Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Landwirt und Lehrling ziehen gemeinsam die Schare eines Grubbers nach. Foto: Landpixel

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Die ersten vier Wochen des ersten Lehrjahres sind bereits vorbei. Am 16. Juli haben 334 angehende Landwirtinnen und Landwirte ihre Ausbildung in Schleswig-Holstein begonnen. Der Ausbildungsbeginn zum 16. Juli mag auf den ersten Blick zwar etwas ungewöhnlich sein, ist aber praktisch gewählt. Denn so können die Auszubildenden gleich bei der Ernte dabei sein und erste Erfahrungen auf den Lehrbetrieben sammeln. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Auszubildenden in Schleswig-Holstein leicht gestiegen. Begannen 2018 noch 302 junge Frauen und Männer ihre Ausbildung zur Landwirtin und zum Landwirt, waren es 2019 und 2020 311 und in diesem Jahr 334. Die Zahl der jungen Frauen unter den Auszubildenden ist auch leicht gestiegen, auf immerhin 27 % im vorigen Jahr. Dieser Trend dürfte anhalten.

Diese Zahlen legen eine Diskrepanz offen. Das viel gezeichnete trübe Stimmungsbild in der Landwirtschaft und die häufig negative Darstellung in Publikumsmedien und digitalen Netzwerken ließen doch viel eher den Schluss zu, dass sich niemand für diese Arbeit und eine so belastete Branche interessiere. Doch ein Arbeitsplatz mit Leidenschaft direkt in der Natur, mit hoher Verantwortung für Lebewesen, Verständnis für Technik, Produktionsabläufe, Ökologie und Ökonomie – trotz Arbeitszeiten die für manchen jenseits der Komfortzone liegen – ist etwas Besonderes. Das erkennen auch immer mehr Auszubildende, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. Denn deren Zahl steigt.

Die Ausbildung ist das Fundament für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Die produktionstechnischen Kompetenzen, die jetzt vermittelt werden, sind die Grundlage für die Erzeugung von Rohstoffen und Lebensmitteln. Die angehenden Landwirtinnen und Landwirte werden in ihrem zukünftigen Berufsleben auf ein größeres Aufgabenspektrum stoßen, dass über die Nahrungsmittelproduktion hinausgeht, zum Beispiel Energieerzeugung, Dienstleistung oder Natur- und Landschaftspflege.

Nach der erfolgreichen Ausbildung stehen verschiedene Wege offen. Die jungen Menschen werden später im Angestelltenverhältnis auf landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten, in vor- und nachgelagerten Bereichen, den elterlichen Hof oder einen fremden Betrieb übernehmen. Das Thema außerfamiliäre Hofübergabe wird die Landwirtschaft in Zukunft begleiten, zumal knapp 40 % der Betriebsleiter älter als 55 Jahre sind.

Jedes neue Lehrjahr beginnt mit neuen Herausforderungen an die Betriebsleiter, die Auszubildenden und damit, die Landwirtschaft für die Zukunft aufzustellen. Azubis sind längst keine billigen Arbeitskräfte mehr, sondern wertvolle Rohstoffe.

nach oben