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Mit dem Aus der betäubungslosen Ferkelkastration ab 2021 bleiben der Schweinefleischbranche aktuell drei Alternativen: Ebermast, Betäubung mit Isofluran und Immunkastration (Impfung gegen Ebergeruch). Foto: Dr. Robert Quakernack

Dr. Robert Quakernack. Foto: Archiv

Die Zeit drängt! Noch ein gutes Jahr, dann gehört die betäubungslose Ferkelkastration in Deutschland endgültig der Vergangenheit an. Die Politik gibt sich bislang neutral und will die Alternativen Ebermast, Isoflurannarkose und Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration) gleichberechtigt behandeln. Einen vierten Weg wie die Injektionsnarkose durch den Landwirt, wie er beispielsweise in Dänemark beschritten wird, halten die meisten Fachleuten hierzulande für unrealistisch. Weitere Methoden wie die Verwendung von Lasertechnik oder des Narkosegels Trisolfen besitzen Potenzial, erreichen aber bis zum 1. Januar 2021 keine Marktreife.

Jede der drei Alternativen hat ihre Vor- und Nachteile. Je nachdem, wen man fragt, wird unterschiedlich argumentiert. Vorige Woche hat sich der Verband der Fleischwirtschaft für die Isoflurannarkose starkgemacht. Mit dieser Methode sei eine hohe Fleischqualität gewährleistet. Eberfleisch werde hingegen aufgrund seiner "spezifischen Eigenschaften" von vielen nationalen und internationalen Kunden abgelehnt. Das gelte auch für geimpfte Eber. In der Folge seien die Absatzmöglichkeiten begrenzt, was sich auf Dauer im Erlös widerspiegeln würde. Diese Aussage ist insofern verwunderlich, als die bisher in Deutschland erfassten Schlachtdaten ein anderes Bild zeichnen. Die Fleischqualität geimpfter Tiere liegt im Bereich zwischen normalen Kastraten und weiblichen Tieren.

Noch ist die Datenbasis nicht sehr belastbar. Doch allein das westfälische Schlachtunternehmen Tummel hat sich als Zielmarke die Schlachtung von 3.500 geimpften Tieren bis zum Jahresende gesetzt. Die Handelskette Kaufland nimmt die Ware ab. Insgesamt zeigt sich der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend offen für Fleisch von geimpften Tieren. Im Rahmen des 100.000-Improvac-Tiere-Projekts der nordwestdeutschen Schweinehalter hat im Juli auch Tönnies ein Reglement für die Abnahme der sogenannten Immunokastraten getroffen. Das Schlachtunternehmen berechnet dabei einen Abzug in Höhe von 3 ct/kg Schlachtgewicht.

Es scheint also zunehmend schwierig, gegen die Immunokastration zu argumentieren, zumal auch Tierärzte und Tierschutzorganisationen die Unversehrtheit des Tieres als Zielmarke in der Schweinemast ausgeben. Alles andere sei auch dem Verbraucher kaum zu vermitteln. In jedem Fall können die Landwirte mit ihrer Initiative nicht mehr als Bremsklotz in der Kette hingestellt werden. Das hat nach Bauernblattinformationen auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei einem Runden Tisch zu Ferkelkastration am Dienstag verstanden.

Schon jetzt blickt die gesamte Branche gespannt nach Berlin, wo Ende Januar bei der Internationalen Grünen Woche weitere Pflöcke in Sachen Ferkelkastration eingeschlagen werden. Treten womöglich neue Allianzen zwischen Tierschützern und Tierhaltern zutage? Welche Zeichen setzt der Verbraucher, der selten so dicht wie hier an Agrarproduktion und -politik herantritt? Fest steht, dass es 2021 alle drei Alternativen auf dem Markt geben wird. Das politische Gezerre um den jeweiligen Umfang dürfte jedoch noch zunehmen.

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