Kurze und gesunde Bestände – 2025 bot den Ackerbohnen gute Bedingungen für zufriedenstellende Erträge.
Obwohl das Jahr 2025 witterungstechnisch einen anderen Eindruck hinterließ, waren die Bedingungen aus ackerbaulicher Sicht für Ackerbohnen optimal. Die Aussaat gelang früh in ein noch gut restfeuchtes Saatbett. Die Bodenbedingungen nach dem Winter erlaubten eine sehr gute Wurzelentwicklung, sodass die Ackerbohnen nahezu überall gut durch die Frühjahrstrockenheit kamen. Durch diese war das Längenwachstum der Ackerbohnen eingeschränkt, sodass die Blüte bei sehr kurzem Wuchs einsetzte. Infolge der Trockenheit in dieser Phase blieb der Krankheitsdruck jedoch sehr niedrig.
Pünktlich zur Kieler Woche schlug das Wetter um und Juli und August bestätigten einmal mehr ihre statistische Stellung als die beiden niederschlagsreichsten Monate des Jahres. Dennoch war es überwiegend warm – ein Witterungsverlauf, den Ackerbohnen bevorzugen. Durch das geringe Längenwachstum während der Blüte blieben die Bestände im Vergleich zum Vorjahr eher kurz, sodass der Lagerdruck insgesamt gering war. Dennoch konnte sich in den niederschlagsreicheren Monaten auf schwereren Böden spät der Fußkrankheitenkomplex etablieren, sodass es an einigen Standorten, insbesondere auf den Marschböden, zu Lagererscheiniungen kam. Das war jedoch die Ausnahme. Die Ernte selbst fiel besser aus als im Vorjahr.
Prüfungsverlauf
Im Frühjahr 2024 konnte der Landessortenversuch (LSV) Ackerbohne an den Kammerstandorten Loit, Kastorf, Barlt und Futterkamp angelegt werden, wobei der LSV in Futterkamp in die Wertprüfung integriert ist. In Hohenlieth wurde das Sortiment auf den Flächen der Norddeutschen Pflanzenzucht (NPZ) geprüft. Auf dem Standort der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel (HAW), dem Lindenhof, wurde der Versuch wieder zweifach, je einmal in Pflug- und Mulchsaat angelegt. Alle Versuche konnten bis zum Ende geführt und vollständig beerntet werden.
Das Frühjahr 2025 war eines der trockensten seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Dennoch konnten sich im Herbst 2024 und im Winter 2024/2025 die Grundwasserreserven gut auffüllen. Da Ackerbohnen recht früh gedrillt werden, konnten sie mit ihren Wurzeln (sofern die Bodenstruktur es zuließ) dem nach unten weichenden Wasser bis in den Kapillarsaum hinterherwachsen. Zugleich arbeiteten durch den guten Gasaustausch im Oberboden die Knöllchenbakterien gut. Die unteren, kurz entwickelten Internodien der Ackerbohnen strecken sich später nicht, was zusammen mit dem niedrigen Krankheitsdruck maßgeblich zur Standfestigkeit beitrug. Fungizidbehandlungen bis zur Blüte blieben daher ohne ertragswirksamen Effekt. Bestände, die um Ostern 2025 (22. April) Regen erhielten, zeigten sich wüchsiger.
Endgültig schlug das Wetter zur Kieler Woche um und die Ackerbohnen bekamen in der zweiten Vegetationshälfte ausreichend Wasser, was dann in der Phase der Kornfüllung zu guten Erträgen beitrug. Auch aus der Praxis wurden überwiegend zufriedenstellende Erträge gemeldet.
Besonderheiten im Sortiment
Seit Jahren wächst das Sortiment in den Wertprüfungen, und auch die EU-Sortenversuche mit Ackerbohnen nehmen weiter zu, sodass die Zahl der Neuzulassungen steigt. Um für die beiden neuen Sorten ‚Loki‘ und ‚Malibu‘ Platz zu schaffen, wurden ‚Macho‘, ‚Trumpet‘ und ‚Fanfare‘ aus der Prüfung genommen. Diese Sorten sind weiterhin im Handel erhältlich, gelten jedoch als ausreichend geprüft. Das Kernsortiment mit langjährig geprüften Sorten besteht somit aus ‚Tiffany‘, ‚Stella‘ und ‚Caprice‘.
Dreijährige Ergebnisse liegen nun auch von ‚Genius‘ und ‚Iron‘ vor. ‚Hammer‘, ‚LG Eagle‘ und ‚Callas‘ sind zweijährig geprüft. ‚Tiffany‘, ‚Hammer‘ und ‚Iron‘ sind vicin- und convicinarme Sorten. Da sie aus der deutschen Wertprüfung in das Sortiment aufgenommen worden sind, ist die Vicinarmut durch das Julius-Kühn-Institut (JKI) geprüft. Diese Überprüfung findet für EU-Sorten nicht statt. Die EU-Sorten ‚Callas‘ und ‚Malibu‘ sind laut Angaben des Züchters vicinarm. Tanninfreie Sorten (an der reinweißen Blüte erkennbar) wurden nicht geprüft.
Ergebnisse
In den Landessortenversuchen werden die Sorten entsprechend den Anbaurichtlinien des Bundessortenamtes (BSA) analog zu den Wertprüfungen getestet. Um die Sorteneigenschaften wie Krankheitsresistenzen und ihre Leistung besser herauszuarbeiten, wird im LSV bewusst auf den Fungizideinsatz verzichtet. Daher werden die Kornerträge relativ dargestellt. Dies soll insbesondere dabei helfen, neue Sorten mit betriebseigenen Sorten zu vergleichen. Um das Ertragspotenzial der Sorten besser einschätzen zu können, wird das Sortiment des LSV an mittlerweile allen Kammerstandorten zusätzlich behandelt angebaut. Dabei wird in der Regel eine Fungizidbehandlung zur Blüte durchgeführt. Die Intensität der Behandlung wird vor Ort von den jeweiligen Referenten des Pflanzenschutzdienstes empfohlen. Da die Witterung zur Blüte 2025 jedoch überwiegend trocken war und als Resultat der Krankheitsdruck entsprechend gering ausfiel, konnten kaum positive Effekte der Fungizidbehandlung auf den Ertrag festgestellt werden. In den Tabellen 1 und 2 sind die relativen Kornerträge des LSV beziehungsweise der LSV-Stufe 2 aufgeführt.
Qualitäten
Die Proteinkonzentrationen (Tabelle 3) in den Ackerbohnen zeigten sich 2025 rund einen Prozentpunkt unter dem Vorjahr. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Ackerbohnen größere Energiemengen in Form von Stärke als Ertragskomponente eingelagert haben, wodurch das Protein verdünnt wurde. Als Proteinertrag, also das Produkt aus Kornertrag und Proteingehalt dargestellt, liegt das Jahr 2025 im Mittel bei 13,8 dt/ha und somit um gut 1,4 dt/ha über dem Vorjahr. Dies entspricht einer zusätzlichen Stickstoffabfuhr von 22,4 kg/ha. Bemerkenswert ist, dass sich die Einstufung des BSA mit der Ausprägungsstufe (APS) 1 bei ‚Loki‘ deutlich zeigt. ‚Tiffany‘, ‚Stella‘, ‚Callas‘ und ‚Malibu‘ zeigen Proteinkonzentrationen über 25 % auf und sind mit APS 5 eingestuft. Da hohe Kornerträge negativ mit Proteingehalten korrelieren, zählen diese Sorten nicht zu den ertragsstärksten. In der Fütterung sollten diese Sorten dennoch stärker berücksichtigt werden, da dort der Rohproteingehalt der entscheidende Parameter ist.
Übertragung in die Praxis
Neben den Ertragsdaten sind die ackerbaulichen Eigenschaften bei der Sortenwahl ebenso entscheidend. In den Ergebnistabellen ist ersichtlich, welche Sorten vicin- beziehungsweise convicinarm sind (mit „v“ gekennzeichnet). Vicinarme Sorten sind in der Fütterung und der Ernährung breiter einzusetzen als Standardsorten.
Ursächlich für Lager ist das Auftreten des Fußkrankheitenkomplexes, der in der Regel als Mischinfektion mit Fusarium, Phytium und Rhizoctonia auftritt. Anfälligkeit, Krankheitsdruck und Pflanzenlänge beeinflussen die Standfestigkeit der Sorten. Diese Faktoren werden maßgeblich von Jahreswitterung, Pflanzenabstand und Boden beeinflusst, weshalb standörtliche und bodenklimatische Unterschiede auftreten. Auch die Abreife ist stark von der Witterung beeinflusst. Ob ein frühes oder spätes Jahr vorliegt, hängt stark vom Temperaturverlauf ab. Die für das Erreichen der Reife nötige Temperatursumme wird je nach Jahr früher oder später erreicht. Die Ökovalenz ist ein Kennwert aus der Hohenheimer Serienauswertung, in der mehrjährige Ertragsdaten über das gesamte Anbaugebiet gewichtet verrechnet werden. Sie beschreibt, wie stark die Erträge einer Sorte über Jahre schwanken und durch Umweltbedingungen beeinflusst werden. Sorten mit niedriger Ökovalenz gelten als ertragsstabiler. Die Kennzahl ist kein absolutes Maß, sondern nur im Sortenvergleich interpretierbar. Mit zunehmender Zahl verfügbarer Versuchsergebnisse steigt die Aussagekraft dieser Langzeitauswertungen.
Seit 2025 wurde mit Elatus Era ein neuer fungizider Wirkstoff gegen Falschen Mehltau in allen Leguminosen zugelassen und in der Intensitätsstufe 2 in Kastorf eingesetzt. Gegenüber dem unbehandelten LSV zeigte der praxisnahe Versuch einen Mehrertrag von 3,2 dt/ha, was aktuell einem Mehrerlös von 63 € entspricht. Zudem zeigte Kastorf, trotz später Anwendung, eine frühe Abreife.
Sortenempfehlung
Die Verwendung nach der Ernte bestimmt die Sortenwahl. Sollen die Ackerbohnen im eigenen Betrieb verfüttert werden, kommt dem Proteingehalt eine höhere Bedeutung zu. Dabei findet sich die Einstufung des BSA erst in der Mittelwertbildung über alle Standorte wieder. ‚Tiffany‘ und ‚Stella‘ weisen die höchsten Proteingehalte auf, wobei ‚Tiffany‘ als vicinarme Sorte auch an Nichtwiederkäuer verfüttert werden kann. Ähnlich wie im Getreidebau sinkt mit zunehmendem Proteingehalt tendenziell der Kornertrag.
Der Landhandel honoriert hohe Proteingehalte nicht; die Bezahlung richtet sich rein nach dem Kornertrag. ‚Tiffany‘ zeigt langjährig leichte Ertragsschwankungen, erreichte jedoch im aktuellen Jahr wieder einen leicht überdurchschnittlichen Ertrag. Die vicinarme Sorte ‚Iron‘ erzielte in allen drei Prüfjahren überdurchschnittliche Kornerträge und kann uneingeschränkt empfohlen werden. In der Hohenheimer Auswertung ist ‚Caprice‘ ein wenig unterdurchschnittlich, jedoch hat diese Sorte ihre Stärke in den schwierigeren Jahren. In den LSV Schleswig-Holsteins hat die Sorte deutlich besser abgeschnitten als in der überregionalen Auswertung. Derzeit ist ‚Hammer‘ die ertragsstärkste Sorte, allerdings ist sie erst zweijährig geprüft.
Bisher lag ein Schwerpunkt der Sortenbewertung auf der Tausendkornmasse. Im aktuellen Sortiment ist die Variabilität dieses Merkmals jedoch deutlich zurückgegangen und liegt für alle Sorten um 500 g.
Ein wichtiger Baustein zur Minimierung des Anbaurisikos ist die Ertragsstabilität, die für Ackerbohnen erstmals ausgewiesen werden kann. Da absolute Zahlen wenig aussagekräftig sind, wurde die Ertragsstabilität in Klassen eingestuft. Dabei zeigte sich über die Jahre die Sorte ‚Malibu‘ am stabilsten. ‚Stella‘, ‚Hammer‘, ‚LG Eagle‘ und ‚Caprice‘ schneiden ebenfalls positiv ab. Die agronomischen Eigenschaften der Sorten sind in Tabelle 4 zusammengefasst.
Fazit
2025 war ein insgesamt gutes Jahr für den Ackerbohnenanbau. Die Frühjahrstrockenheit bereitete nur wenige Probleme, und die Niederschläge ab Ende Juni verursachten auch weniger Krankheitsdruck als zunächst erwartet. Die Erträge fielen leicht überdurchschnittlich aus.




