StartNachrichtenAgrarpolitikEhrenamt lebt von Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit

Ehrenamt lebt von Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit

Kommentar zum gesellschaftlichen Engagement
Von Dr. Robert Quakernack
Digitale Formate können zeitliche Freiräume für Ehrenämter vergrößern. Foto: Imago

Die Landwirtschaft steht unter hohem Veränderungsdruck: Klimawandel, gesellschaftliche Erwartungen, volatile Märkte und komplexe gesetzliche Rahmenbedingungen fordern Bäuerinnen und Bauern in ihrem Beruf. Trotz der vielfältigen Aufgaben engagieren sich unzählige Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter zusätzlich im Ehrenamt – etwa in Genossenschaften, Wasser- und Bodenverbänden, Maschinenringen, Zuchtorganisationen, Feuerwehren oder berufsständischen Vertretungen.

Eine neue Bauernblatt-Serie zur Arbeit der Fachausschüsse im Bauernverband Schleswig-Holstein zeigt beispielhaft die Bedeutung ehrenamtlicher Arbeit für den Berufstand, aber auch für den eigenen Betrieb und die persönliche Entwicklung. Denn klar ist: Wer nicht mitredet, über den bestimmen andere.

Ehrenamt heißt oft, nach einem langen Arbeitstag noch Sitzungen zu besuchen, Konzepte zu diskutieren und Kompromisse auszuhandeln. Das ist anstrengend, aber wo über Förderprogramme, Umweltauflagen, Tierwohlstandards oder regionale Entwicklungsstrategien beraten wird, braucht es Stimmen aus der Praxis. Zugleich ist das Ehrenamt eine „Schule der Verantwortung“. Es fördert Führungskompetenz, Verhandlungsgeschick und strategisches Denken. Junge Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter, die frühzeitig Gremienarbeit kennenlernen, gewinnen Einblicke in politische Prozesse und Netzwerke, die für die Weiterentwicklung ihrer Höfe wertvoll sind. Das Ehrenamt ist damit auch eine Investition in die eigene Zukunft.

Um junge Menschen für ein Ehrenamt zu motivieren, gibt es wichtige Faktoren. Hervorzuheben ist eine Kultur der Wertschätzung. Außerdem helfen transparente Strukturen, gute Informationsflüsse und die Möglichkeit, Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen. Digitale Formate unterstützen dabei, Beteiligungen niederschwelliger zu gestalten. Das hilft insbesondere denjenigen, die dafür durch Kinderbetreuung und andere Care-Arbeiten einen hohen organisatorischen Aufwand hätten. In den meisten Fällen, sind das immernoch die Frauen. Impulse in diesem Bereich wollen die Vereinten Nationen setzen, indem sie 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen haben. Nicht von ungefähr verzeichnen Plattformen wie das Unternehmerinnennetzwerk des Landesbauernverbandes großen Zulauf. Der dortige Erfahrungsaustausch mit Gleichgesinnten kann sich zu einen Sprungbrett in andere Ehrenämter auswachsen.

Ganz klar nicht im Sinne eines starken Ehrenamts ist der Vorstoß von Teilen der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit abzuschaffen. Diese werde in Deutschland überwiegend von Frauen geleistet und damit als individuelle „Lifestyle-Entscheidung“ abgewertet, kritisiert der LandFrauenverband.

Klar ist: Ein erfolgreiches Ehrenamt lebt nicht von Titeln. Reine Pflichterfüllung trägt selten langfristig. Es geht um persönliche Haltung, Wirkung und Zusammenarbeit. Gerade in der Landwirtschaft, wo ehrenamtliches Engagement oft mit unternehmerischer Verantwortung und knapper Zeit konkurriert, zeigt sich also einmal mehr: Qualität geht vor Quantität.

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