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Im ungleichen Rennen bleibt der Hase auf der Strecke. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Zwei Figuren aus der Märchenwelt begegnen uns in jüngster Zeit immer häufiger. "Dat Wettlopen twischen den Hasen un den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude" wurde 1840 in der Hannoverschen Volkszeitung zum ersten Mal abgedruckt. De lütje Heide bi Buxtehude ist heute überall auf dem Land. Der Hase, der sich am Ende die Seele aus dem Hals rennt, erinnert an die Landwirtschaft und die Bauern, die abwechselnd auf die Igel, also Vertreter aus Politik und Nichtregierungsorganisationen (NGO) treffen. Überall, wo der Hase auftaucht, ist der Igel schon da: "Ick bün all hier."

Die Politik ist überall dort anzutreffen, wo Wählerstimmen sind. Dabei bewegt sie sich zwischen der Kluft aus urbanem Wählerpotenzial, skandalverliebten Publikumsmedien und lautstarken NGO. Manchen Hasen mag es vorkommen, dass gerade besonders viele Igel unterwegs sind. Vor allem die Kleinen bekommen Gegenwind und müssen strampeln. Auf EU-Ebene wird der einkommenswirksame Korb der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) durch Absenkung der Basisprämie höher gehängt. Ein höherer Arten- oder Wettbewerbsschutz für kleine Hasen durch Kappung oder Degression ist vom Tisch. Die Politik setzt auf Klimaneutralität, Artenvielfalt, pauschale Auflagen in Schutzgebieten und übersieht an vielen Stellen, was alles aus Selbstverständlichkeit getan wird.

Die NGO haben entlang der Landwirtschaft ein Geschäftsmodell entwickelt. Mit Tierschutz, Klima und Umwelt lässt sich prima Geld verdienen. Die Empörungsgrenze ist durch Vereinfachungen und Skandalisierungen leicht aufrecht zu erhalten. Die Bereitschaft zum Spenden ist entsprechend groß. Das hält das wirtschaftliche Rad der Organisationen am Laufen. Und es gibt zu Hauf vermeintliche Sündenböcke: nahezu sämtliche konventionell wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betriebe.

Die Bauern laufen wie die Hasen den Ansprüchen von Politik und Gesellschaft hinterher, auch wenn vielen Anforderungen kaum nachvollziehbare und keine wissenschaftlichen Erkenntnisse zugrunde liegen. So steigen Wut und Empörung.

Die Hasen trommeln in solchen Situationen mit den Hinterläufen auf den Boden. Dadurch können sie ihre Angst zeigen. Es bedeutet aber auch, dass sie gegen etwas protestieren oder ihre Artgenossen vor einer vermeintlichen Gefahr warnen wollen. Ist Politik und Gesellschaft nicht bewusst, wo die Gefahren lauern? Es drohen verwahrloste und verödete Landschaften, auf denen sich die Nahrungsmittelproduktion nicht mehr lohnt und in Folge dessen eine prekäre Versorgungslage mit hochwertigen heimischen Nahrungsmitteln.

Übrigens: Im Märchen vom Hasen und dem Igel blieb der überforderte Hase auf der Strecke.

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