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Es bräuchte dringend ein richterliches Urteil zum Thema Kolik-OP. Dann hätten Pferdebesitzer und Tierärzte klare Handlungsanweisungen. Foto: Imago

Wenn das Pferd eine Kolik hat, muss schnell gehandelt werden. Oft ist eine Operation die einzige Rettung, doch die ist teuer und viele Pferdehalter entscheiden sich aus finanziellen Gründen dagegen. Das Tier einzuschläfern, statt den eventuell rettenden chirurgischen Eingriff durchzuführen, ist jedoch mindestens eine rechtliche Grauzone, wenn nicht sogar eine Straftat.

Ein Pferd ist schnell angeschafft. Im Internet gibt es viele Angebote, zum Teil für wenig Geld. Doch nicht nur das teure Sportpferd, sondern auch der Shetty-Absetzer für 300 € braucht eine gute Unterkunft, passendes Equipment, regelmäßige Termine beim Hufschmied, eine Haftpflichtversicherung, Wurmkuren, Impfungen und Zahnbehandlungen. Und das sind nur einige der Fixkosten. Auch krank werden kann jedes Pferd und Tierärzte machen beim Schreiben der Rechnung keinen Unterschied zwischen einem Haflinger und einem hoch dotierten Springpferd. Das alles sollte jedem Pferdebesitzer klar sein.

Ist es das nicht, können finanzielle Engpässe zu schwierigen Situationen führen. Das erlebt Dr. Jörg Belz jede Woche in seiner Pferdeklinik in Tappendorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, wenn Halter ihre Pferde mit einer Kolik bringen. "Als Erstes untersuchen wir das Pferd eingehend. Oft ist aber eine Operation (OP) die einzige Möglichkeit, dem Pferd zu helfen", erklärt der Fachmann. Er macht das seit Jahrzehnten und weiß, wie viel sich im Bereich der Anästhesie und Wundversorgung getan hat. "Früher standen die Chancen nicht gut. Heute können wir etwa 80 Prozent der operierten Pferde retten", sagt er.

Etwa zweimal die Woche werden in Tappendorf Kolikoperationen durchgeführt. Dafür hält Belz an sieben Tagen die Woche für 24 Stunden seine Teams in einem Dreischichtsystem bereit. Jeweils zwei Tierärzte und zwei Helfer müssen für die Notoperationen bereit sein, und das nicht nur nachts und am Wochenende, sondern auch tagsüber während des Regelbetriebs. "Das macht die Kolik-OP so teuer", erklärt der Tierarzt, warum für den Eingriff zwischen 6.000 und 10.000 € anfallen.

Leben des Tiers soll erhalten werden

Schwierig wird es für den leidenschaftlichen Tierarzt, wenn er überzeugt ist, dem Pferd helfen zu können, die Besitzer aber den Eingriff verweigern. "Das passiert leider auch etwa einmal die Woche", sagt er. In diesem Fall muss er das Tier einschläfern, um es von seinen Schmerzen zu befreien.

"Es kann sein, dass es Pferdebesitzer gibt, die sich aus finanziellen Gründen gegen eine Operation entscheiden. Rechtlich ist das aber nicht tragbar", sagt Kai Bemmann. Der Rechtsanwalt aus dem niedersächsischen Verden (Aller) ist selbst Pferdezüchter und Reitsportler. Auch in seiner beruflichen Praxis hat er viel mit Pferden zu tun. Er erklärt: "Im Tierschutzgesetz steht, dass das Leben des Tiers erhalten werden soll. Davon gibt es Ausnahmen, wie beispielsweise die Schlachtung zur Lebensmittel- und Futtererzeugung." Bei der Tötung wegen einer Kolik greife keine dieser Ausnahmen, denn es handle sich um einen Krankheitsprozess, der eventuell behebbar sei. "Wenn der Tierarzt also annimmt, dass er das Pferd operieren kann, muss er eigentlich operieren", resümiert der Fachmann und fügt hinzu: "Die Tötung eines Wirbeltiers ohne Grund ist verboten und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren geahndet werden."

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 16/2021 unter der Rubrik "Pferd & Reiter" und im digitalen Bauernblatt.

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