Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Andrea Höhse, Tierärztin in der Pferdeklinik Seester, hat zusammengestellt, was alles in eine gut sortierte Stallapotheke gehört. Foto: Assia Tschernookoff

Verletzungen bei Pferd und Reiter kommen leider vor. Ob es sich nur um eine kleine Schramme oder eine größere Wunde handelt – eine gut sortierte Stallapotheke hilft in der Not und sollte in keinem Stall fehlen. Andrea Höhse, Tierärztin in der Pferdeklinik Seester, Kreis Pinneberg, gibt Tipps für die richtige Ausstattung.  

„Von Verbandsmaterialien für die Wundversorgung kann man nicht genug haben“, versichert Andrea Höhse: Mullkompressen in unterschiedlichen Größen, Mullbinden, Verbandswatte, selbsthaftende Binden, Gewebeklebeband, Fixierpflaster und ein ganzes Paket Einmalhandschuhe. Grundsätzlich sollte ein Verband niemals direkt auf der Wunde angelegt, sondern diese erst mit einer Mullkompresse gereinigt und dann mit einer sterilen Kompresse bedeckt werden, bevor sie mit Mullwatte umwickelt und mit einer Mullbinde befestigt wird. Eine selbstklebende Binde, die man wie eine Bandage anlegt, sorgt für den nötigen Halt. „Bitte keine desinfizierenden Mittel wie Aluspray oder Salben auftragen“, rät die Tierärztin, „sonst können wir die Wunde nicht mehr beurteilen.“ Stark blutende Wunden müssen – bis der Arzt kommt – mit einem Druckverband gestillt werden. Dass dieser zu fest gewickelt sein könnte, sorgt bei Andrea Höhse nicht für Bedenken: „Da müsste man schon Bärenkräfte haben“, sagt sie. Um großflächige Wunden abzudecken, eignet sich ein sauberes Frotteehandtuch. „Offene Wunden, die durch die Haut gehen, oder bei denen man sogar die darunterliegenden Strukturen sehen kann, müssen unbedingt vom Tierarzt behandelt werden.“ Diese müssen in der Regel genäht oder geklammert und über einen längeren Zeitraum versorgt werden. 

Medikamente für den Notfall

Desinfektionsmittel wie Jodlösung, Blauspray sowie Jodseife und -salbe, Socathylsalbe und eine Zink-Lebertran-Salbe sollten in keiner Stallapotheke fehlen, um oberflächliche Wunden zu behandeln. Bei Prellungen und Verstauchungen helfen heparinhaltige Gele, gegebenenfalls auch eine Kühlpaste, die aber keinesfalls auf offene Wunden aufgetragen werden darf. Für kolikanfällige Pferde sollte man ein entsprechendes Medikament zur Behandlung von Blähungen und Magen-Darm-Störungen zur Hand haben. Sauerkraut hat sich als probates Hausmittel für Hufverbände bewährt, um die Entzündung „herauszuziehen“. Ebenso gehört eine Augensalbe, die ein Antibiotikum enthält, zur Ausstattung. „Auf keinen Fall aber mit Kortison!“, warnt die Tierärztin. Ist die Hornhaut verletzt, wirkt diese heilungsmindernd oder sogar heilungsstörend. „Kneift das Pferd die Augenlider zu oder ist das Auge geschwollen, unbedingt den Tierarzt anrufen – bei Schmerzzuständen sowieso“, lautet der dringende Rat der Tierärztin. Nicht aufgebrauchte Augensalben auf keinen Fall aufbewahren und wiederverwenden, sondern unbedingt entsorgen. Tuben und Tiegel sollten immer sorgfältig verschlossen werden, um weder die eigenen Bakterien noch die anderer Pferde zu übertragen. Salben dürfen immer nur mit Einmalhandschuhen aufgetragen werden. 

Fieberthermometer: Ein absolutes Muss

Ein Fieberthermometer ist das Mindeste, was jeder Pferdebesitzer haben muss. Denn die Temperatur ist der wichtigste Indikator für den Gesundheitszustand eines Pferdes. „Da wird zum Beispiel ein Pferd aufgrund von Kolikverdacht Runde um Runde geführt, weil es matt erscheint“, erzählt die Tierärztin aus ihrer Praxiserfahrung, „dabei hat es Fieber.“ Auch Scheren und Pinzetten in runder und spitzer Ausführung und eine Zeckenzange gehören ebenso zum Inventar einer gut sortierten Stallapotheke. Ebenso ein Maulkorb, wenn das Pferd zum Beispiel nichts fressen darf, und eine Fliegenmaske, die bei einer Augenverletzung schützt. Eine Taschenlampe sollte – insbesondere im Offenstall – immer vorhanden sein, um ein Pferd auch im Dunkeln nach Verletzungen absuchen zu können. „Mindestens zweimal im Jahr sollten Medikamente und Verbandsmaterialien auf ihre Haltbarkeit überprüft und rechtzeitig ersetzt werden“, empfiehlt die Tierärztin. Angebrochene Mittel sind zügig aufzubrauchen oder zu entsorgen. Auch der Equidenpass gehört in den Stall, in dem das Pferd steht. „So können wir vor Ort den Tetanusschutz überprüfen“, erklärt Andrea Höhse. Eine aktuelle Liste mit den Telefonnummern der Pferdebesitzer und ihrer Tierärzte gehört an jede Stallpinnwand. „Im Notfall besser den Tierarzt einmal zu viel anrufen“, empfiehlt Andrea Höhse, „am Telefon lässt sich gemeinsam klären, wie ernst der Gesundheitszustand ist oder ob es sich glücklicherweise doch nur um eine Bagatelle handelt.“

Assia Tschernookoff

nach oben