können nun im Umgang mit Konflikten etwas ändern.

Konflikte sind häufig etwas ganz Persönliches zwischen zwei Menschen. Sie sind unbequem, können aber auch Chancen sein, weil sie zu einem positiven Prozess beitragen können. In jedem Fall kosten sie Kraft.

Am Ende des Seminars blicken die Teilnehmerinnen mit neuen Möglichkeiten auf Konflikte. Nun gilt es, das Gelernte in die Praxis zu transportieren. „Ich gehe voller Motivation nach Hause. Nun weiß ich um einige Fehler und kann daran arbeiten“, erzählt Angela Gripp. Auch Jutta Junge geht mit einem Vorsatz aus dem Seminar: „Konflikte gibt es weltweit. Vielleicht kann ich etwas mitnehmen, um ihnen im Kleinen etwas entgegenzusetzen.“

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