Paul Berghuis aus Ibbenbüren in Nordrhein-Westfalen ist als Kälberhändler auch in Schleswig-Holstein kein Unbekannter. Seit Juni 2025 ist er Präsident des Deutschen Vieh- und Fleischhandelsbundes. Als stellvertretender Sprecher der German Export Association for Food and Agriproducts (GEFA) ist er Ansprechpartner der Bundesregierung in Fragen der Exportförderung. Das Bauernblatt hat Berghuis zum Mercosur-Abkommen und zur Exportstrategie der Bundesregierung interviewt.
Das Mercosur-Abkommen wurde nach 25 Jahren Diskussion gegen den Widerstand von Frankreich, Polen und Ungarn abgeschlossen. Wie ist Ihre Position dazu?
Ich finde es gut, dass jetzt nach 25 Jahren endlich ein Ergebnis erreicht wurde. Wenn man sich einmal überlegt, was in der Zeit schon alles passiert ist – was soll dann in Zukunft noch kommen, damit es besser oder notwendiger wird? Wir brauchen den erweiterten Warenaustausch, damit haben wir auf allen Seiten Vorteile. Guter Handel und Warenaustausch sind gewünscht und haben immer positive Auswirkungen, wenn die Risiken mitgedacht werden. Ein wirtschaftlicher Erfolg wird uns allen, auch in der Landwirtschaft und der Lebensmittelbranche, unterm Strich gewiss sein.
Sie sprechen auch für den deutschen Vieh- und Fleischhandelsbund. Welche Rolle nehmen Ihre Mitglieder in dieser Debatte ein?
Wir vertreten unsere Mitglieder, die innerhalb des Livestock-Bereichs als wesentliche Händler und Transporteure agieren. Alle Nutztiere werden von landwirtschaftlichen Betrieben zu anderen oder zum Schlachthof gefahren. Diese Tätigkeiten geschehen auf Basis von in Jahrzehnten aufgebauten gesetzlichen Regelungen und freiwillig errichteten Qualitätsstufen. Für den Tiertransport gibt es da etwa die EU-Tierschutztransportverordnung 1/2005, die in Deutschland an verschiedenen Punkten noch verschärft wurde. Für den Handel gibt es die QS, Haltungsstufen, regionale Label und so weiter. Damit haben wir eine wertvolle Qualität und sehr hohe Sicherheit erreicht. Dies kostet Geld, da haben wir in den vergangenen Jahren sehr viel investiert.
Was bedeutet der Marktzugang für Mercosur-Produkte für diese mühsam aufgebauten Standards?
Wenn aus den Mercosur-Staaten Produkte hereinkommen dürfen, die diese Standards nicht erfüllen, dann müssen wir uns überlegen, wie wir damit umgehen wollen. Wir müssen ganz klar die auf uns zukommenden Probleme benennen und aktiv im Vornherein um Lösungen ringen. Das ist ein normaler demokratischer Prozess. Somit ist dieser Streit in Ordnung.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass wir uns in Europa unserer Qualität bewusst sind. Diese müssen wir klar und deutlich benennen, kennzeichnen und auch mit unseren Regeln verteidigen. Dann können auch wir unsere Existenz im Markt behalten.
Sie fordern also harte Kriterien für den Import?
Frankreich macht da klare Schritte und verbietet zum Beispiel den Import von Agrarprodukten, die mit in der EU verbotenen Pestiziden behandelt wurden. So etwas stelle ich mir auch für unsere Branche vor: Wenn die Tiere nicht nach unseren EU-Standards plus unseren deutschen Verschärfungen behandelt und transportiert werden, dann sollten wir den Import in die EU oder nach Deutschland verbieten.
Denn wenn wir die ausländischen Waren, die nicht unseren Standards entsprechen, so nur mit einer Kennzeichnung versehen würden und somit den Zugang dieser Produkte akzeptieren würden, dann müssten wir diese Standards im Umkehrschluss auch für unsere eigene Produktionen ermöglichen und würden damit dann unsere bisher erreichten Umwelt- und Tierschutzstandards verringern …
Viele NGO fordern eine stärkere Konzentration auf den heimischen Markt. Warum halten Sie am Export fest?
Ich frage einmal umgekehrt, was wir ohne einen Import von Lebensmitteln wären: Früchte, Gemüse, Fisch … Und was wären wir, wenn wir unsere hiesigen Produkte nur hier vermarkten dürften? Dann wären die Preise bei kleinen Angebotsschwankungen direkt massiv tangiert. Wir brauchen den überregionalen Austausch von Produkten, um auch eine gewisse Kontinuität und Versorgungssicherheit zu haben.
Was mich umtreibt, sind die Wellen der internationalen Aggression, die im Moment auf uns einwirken. Wir sollten sehen, dass wir innerhalb Europas eine gewisse Versorgungssicherheit sicherstellen. Dazu gehören eine florierende Landwirtschaft und eine stabile und finanziell gesunde Livestock-Branche. Wenn dies von der Politik als notwendige Basis erkannt und aktiv unterstützt wird, dann wird ein Handelsabkommen positiv für alle Beteiligten sein.
Kann der Export auch ein Mittel gegen niedrige Erzeugerpreise und harte Discount-Konkurrenz in Deutschland sein?
Na klar! Konkurrenz belebt das Geschäft, das kann einmal für uns sein, kann auch einmal für uns herausfordernd sein.
Wie beurteilen Sie die Wettbewerbsfähigkeit von „made in Germany“?
Wir sollten nicht versuchen, die „billigsten“ Produzenten zu sein. Da wird es immer wieder andere geben, die das noch günstiger können oder auch müssen – siehe Pkw aus China. Wir können mit genauer und zielgerichteter Innovation, Qualität oder auch Historie punkten. Produkte mit der Aussage „made in Germany“ haben immer noch eine positive Bedeutung. Das können wir mit Stolz vertreten. Aber Achtung: An diesem Qualitätsversprechen hängen natürlich auch Verpflichtungen.
Wie bewerten Sie die Exportstrategie von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU)?
Ich begrüße die Aktivitäten ausdrücklich! Mit der stolzen Aussage „made in Germany“ eines ranghohen Politikers zeigt er jedem im In- und Ausland, dass wir auch gemessen an unseren eigenen Ansprüchen tolle Produkte anbieten. Das ist Landwirtschaftsförderung pur! Ich erlebe unseren Landwirtschaftsminister, der die Exportförderung zur Chefsache erklärt hat, als sehr offen und gesprächsbereit. Er hat uns als Unternehmer gefragt: Wo braucht ihr Unterstützung? Und was braucht‘s? Er muss jetzt die Umsetzung des Mercosur-Abkommens eng begleiten, damit wir unsere Qualität und Wertschöpfung langfristig erhalten.
Die Mercosur-Staaten sind als Handelspartner ein Teil des gesamten Spektrums. Der Markt für unsere Produkte in diesen Regionen wird sich in den kommenden Jahren weiter entfalten, da bin ich mir sicher. Was es jetzt braucht, ist positives Anpacken. Das können wir hervorragend, also los!




