Treffen entnervte Sommerurlauber auf Landwirte im Erntestress, kann es auch abseits von Bundes- und Kreisstraßen eng und ungemütlich werden. Auf die besonderen Gefahren auf Feld- und Wirtschaftswegen während der Erntezeit machten der Bauernverband Schleswig-Holstein (BVSH), der Landesverband der Lohnunternehmer und die Landespolizei in der vergangenen Woche auf Gut Annenhof im Kreis Rendsburg-Eckernförde aufmerksam.
„Wir wissen selbst, wie groß unsere Maschinen geworden sind und wie wir unter Zeitdruck stehen, etwa wenn die Ernte nicht gut läuft. Als Landwirtschaft haben wir aber massiv dazugelernt, was Spiegel, Beleuchtung, Ladungssicherung oder freiwilliges Fahren mit Tempo 30 angeht“, schilderte BVSH-Präsident Klaus-Peter Lucht. Dies trage auch dazu bei, als Branche in der Gesellschaft besser anerkannt zu werden. „Die Erntezeit ist die wichtigste Zeit im Jahr auf den Betrieben“, verdeutlichte Lucht, der zu gegenseitiger Rücksichtnahme auf den Straßen appellierte und um Verständnis für lange Arbeitszeiten bat.
Vor dem Hintergrund geopolitischer Herausforderungen verwies der BVSH-Präsident dabei auf die Relevanz einer regionalen Lebensmittelproduktion. „Der gemeinsame Termin mit der Landespolizei zeugt von gegenseitigem Verständnis für unsere Arbeit“, zeigte sich Lucht erfreut.
Prävention zahlt sich aus
„Das Stichwort ist immer die gegenseitige Rücksichtnahme“, unterstrich Niels Schäfer, Geschäftsführer des Landesverbandes der Lohnunternehmer. In einem tourismusgeprägten Land wie Schleswig-Holstein bestehe die Herausforderung, dass Autofahrer, Fußgänger, Fahrradfahrer und Erntemaschinen aufeinandertreffen, so Schäfer. „Wir merken, dass wir mit unseren Aktionen vorankommen. Das heißt einerseits, dass wir die Verbraucher erinnern, auch ihre Ernährung mit der Ernte sicherzustellen. Andererseits appellieren wir an unsere Betriebe, die Lohnunternehmen und Fahrer, etwa mit einem ,Fahrerknigge‘ in den Fokus zu rücken, dass die Sicherheit an oberster Stelle steht – egal wie das Wetter drückt und egal wie groß der Erntestress gerade ist.“ Aktionen etwa zum toten Winkel an Schulen hätten immer wieder das Ziel, gegenseitiges Verständnis zu schaffen. Das Bewusstsein für kritische Verkehrssituationen müsse in die Breite und in die Städte getragen, darüber informiert und sensibilisiert werden, wo viele mit der Landwirtschaft und ihrer Technik nicht besonders vertraut seien. Am Ende hätten alle das gleiche Ziel: „Wir alle wollen gesund und heil am Zielort ankommen“, resümierte Schäfer.
Branche selten verwickelt
Unfälle unter Beteiligung landwirtschaftlicher Fahrzeuge verzeichnete die Landespolizei 2025 189 Mal – von rund 88.000 aufgenommenen Unfallereignissen. Für Polizeidirektor Thomas Weißenberg geht es bei der Präventionsaktion vor allem um eine Botschaft: „Man muss im Straßenverkehr bei Begegnungen auch auf Feld- oder Wirtschaftswegen unbedingt Rücksicht aufeinander nehmen.“ Besonders auf schmalen Wegen spiele die Breite landwirtschaftlicher Fahrzeuge und Erntemaschinen im Begegnungsverkehr eine große Rolle und mache es auch Fußgängern oder Radfahrern nicht immer leicht auszuweichen.
Eine Möglichkeit bestehe darin, nach Augenkontakt und einer kurzen Verständigung als schwächerer Verkehrsteilnehmer anzuhalten oder in der nächsten Feldeinfahrt zu warten. Gleiches gilt – nach Möglichkeit – auch für den Fahrer des landwirtschaftlichen Fahrzeugs, um Radfahrer oder Fußgänger vorbeizulassen und so derartige Situationen entschärfen. „Unser Ziel ist es, möglichst alle Verkehrsunfälle zu verhindern, insbesondere diejenigen, bei denen es nicht nur Sach-, sondern Personenschäden gibt“, betonte Weißenberg und ergänzte: „Jeder Verkehrsunfall, den wir durch Aufklärung und Prävention vermeiden können, ist einer, den wir nicht registrieren müssen und der Personen- und Sachschäden hilft zu reduzieren.“



