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Um die anmutigen Bewegungen eines Pferdes einzufangen, braucht es eine große Fläche, auf der die Vierbeiner ausreichend Platz für Trab und Galopp haben. Fotos: Sarah Dobberphul

Das goldene Licht in den Abendstunden sorgt für tolle Farben und lässt Pferd und Reiter strahlen.

Schwarzer Hintergrund, ein aufmerksamer Blick und natürliches Licht: Ein gelungenes Pferdeporträt spricht für sich.

Viele stolze Pferdebesitzer kennen das Problem: Der edle Vollblüter oder der prachtvolle Friese sieht einfach umwerfend aus – das muss unbedingt im Bild festgehalten werden. Das Pferd wird also geschrubbt, geputzt und malerisch im Raps- oder Kornfeld platziert. Jetzt nur noch auf den Auslöser drücken – und schon sieht der eigentlich so anmutige Vierbeiner aus wie ein x-beiniges Dromedar, der sanfte Holsteiner guckt irgendwie bissig und – Moment mal – hatte das gute Tier nicht eigentlich zwei Ohren?

Noch schwieriger wird es, wenn man die tollen Bewegungen für immer einfangen möchte. Der starke Trab in der Halle ist auf dem Bild entweder verschwommen, oder es werden ausschließlich Phasen erwischt, in denen beide Vorderbeine abgeknickt nach hinten zu sehen sind. Bei der Siegerehrung leuchten statt stolzer Reitergesichter die Pferdeaugen irgendwie gespenstisch grell.
Sarah Dobberphul ist professionelle Fotografin aus Neumünster, passionierte Reiterin und selbst Pferdebesitzerin. Ihr Studio ist in Neumünster, für Pferdefotografien fährt sie immer direkt zum Kunden. Sie kennt die Schwierigkeiten, die es bei einem Tiershooting geben kann, und verrät den Bauernblattlesern ihre besten Tipps, wie man auf einem Foto die wirkliche Schönheit von Pferden einfangen kann.
Das Pferd im Porträt
Die Vorbereitungen beginnen damit, einen möglichst schlichten Hintergrund zu wählen. Gut eignen sich eine Stall- oder Hallenwand, eine Mauer oder eine freie Fläche, wie zum Beispiel eine große Weide, auf der sich wenig störende Objekte im Hintergrund befinden. Dann sollte man viel Sorgfalt dafür aufbringen, das Pferd zu putzen, Mähne und Schweif zu bürsten und auch Trense oder Halfter zu reinigen. Mistflecken und strubbeliges Langhaar kann auch der beste Fotograf nicht ausblenden. Das Pferd sollte dann mit genügend Abstand – mindestens 3 bis 4 m – zum Hintergrund platziert werden. So steht der Vierbeiner im Vordergrund des Bildes, während der Hintergrund verschwimmt. Der Fotograf muss nun das ihm zugewandte Pferdeauge fokussieren. Bei den meisten modernen Spiegelreflexkameras ist im Display ein grünes Fenster zu sehen. In diesem sollte das Pferdeauge scharf zu sehen sein. Anschließend – je nach Pferdegröße – leicht in die Knie gehen oder sich auf einen Heuballen setzen, sodass man etwa auf Brusthöhe des Tieres ist. Das verhindert unschöne Verzerrungen, bei denen die Beine kürzer oder länger wirken. Ideal ist eine Brennweite von mindestens 100 mm, da sonst ebenfalls Verzerrungen auftreten. Sarah Dobberphul nutzt für Porträts immer ein 70- bis 200-mm-Objektiv, um durch den Spielraum beim Zoomen den richtigen Ausschnitt wählen zu können.

Gespitzte Ohren sind das A und O
Im Allgemeinen ist es am besten, das Pferd in einer vertrauten Umgebung und mit viel Geduld zu fotografieren. Es muss eine ruhige Atmosphäre geschaffen werden, in der das Pferd sich entspannen kann und nicht abgelenkt wird. Ideal ist ein Helfer, der gegebenenfalls mit einer Tüte raschelt oder andere Geräusche macht, um die Aufmerksamkeit des vierbeinigen Models zu erregen. Das Pferd sollte für ein gelungenes Porträt den Kopf anheben und zur Kamera drehen, während die Ohren gespitzt sind. Denn ein Pferd ohne gespitzte Ohren sieht eher gelangweilt oder schlecht gelaunt aus. Für ein Shooting sollten immer mehrere Utensilien vorbereitet werden, denn eine Rascheltüte ist erfahrungsgemäß nur wenige Minuten lang interessant. Müsli in einer Schüssel macht ebenfalls für das Pferd ansprechende Geräusche, außerdem wurden sehr gute Erfahrungen mit einer Pferdewiehern-App fürs Smartphone gemacht. Es gilt bei jedem Shooting zu bedenken: Das Pferd bestimmt, wie lange es vor der Kamera steht. Etwas erzwingen zu wollen, nützt meistens wenig, und schließlich sollen alle Spaß beim Fotografieren haben, der sich auch auf den Bildern widerspiegelt.
 
Das Pferd in der Bewegung
Für ein gelungenes Bild ist eine großräumige Fläche notwendig, damit das Pferd genug Platz hat, auf gerader Strecke zu traben oder zu galoppieren. Darüber hinaus muss genügend Licht vorhanden sein, da wegen der schnellen Bewegungen eine kurze Belichtungszeit der Kamera gebraucht wird. In der Halle sollten beispielsweise Sonnenstrahlen genutzt werden, damit keine weitere künstliche Lichtquelle verwendet werden muss. Bei der Kamera am besten das Menüwahlrad auf den Modus Tv stellen – so kann man die Belichtungszeit manuell auswählen. Mindestens eine Tausendstelsekunde oder kürzer sollte sie sein, um sicherzustellen, dass das Pferd scharf in der Bewegung eingefroren wird. ISO lässt man am besten im Automodus –  dann entscheidet die Kamera, wie empfindlich der Sensor sein muss, um die Belichtung richtig hinzubekommen. Praktisch sind auch die Reihen- oder Serienaufnahmen, die oft durch ein Sportlersymbol angezeigt werden. So ist die Chance größer, dass die schönste Bewegungsphase getroffen wird. Grundsätzlich gilt auch für die Pferdefotografie: Üben hilft.
 
Optimale Ausrüstung und das richtige Licht
Generell gilt bei der Pferdefotografie, ein lichtstarkes Objektiv und Teleobjektiv mit mindestens 70 bis 200 mm mit einer durchgehenden Blende von 2,8 oder geringer zu nutzen. Mit der Blende auf 2,8 bekommt man eine sehr schöne Freistellung durch die große Tiefenunschärfe, und man ist flexibel im Ausschnitt. Der Vorteil: Der Fotograf kann genügend Abstand zum Pferd halten, denn viele Pferde reagieren gegenüber fremden Geräuschen und Gerüchen skeptisch. Mit einem Teleobjektiv fängt man auch auf dem Turnierplatz vom Rand aus noch Pferd und Reiter optimal ein.
Wird draußen fotografiert, sollten die frühen Abend- oder Morgenstunden genutzt werden – sonst steht die Sonne zu hoch, und es sind harte, unschöne Schatten auf den Bildern. Durch die Lichtverhältnisse am Morgen oder Abend entsteht außerdem eine besondere Stimmung auf den Fotos. Wenn man mittags fotografieren muss, sollte man sich ein schattiges Plätzchen suchen. Ist dies auch nicht möglich, sollte am besten mit der Sonne fotografiert werden, damit keine störenden Schatten auf das Pferd fallen.

Weitere Informationen und Kontakt zu Sarah Dobberphul unter: www.belichtungszeit.net oder Tel.: 01 52-53 63 20 30

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