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Auch offiziell wird mittlerweile zugestanden, dass Jakobskreuzkraut sich ungewöhnlich stark ausgebreitet hat. Immer noch ist die heimische Art auf dem Vormarsch und besiedelt Flächen, auf denen die Existenz nicht vermutet wurde.

So standen schon Einzelpflanzen am Rande von Marschweiden oder in Mähwiesen für die Gewinnung von Milchviehfutter. Für Pferdehalter ist die Problematik eigentlich nichts Neues. Dennoch ist wiederholt der Hinweis angebracht, dass die Pflanze Jakobskreuzkraut in allen Teilen und in allen Entwicklungs- und leider auch Trocknungsstadien giftig ist. Die Giftigkeit beruht auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide, die unter anderem zu chronischen Lebervergiftungen führen. Pferde reagieren von allen Nutztieren am empfindlichsten auf das Pflanzengift im Jakobskreuzkraut.
Das diesjährige frühe Frühjahr hat die schnelle Pflanzenentwicklung begünstigt. Davon hat auch das Jakobskreuzkraut profitiert. Die Aufgabe des Pferdehalters liegt sicher nicht darin, die heimische Pflanze wieder zurückzudrängen. Er hat vielmehr die Verantwortung gegenüber dem Pferd. Insofern muss er dafür sorgen, dass die Pflanze sich weder auf der Weide noch auf der Winterfutterfläche ausbreitet. Die Pflanze ist zweijährig in der Entwicklung. Das heißt, aus dem im Vorjahr gelandeten Samen bildet sich zunächst eine Grünpflanze, die je nach Standort 30 bis 40 cm hoch werden kann. Sie sieht meist sehr kräftig grün aus.

Schon die erste Generation entfernen

Diese Pflanzengeneration sollte von der Nutzfläche entfernt werden. Einzelpflanzen lassen sich leicht herausziehen oder chemisch bekämpfen. Eine stark einschränkende Wirkung hat auch das regelmäßige Mulchen. Denn für Pferde bedeutet das Mulchmaterial der Jungpflanzen keine Gefahr. Es trocknet sehr schnell ab, ist dann bröckelig und fällt durch die Grasnarbe, womit es unerreichbar für das Pferdemaul ist.
Anders verhält es sich mit der zweijährigen Pflanze, die mehrere (bis zu 100 cm) hohe Blütenstängel ausbildet. Das strunkige Mulchmaterial wird in der Regel zwar von den Pferden gemieden, es bleibt aber auf der Grasnarbe liegen und enthält weiterhin die Pyrrolizidin-Alkaloide. Da sich beim Trocknungsvorgang meist eine Notreife einstellt, kann von abgemähten und gemulchten Pflanzen immer noch eine Samenverbreitung ausgehen.
Ab Mitte Juni ist das Mähgut besser von der Weide zu entfernen und zu entsorgen. Kleine Mengen können über den Hausmüll oder durch Verjauchung beseitigt werden. Für größeren Anfall von Mähgut sind andere Verwertungen zu prüfen (beispielsweise in Biogasanlagen).
Auch wenn manche Pferdehalter darauf vertrauen, dass die Pferde Jakobskreuzkraut nicht fressen, haben auch sie die Verantwortung, die weitere Ausbreitung auf Nachbarflächen zu verhindern und auch ihre Weiden frei davon zu halten. Deshalb müssen sie spätestens vor der Blüte alle Pflanzen in irgendeiner Form bekämpfen. Dazu kann das regelmäßige Mulchen dienlich sein.

Vorkommen im Winterfutter

Im Winterfutter ist das Jakobskreuzkraut fast nicht zu erkennen, und auch die geschmacksempfindlichen Pferde können es nicht herausschmecken und damit ausselektieren. Deshalb gilt ein mit Jakobskreuzkraut versetztes Heu oder eine Silage als bedenklich, wobei Einzelpflanzen noch kein Problem bedeuten dürften. Eine Pflanze pro Silageballen entspricht einem Besatz von 0,0125 %. Sobald das Jakobskreuzkraut in den bedenklichen Bereich von 0,5 bis 1 % Besatz im Futter kommt, das wären etwa 50 bis 150 Pflanzen in einem Rundballen, oder über 1.000 Pflanzen pro Hektar, ist die Abgabe als Futtermittel verantwortungslos und bedeutet einen Verstoß gegen das Futtermittelrecht und die Futtermittelhygieneverordnung.

Jürgen Lamp/LVZ Futterkamp

  

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