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Foto: Morell

Im Spätsommer und Herbst erkennt man die Herbstzeitlose mit ihren lilafarbenen Blüten schon von Weitem. Bereits ab einem Aufkommen von zwei Pflanzen pro Quadratmeter sollte die Samenbildung und damit die Ausbreitung der Grünlandpflanze verhindert werden. Denn die Herbstzeitlose gehört zu den gefährlichsten Giftpflanzen auf Extensivgrünland.

Die Herbstzeitlose enthält einen gefährlichen Giftcocktail aus über zwanzig verschiedenen Alkaloiden. Die tödliche Dosis für Pferde liegt bei 1 bis 3 kg Blatt- und Kapselmaterial. Das Gift geht auch in die Milch über. Besonders hohe Konzentrationen des Hauptwirkstoffes Colchizin finden sich in den Blüten und Samen, giftig sind aber alle Pflanzenteile. Symptome einer Vergiftung können schon nach wenigen Stunden auftreten. Pferde reagieren auf das Toxin unter anderem mit Koliken, blutigem Durchfall, Kreislaufversagen und letztlich Tod durch Lähmung der Atemmuskulatur. Rinder setzen das Gift nur verzögert um, bei ihnen dauert es ein bis drei Tage, bis sich Vergiftungserscheinungen zeigen. Extensive Pferde- oder Rinderweiden bieten der Herbstzeitlosen ideale Bedingungen. Obwohl eher selten, kann es unter Umständen dazu kommen, dass die Tiere auf der Weide Herbstzeitlosen fressen. Besonders hoch ist die Gefahr beim ersten Weideauftrieb im Frühjahr, wenn die Tiere sehr gierig nach dem frischen Grün sind, oder bei unerfahrenen Jungtieren. Besonders problematisch ist vor allem das Heu. Für Pferde, vor allem für Freizeitpferde, wird häufig spät geschnittenes Heu empfohlen. Dieses enthält mehr Rohfaser, dafür aber weniger Energie und Eiweiß. Problematisch ist, dass durch diesen späten Schnittzeitpunkt gerade in diesem „Pferdeheu“ häufig Herbstzeitlosen enthalten sind, zum Teil in nicht unerheblichen Mengen. Leider bleibt die extreme Giftigkeit beim Trocknen bestehen, selbst nach vielen Jahren. Wird Heu, welches 1,5 % Herbstzeitlosen enthält, drei Tage lang verfüttert, kann es bereits zu Vergiftungserscheinungen mit Todesfolge kommen. Auch durch Silieren wird das Gift der Herbstzeitlose nicht inaktiviert. Da für „Pferdesilage“ ebenfalls eher zu späteren Erntezeitpunkten geraten wird, ist auch hier das Risiko einer Vergiftung mit Herbstzeitlosen erhöht. 

Durch die Extensivierung von Wiesen kann sich die Giftpflanze gut vermehren, vor allem wenn der erste Schnitt erst spät erfolgt. Warum, das zeigt ein Blick auf den Lebenszyklus der Giftpflanze: Im Herbst erscheinen die lilafarbenen Blüten ohne Blätter, nach der Befruchtung zieht sich die Pflanze in den Boden zum Überwintern zurück. Die alte Knolle stirbt ab und wird durch eine neue ersetzt. Anfang Mai erscheinen Blätter und Kapsel mit den im vorherigen Herbst befruchteten Samen. Ein später Schnittzeitpunkt nach Mitte Juni führt dazu, dass die dann bereits ausgereiften Samen durch Mähen „ausgesät“ werden. Das Vermehrungspotenzial ist hoch, denn eine einzige Herbstzeitlose enthält bis zu 300 Samen. Um die Ausbreitung der Giftpflanzen im Frühjahr über Samen zu verhindern, müssen bereits im Herbst Maßnahmen ergriffen werden. Weiterer Vorteil der Herbstbekämpfung: Jetzt sind die Pflanzen sehr einfach an ihren krokusähnlichen, lilafarbenen Blüten zu erkennen. Je nach Aufkommen werden die Herbstzeitlosenpflanzen kurz nach dem Erscheinen der Blüte (ab August) und somit noch vor der Samenbildung ausgestochen und entsorgt. Eine Möglichkeit zur Bekämpfung bei hohem Herbstzeitlosenaufkommen ist das Mähen der Pflanzen zum oben genannten Zeitpunkt. Wichtig: Das Schnittgut darf auf keinen Fall frisch beziehungsweise als Heu oder Silage verfüttert werden. Für ein erfolgreiches Zurückdrängen der giftigen Pflanzen sind die Maßnahmen im Herbst allein allerdings nicht genug.

Besonders wirksam ist die Bekämpfung von Herbstzeitlosen im Frühjahr. Bei wenigen Exemplaren im Grünland werden die Pflanzen Anfang Mai ausgestochen oder herausgezogen (Handschuhe tragen!). Dabei reißt der junge Trieb direkt oberhalb der neuen Knolle ab, vorausgesetzt der Boden ist ausreichend feucht. Die „alte“ Knolle hat zu dieser Zeit bereits all ihre Reserven aufgebraucht, mit etwas Glück werden auf diese Weise also beide Knollen zerstört. Eine regelmäßige Wiederholung dieser Prozedur im Frühjahr führt nach etwa zwei bis drei Jahren zu einer Verdrängung der Herbstzeitlose auf dieser Fläche, sofern von außen kein Sameneintrag stattfindet. Ist das Herbstzeitlosenaufkommen bereits hoch, kann mit ein bis zwei Schröpfschnitten im Zeitraum Anfang bis Mitte Mai und einer Wuchshöhe von etwa 10 cm der Bestand verringert werden. Auch hier ist eine Wiederholung in jedem Frühjahr wichtig. 

Immer wieder wird dazu geraten, die Herbstzeitlose durch Walzen des Bodens im Frühjahr zu bekämpfen. Obwohl sich dadurch andere unerwünschte Wiesenkräuter durchaus stören lassen, ist Walzen laut einer Untersuchung fast wirkungslos. Auch ein Grünlandumbruch führt nicht unbedingt zum gewünschten Erfolg, schließlich sitzen die Knollen zirka 15 cm und tiefer unter der Erde.

Helfen kann auch eine bedarfsgerechte Düngung. Diese stärkt die Gräser und schadet somit indirekt den gefährlichen Giftpflanzen. Eine chemische Bekämpfung ist unter Umständen in Form einer Einzelpflanzenbekämpfung mit einem Totalherbizid möglich, sollte aber nur zum Einsatz kommen, wenn andere Maßnahmen nicht möglich sind. Ob die chemische Bekämpfung erlaubt ist und welche Mittel am besten zum Einsatz kommen, kann beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume erfragt werden. Gelegentlich wird auch das Austreiben von Tieren auf befallene Flächen empfohlen. Dies ist aber problematisch, da es durchaus zu schwerwiegenden Vergiftungen der Tiere kommen kann, eventuell mit Todesfolge.

Sven und Peggy Morell

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