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Duschen mit Wasser bietet die effektivste Kühlung, wobei immer an den Beinen begonnen werden sollte. Foto: neurolle - Rolf/pixelio.de

Pferde sind viel empfindlicher gegenüber Hitze als wir Zweibeiner. Sind die Tiere sehr hohen Temperaturen oder direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt, können ein Hitzschlag oder ein Sonnenstich die Folge sein. Beide Fälle sind mit großem Leiden verbunden und können unter Umständen tödlich enden. Daher gilt: Pferde müssen im Sommer unbedingt richtig vor der Hitze geschützt werden.

Pferde haben einen größeren Anteil an aktiven Muskeln als zum Beispiel der Mensch. Werden diese durch Bewegung und Training aktiviert, so erzeugen sie Wärme, und das Pferd gerät ins Schwitzen. Ein Pferd produziert bei Anstrengungen und intensivem Training im Schnitt 20 l Schweiß. Bei schwüler Hitze steigt die Produktion an, und es werden knapp 10 l mehr ausgeschüttet. 

Bei heißen Temperaturen um die 30 ºC bietet die Luft zum Verdunsten keine Abkühlung mehr. Die sogenannte Verdunstungskühlung bleibt quasi ohne Wirkung, da das Pferd in einem Fön aus warmer Luft steht. Der Schweiß rinnt in diesem Fall ungenutzt zu Boden, was für das Pferd den Verlust eines wichtigen Kühlungsmechanismus bedeutet. Zusätzlich gehen über den Schweiß wichtige Elektrolyte für den Organismus verloren. Pferdeschweiß ist reich an Mineralstoffen und Spurenelementen, sodass der Stoffwechsel durch das Schwitzen demineralisiert wird. Bei Verlust der Elektrolyte kommt es zu Störungen im Zellstoffwechsel, wo diese dringend benötigt werden. Symptome des Elektrolytverlustes sind Muskelkrämpfe, Herzrhythmusstörungen und Nervenschäden. Bei starkem Schwitzen muss einem Pferd deswegen immer ein Elektrolytersatz in Futter oder Wasser gemischt werden.

Hitzschlag durch Wärmestauung

Bei sommerlicher Hitze von 30 ºC ist schon eine Viertelstunde gemäßigtes Training ausreichend, um die Körpertemperatur eines Pferdes auf ein gefährliches Niveau ansteigen zu lassen. Bei uns Zweibeinern dauert es bis zu einem solchen Anstieg drei- bis zehnmal so lang. Das Hitzeempfinden des Reiters darf also auf keinen Fall maßgebend sein, ob das Wetter zum Trainieren für das Pferd noch geeignet ist oder nicht.

Denn wenn das Pferd kontinuierlich hohen Außentemperaturen und gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt ist und dabei sogar noch weiter trainiert wird, erzeugt es fortlaufend Wärme, die nicht mehr reguliert werden kann. Dadurch kommt es zur Wärmestauung und zum Hitzschlag. Pferde überhitzen bis zu zehnmal schneller als Menschen. Besonders an schwülwarmen Sommertagen ist die Gefahr groß. 

Durch die Wärmestauung wird der Stoffwechsel angekurbelt, wodurch noch mehr Wärme produziert wird. Das beeinflusst die Blutzirkulation, sodass das Gewebe vermindert mit Sauerstoff versorgt wird. Es kommt zur allmählichen Übersäuerung des Stoffwechsels und zum Anstieg der Körpertemperatur bis auf 41 ºC. In den Muskeln können sogar Temperaturen von 43 ºC erreicht werden. Ab solchen Temperaturen beginnen die Eiweiße des Pferdekörpers sich zu zerstören. Das Pferd fängt an zu taumeln und zu schwanken, kann apathisch wie in Narkose liegen, zusammenstürzen oder krampfen. Die Atmung geht oberflächlich und schnell, während die Schleimhäute sich allmählich bläulich verfärben. Charakteristisch für einen Hitzschlag ist, dass das Pferd nicht mehr schwitzt und die Haut komplett trocken und heiß ist. Im weiteren Verlauf kommt es zu Blutdruckabfall, Koliken und Nierenversagen. In besonders dramatischen Fällen sind Überhitzungen des Pferdes auch schon tödlich verlaufen. Dies ist besonders für alte oder schwache Pferde mit schlechter Kondition eine große Gefahr und sollte immer im Hinterkopf behalten werden. Eine Überhitzung des Pferdes ist aus diesem Grund immer ein akuter Notfall, bei dem sofort ein Tierarzt gerufen werden muss.

Die Entstehung eines Hitzschlages setzt eine hohe Luftfeuchte und eine Verhinderung der Verdunstung voraus. Schlecht belüftete niedrige Ställe, enge Transporter, Turnierzelte in der Sonne, überfüllte Ställe, Eisenbahn oder Flugzeug mit falscher Klimatisierung sind hierfür prädestiniert.

Erste Hilfe bei Hitzschlag

Die erste Maßnahme bei einer Überhitzung des Pferdes ist es, das Tier in den Schatten zu führen. Hier sollte es vorsichtig mit nicht zu kaltem Wasser abgeduscht werden, wobei immer an den Beinen begonnen wird, um keinen Schock zu verursachen. Ein alleiniges Kühlen der Beine bringt aber nichts, da an den Gliedmaßen die Blutgefäße sehr dünn sind. Dadurch kann nicht ausreichend Kühlung in den Körper weitertransportiert werden. Hals und Rumpf müssen deswegen direkt mit Wasser gekühlt werden. Damit dies effektiv wirkt, ist es wichtig, dass mindestens 10 min gekühlt wird. Kürzeres Abspritzen hat genau den umgekehrten Effekt, da der Körper auf den kurzen Kältereiz mit einer Gegenreaktion reagiert und Wärme zum Ausgleich schickt. Das muss vermieden werden. Um einen langfristigen Kühleffekt zu erzielen, müssen die Pferdebeine zunächst über 10 min auf 15 ºC vorgekühlt werden. Der Wasserstrahl sollte nicht zu hart eingestellt sein, damit er die Sehnen nicht reizt. Vorsicht ist insbesondere bei unerfahrenen Pferden geboten. Das Hantieren mit dem Wasserschlauch macht jungen oder schreckhaften Pferden oftmals Angst, sodass sie langsam ans kühle Nass gewöhnt werden müssen, um keine Panikreaktion auszulösen. Ein praktisches Kühlmittel sind Kühlgamaschen. Legt man diese für etwa 10 min in kaltes Wasser, speichern sie Kälte und geben diese dann am Pferdebein wieder ab. Ein guter Trick ist außerdem das Einhüllen des Pferdes in eine feuchte Decke. Als homöopathisches Kreislaufmittel kann dem Pferd Carbo vegetabilis verabreicht werden, bis der Tierarzt eintrifft. Auf keinen Fall darf dem Pferd Wasser angeboten werden, da durch die zentralnervösen Einschränkungen der Schluckreflex gestört ist. So kann es zur Einatmung von Wasser kommen, was im schlimmsten Fall eine Lungenentzündung auslöst. Aus demselben Grund ist dem Pferd auch das Futter zu entziehen.

 

Schatten, frische Luft und sanfte Bewegung

Besser als die Therapie eines Hitzschlages oder eines Sonnenstiches ist selbstverständlich die Vorbeugung eines solchen Falles. Die Prophylaxe beginnt mit der Haltung der Pferde bei sommerlichen Witterungsbedingungen. So muss auf Weide oder Paddock für entsprechende Schattenplätze für alle Vierbeiner gesorgt werden, damit sie sich vor der prallen Sonne in Sicherheit bringen können. Ist dies nicht möglich, ist der kühle Stall tagsüber für das Pferd der bessere Platz. Im Stall muss für ausreichende Luftzirkulation und frische Luft gesorgt werden, ohne dass die Pferde im Zug stehen. Trainings- oder auch Entspannungsausritte sollten in die frühen Morgen- oder die späten Abendstunden gelegt, Ritte in der prallen Sonne generell vermieden werden. Insbesondere dann, wenn draußen die Temperaturen so steigen, dass selbst der Mensch sich nicht mehr gerne bewegen mag.

Diskussionsstoff bietet in diesem Zusammenhang auch immer wieder die Frage, ob es im Hinblick auf den Tierschutz noch pferdegerecht ist, bei sommerlicher Bruthitze mit seinem Pferd aufs Turnier zu fahren. Beginnend mit der Fahrt auf dem stickigen Anhänger, der Aufregung und Anspannung auf dem Turnierplatz und der Wartezeit im stickigen Transporter, ist hier größte Vorsicht und Vernunft der Besitzer geboten. Vom Hitzestau abzugrenzen ist der durch direkte Sonneneinstrahlung entstehende Sonnenstich. Hierdurch kommt es zu einer verstärkten Durchblutung des Gehirns und der Hirnhäute, was die Bereiche anschwellen lässt. Dadurch entstehen zentralnervöse Störungen, vergleichbar mit denen einer Hirnhautentzündung. Betroffen sind zum Beispiel Pferde auf Turnierplätzen oder Rennbahnen, die länger ungeschützt mit dem Kopf in der Sonne stehen. Auch Weidepferde, die keine ausreichenden Schattenplätze haben, sind stark gefährdet, einen Sonnenstich zu erleiden. Liegt ein Pferd im Sommer in der prallen Sonne, so sollte besser überprüft werden, ob es nur ein Mittagsschläfchen hält oder unter Umständen zusammengebrochen ist. Klassische Symptome für einen Sonnenstich sind ein Taumeln, starkes Schwitzen, beginnende Apathie und Orientierungslosigkeit.

Im Gegensatz zum Hitzschlag ist die Körpertemperatur nicht erhöht, wodurch die beiden Vorfälle klar voneinander unterscheiden werden können. Die schnellste Hilfsmaßnahme bei einem Sonnenstich ist es, das Pferd an einen kühlen, schattigen Platz zu bringen und den Kopf mithilfe von Wasser oder Eisbeuteln zu kühlen. Auch ein konservativer Aderlass mit 7-8 l Blut kann beim Sonnenstich helfen. Hierfür muss jedoch ein erfahrener Tierarzt vor Ort sein, da die Methode nicht ganz ohne Risiko ist. Abhängig von Verfassung und Kondition des Pferdes muss abgewogen wer-den, ob die Durchführung möglich ist oder unter Umständen einen Kreislaufzusammenbruch verursachen kann.

Hanna Katrin Stephan

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