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In guter bäuerlicher Tradition leisten die Landwirtsfamilien gegenseitig Nothilfe. Foto: Privat

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Es war klar, dass diese Ausgabe des Bauernblattes aufreibend wird. In einer Sauenhaltung in Brandenburg wurde der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) in einem Hausschweinebestand festgestellt, mit allen Konsequenzen. Die Sorge der Schweinehalter vor weiteren wirtschaftlichen Einbußen ist damit nochmals gestiegen, weil die Fleischnachfrage zurückgehen kann und sie im schlimmsten Fall den Bestand verlieren, wenn eine Ansteckung von Tieren erfolgt.

Zu der Zeit stieg das Wasser in den Überflutungsregionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz immer weiter an. Die Wucht der Zerstörung, die die Flutkatastrophe hinterlassen hat, ist erschütternd und hat uns alle fassungfslos gemacht. Solche Bilder des Grauens kannten wir bislang nur aus den Medien aus weit entfernten Regionen.

Allmählich scheint sich die Lage zu entspannen. Jetzt wird sichtbar, wie viele Menschen noch immer um ihr Hab und Gut bangen müssen und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Das Unwetter hat in den am schlimmsten betroffenen Regionen vor keinem Halt gemacht. Auch Landwirte sind betroffen. Ganze Tierbestände sind in den Fluten untergegangen, Tier- und Ernteverluste summieren sich zu den Schäden an Maschinen und Höfen.

Viele stellen jetzt die Frage, welche Schlüsse aus diesen Überflutungen und den Extremwetterereignissen der vergangenen Jahre gezogen werden müssen. Man erinnere sich an die Überschwemmungen 2017 in Norddeutschland und die Dürrekatastrophe 2018. Die Appelle richten sich an die Klimapolitik, und die konzentriert sich längst auf Reduktionsziele. Das wird für uns in absehbarer Zeit noch wenig bringen gegen Extremwetterereignisse. Denn die beschlossene Dekarbonisierung der Wirtschaft und Minderung der Karbonisierung in der Landwirtschaft können erst in Jahrzehnten greifen. Hinzu kommt unsere traurige Stellung in der Statistik. Deutschland ist nur für 2 % der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Um spürbare Änderungen zu bewirken, müssten die größeren Emittierenden wie die USA, China, Russland oder Indien mit im Boot sein. Hier hat die Klimapolitik leider noch einen weiten Weg vor sich.

Landwirte, Lohnunternehmer, Gartenbauer und viele engagierte Helfer haben in dieser Krisensituation die schnellen Wege gewählt. In guter bäuerlicher Tradition leisten die Bauernfamilien in der Region sich gegenseitig Nothilfe, hat der Bauernverband geschrieben. Nicht nur das. Sie haben nicht gezögert und sind viele Kilometer weit gefahren, um die Hilfskräfte vor Ort mit ihren Maschinen und Gerät zu unterstützen und leisten so einen großen Beitrag bei der Beseitigung der Schäden. "Helfen. Anpacken. Hoffnung spenden", titelte eine Kollegin den Einsatz. Die Solidarität und Hilfsbereitschaft auch über Landesgrenzen hinweg ist überwältigend.

So sehr es viele drängen mag, lieber mit dem Traktor vor Ort zu helfen. Das lässt die schwierige Situation kaum zu und erfordert erfahrene Koordination. Die Bauernverbände und zahlreiche Organisationen haben Spendenkonten eingerichtet, um zu unterstützen und die Not, die entstanden ist, zu lindern. Wir werden einiges aufarbeiten müssen. Alles zu seiner Zeit. Jetzt geht es um das Nötigste: "Wir werden den Mantel teilen", hat ein befreundeter Bauer aus der Kölner Region gesagt.

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