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Der Mist erhitzt das Wasser in den PE-Rohren, mittels Wärmetauscher und Zirkulationspumpe gelangt diese Wärme wiederum in die Heizungsanlage. Foto: Heiner Cuhls

An kalten Tagen stehen oft Dampfschwaden über dem Misthaufen. Sie sind ein Beweis für die Wärme, die bei der Zersetzung des Mists entsteht. Diese Wärme kann auch zum Heizen von Haus und Hof genutzt werden, und zwar ganz ohne Verbrennung. Eine Möglichkeit ist die Hippothermieanlage, eine andere ein Wärmetauscher mit Zirkulationspumpe. Beide Systeme sind noch selten, haben sich aber schon bewiesen.

In einem Misthaufen kommt es zu Temperaturen von bis zu 70 °C. Diese sogenannte Heißrotte ist enorm wichtig für die Vernichtung von Krankheitserregern und Parasiten, die sonst bei der Ausbringung weiträumig auf den Flächen verteilt würden. Siegfried Bulling, Seniorchef des Haghofs im schwäbischen Alfdorf, hatte dazu eines Tages eine Idee: Warum nicht die Abwärme des Pferdemistes zum Heizen der Wohnung nutzen – anstatt mühsam Holz zu hacken? Gemeinsam mit seiner Tochter Isabelle Bulling und einem Wärmepumpenhersteller setzte er seine Überlegung schließlich in die Praxis um: Seit 2012 ist die erste und bisher einzige Hippothermieanlage Deutschlands im Einsatz.

Dafür wurden in den Boden der etwa 40 m2 großen Mistplatte drei Polypropylenmatten mit 4,3 mm dicken Kapillarrohren einbetoniert. In der darunterliegenden Jauchegrube mit einem Volumen von 30 m3 sind Edelstahl-Wellflex-Schläuche deponiert. Denn die Jauchegrube dient der Wärmerückgewinnung, wenn die Miste entleert ist oder im Winter nicht genügend Wärme abgeben kann. Temperaturfühler ermöglichen der Anlage eine eigenständige Wahl, ob nur die Miste oder zusätzlich auch die Jauchegrube als Wärmequelle genutzt wird. Das Heiznetz wurde an eine Wärmepumpe angeschlossen.

Alternative zur Geothermie-Wärmepumpe

"Im Mittel ergibt sich eine Entzugsleistung von 200 Watt pro Quadratmeter bei einer mittleren Misttemperatur von 20 Grad Celsius. Anders als der Mist weist die Jauche über das ganze Jahr hinweg relativ konstante Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad Celsius auf, da die Außentemperatur keine primäre Rolle spielt", erläutert Steffen Klein, Geschäftsführer des Wärmepumpenherstellers Combitherm. Das Speichervolumen bei der Nutzung der Jauchegrube als Eisspeicher liege bei mehr als 1.000 kWh. Das sei ausreichend, um eine Woche lang ohne externe Wärmezufuhr auszukommen. "Energie ist immer genügend da. Die Entscheidung, ob Miste oder Jauche genutzt wird, trifft die Anlage automatisch über einen Regelungsalgorithmus", erklärt Steffen Klein.

 

Den vollständigen Beitrag finden Sie in der Bauernblattausgabe 17/2021 unter der Rubrik "Pferd & Reiter" und im digitalen Bauernblatt.

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