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Für Belange einer nachhaltigen Landwirtschaft sind Weisheit, Kompromissbereitschaft und Respekt füreinander eine wesentliche Voraussetzung. Und eine gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbereitschaft, die bereit ist, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und zu verändern. Foto: pixabay

In diesen Tagen sind mir die Bilder der großen Demonstrationen aus den vergangenen Wochen vor Augen. Tausende Menschen sind für wichtige gesamtgesellschaftliche Anliegen auf die Straßen gegangen: für eine andere Klimapolitik, gegen Fremden- und Menschenfeindlichkeit und für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Die Sicherung der Lebensmittelversorgung in unserem Land liegt in den Händen hochprofessioneller landwirtschaftlicher Betriebe. Gemessen an der Gesamtbevölkerung sind es wenige Menschen, die diese Leistung erbringen müssen. Und die wirtschaftlichen Zusammenhänge, in denen wir bisher wie selbstverständlich leben, sorgen unsentimental für einen erheblichen Kosten- und Leistungsdruck, dem alle in der Landwirtschaft Tätigen ausgesetzt sind. Die Agrarpolitik der vergangenen Jahrzehnte mit ihren niedrigen Lebensmittelpreisen rächt sich jetzt, weil die Landwirtschaft zu immer geringeren Erzeugerpreisen produzieren musste. Dies hat den massiven Strukturwandel befeuert.

Ich erlebe bei meinen Begegnungen und Gesprächen mit Landwirten und ihren Familien, dass mit großer Leidenschaft Verantwortung für Tiere und Land, für Umwelt und Menschen wahrgenommen wird. Zugleich bedarf auch die Landwirtschaft wie jeder Zweig unseres Wirtschaftens fortlaufend einer Selbstkorrektur. Doch es kann nicht sein, dass hier allein die Landwirtinnen und Landwirte in die Verantwortung genommen werden – auch die Konsumenten müssen sich bewusst machen, dass Nachhaltigkeit ihren Preis hat. Ein bewussterer Umgang mit dem landwirtschaftlich Produzierten sollte selbstverständlich sein und grundlegender Gegenstand des gemeinsamen Lernens in Familie, Kita und Schule.

"Grüne Kreuze" stehen derzeit auf vielen Feldern und machen auf die Situation der Landwirtschaft aufmerksam. Für uns als Christinnen und Christen ist das Kreuz mit seinen beiden Zeigerichtungen in die Horizontale und Vertikale eine Erinnerung daran, wie sehr wir auf die anderen angewiesen sind. "Wachsen und gedeihen steht in des Himmels Hand", singen wir zum Erntedankfest. Das Kreuz weist zum Himmel, auf das, was nicht in unserer Hand liegt. Und es weist nach rechts und links und damit auf die Menschen, die mit uns Teil dieser Welt sind. Das tote Holz des Kreuzes wird in der österlichen Symbolik zum Lebensbaum, aus dem neues Grün sprießt, und damit zum Inbegriff eines lebensbejahenden Gottes.

Mit der Geburt Gottes als Kind im Stall zu Betlehem feiern wir ihn an Heiligabend als einen, der selbst von den Menschen ernährt wird. Ein kleines Kind, Inbegriff der Zerbrechlichkeit des Lebens und der Angewiesenheit auf die Verantwortung der Menschen. Vielleicht ist dieses Bild der beste Kompass für unsere gemeinsame Wahrnehmung unserer Verantwortung. Wir müssen achtsam wirtschaften, damit auch die kleinen, zerbrechlichen Wesen, die heute geboren werden, eine Zukunft haben. Und dazu braucht es nachhaltiges Denken und Entscheiden, das beides nach bestem Wissen und Vermögen in Einklang bringt: die Belange einer nachhaltigen Landwirtschaft und die Belange einer Landwirtschaft, die wirtschaftlich so aufgestellt werden kann, dass auch die dort Tätigen von ihrer Hände Arbeit gut leben können. Weisheit, Kompromissbereitschaft und Respekt füreinander sind dafür eine wesentliche Voraussetzung. Und eine gesamtgesellschaftliche Verantwortungsbereitschaft, die bereit ist, den eigenen Lebensstil zu hinterfragen und zu verändern.

Ich wünsche Ihnen und den Ihren ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest!

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