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Männer, die auf Rohre starren

Klimawandel und Regen fordern die Infrastruktur
Von Dr. Jörg Hittenbeck, Landwirtschaftskammer SH
Mitglieder des Wegebauausschuss tauschen sich über die Wasserführung eines Waldweges aus. Fotos: Dr. Jörg Hittenbeck

Der Arbeitsausschuss Forstlicher Wegebau beim Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) traf sich zur diesjährigen Jahrestagung im thüringischen Südharz.

Der Klimawandel und der Borkenkäfer haben weite Teile der Fichtenbestände absterben lassen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Wasserführung entlang der Waldwege. Die Ausschussmitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus Österreich informierten sich über Anpassungen der Infrastruktur bei ThüringenForst und über die Bedeutung der Forstwirtschaft für die Wasserversorgung.

Waldwege sind unverzichtbar, um die vielfältigen Waldfunktionen ganzjährig zu gewährleisten. Vor allem im 20. Jahrhundert wurde nach dem Aufkommen von Lastwagen und Schleppern massiv in die Erschließung durch Wege investiert. In vielen Regionen – auch in Schleswig-Holstein – ist die Erschließung weitgehend abgeschlossen. Wegeneubauten sind dort selten und beschränken sich auf Einzelfälle. In den Mittelgebirgen hingegen bringt der Klimawandel mit heftigen, lokal begrenzten Niederschlägen neue Herausforderungen. Schäden durch verstopfte oder zu klein dimensionierte Durchlässe nehmen zu. Ein besichtigter Schotterweg zeigte eindrücklich die Folgen: Ausspülungen bis zu 1,8 m Tiefe machten einen fast vollständigen Neubau erforderlich. Tausende Tonnen Schotter wurden talwärts gespült, ein Befahren des Weges war unmöglich. Erst nach aufwendigen Baggerarbeiten konnte Material teilweise wieder eingebaut werden.

Prellen sind die Lösung

Um zukünftige Schäden zu verhindern, wurden die tiefen Rinnen mit sogenannten Prellen gefüllt: groben Steinblöcken oder Eichenpfählen, die 30 cm unterhalb des späteren Fahrbahnniveaus gekürzt wurden. Dadurch soll das Wasser oberflächlich abfließen, ohne den Wegekörper zu unterspülen. Schäden durch Starkregen lassen sich so zwar nicht ganz verhindern, sie bleiben jedoch leichter zu beheben.

Ernte macht den Unterschied

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Arbeitsweise bei der Holzernte. Im geschilderten Fall hatte Reisig aus einem Harvestereinsatz oberhalb des Weges einen Durchlass verstopft. Das Wasser lief nicht wie vorgesehen auf die Talseite ab, sondern sammelte sich im bergseitigen Spitzgraben. Dort entstand eine große Wassermenge, die die verheerenden Ausspülungen verursachte. Für die Zukunft ist daher eine „saubere“ Arbeitsweise notwendig: Revierleitungen, Forstwirte und Dienstleister müssen Standards anpassen und der Wasserführung mehr Aufmerksamkeit schenken.

Bautechnisch gilt es, die Infrastruktur auf zunehmende Belastungen vorzubereiten. Dazu gehören ausreichend dimensionierte und gut platzierte Durchlässe. Während im Flachland 400-mm-Rohre oft genügen, sind in Hanglagen größere Durchmesser – etwa 600 mm – und kürzere Abstände zwischen den Durchlässen erforderlich. Auch Rückegassen und Maschinenwege in Hanglagen wirken als Wassersammler und erhöhen den Druck auf die Wege. Querabschläge kurz vor dem Waldweg oder befestigte Furten können hier Abhilfe schaffen. Letztere sind zudem ökologisch vorteilhaft, da sie Wanderbewegungen im Wasser kaum behindern.

Talsperren sind nicht nur beein­druckend, sondern auch wichtig für die Wasserversorgung.

Wasser im Bestand halten

Neben der technischen Anpassung ist es wichtig, Wasser möglichst lange in den Beständen zu halten. Dies entlastet die Wege und sichert gleichzeitig die Wasserversorgung der Bäume in Trockenzeiten. So verändert sich die Sichtweise: Wasser ist nicht nur Bedrohung für die Infrastruktur, sondern auch lebenswichtige Ressource, die es im Wald zu bewahren gilt.

Exkursion zu Talsperre

Die Exkursion der Ausschussmitglieder führte weiter zu einer Trinkwassertalsperre. Der Besuch einer Staumauer ist ein besonderes Erlebnis – zugleich wurde deutlich, wie stark die forstliche Bewirtschaftung die Lebensgrundlagen der Menschen beeinflusst. Fließt Wasser unkontrolliert ab, transportiert es Erde und Humus und beeinträchtigt die Wasserqualität. Zudem führte das Absterben der Fichtenbestände zu steigenden Wassertemperaturen, da der Schatten fehlt. Um bis zu zehn Grad wärmer ist das Wasser inzwischen – mit Folgen für Sauerstoffgehalt und Nutzbarkeit.

Insgesamt zeigte die Tagung die zentrale Bedeutung einer gut geplanten Waldbewirtschaftung und Wegeinfrastruktur.

Fazit

Wasser in großen Mengen stellt eine Herausforderung dar, die künftig stärker berücksichtigt werden muss – sowohl im Flachland als auch in den Mittelgebirgen. Größere und dichter gesetzte Durchlässe erhöhen die Stabilität von Forstwegen. Gleichzeitig gilt es, Wasser im Wald zurückzuhalten, um Trockenstress zu verringern und die Wasserversorgung der Bevölkerung zu sichern.

Wasser bleibt damit zugleich Fluch und Segen – und die forstliche Bewirtschaftung hat entscheidenden Einfluss darauf, was überwiegt.

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