Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Der geschmückte Erntedankaltar, wie er in den vorigen Jahren in der großen Scheune von Gut Emkendorf, Kreis Rendsburg-Eckernförde, aufgebaut wurde. Foto: Dr. Bernd-Holger Janssen

Dr. Bernd-Holger Janssen, Pastor Kirchengemeinde Westensee Foto: privat

Das Erntedankfest der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Westensee feiern wir seit fünf Jahrzehnten im Kuhhaus von Gut Emkendorf. Gemeindemitglieder schmücken am Vortag die Scheune mit Erntegaben aus Feld und Garten. Am Festgottesdienst wirken der Posaunenchor und die Vorschulkinder des Kindergartens mit. Danach gibt es Erbsensuppe, Kaffee und Kuchen. Mitarbeiter der "Tafel" holen vom Altar Obst und Gemüse für Bedürftige ab, und wir halten eine Kollekte für "Brot für die Welt". Natürlich müssen wir dieses Jahr auf Lebensmittelausschank, Gemeindegesang und die Lieder der Kita-Kinder verzichten. Wegen der Corona-Bestimmungen dürfen hier nur 50 Personen Erntedank feiern.

Nicht nur die äußeren Rahmenbedingungen schmälern die Freude am Erntedankfest. Der Tag droht, seine Plausibilität zu verlieren. "Unser täglich Brot" ist vor allem billig und jederzeit im Überfluss verfügbar. Es ist eine unbequeme Wahrheit: Die Verbraucherpreise für Lebensmittel sind bedrohlich niedrig. Viele Landwirte haben Sorgen. Mit großen Investitionen starten junge Leute hoch motiviert und hoch qualifiziert in eine ungewisse berufliche Zukunft. Mit Großdemonstrationen nach der Ernte 2019 oder mit grünen Kreuzen am Feldrand machen die Bauern auf ihre Existenzängste aufmerksam.

Sorgen macht sich auch die Öffentlichkeit. Mit der Landwirtschaft hängen viele ökologische Zukunftsfragen zusammen: gesunde Ernährung, Versorgungssicherheit, Tierschutz, Gewässerschutz und Artenschutz. Durch ihre fachliche Qualifikation können und müssen die Landwirte Teil der Lösung sein. Dazu müssen auch die finanziellen Rahmenbedingungen passen. Wird unsere Gesellschaft eine Balance von Ökologie und Ökonomie finden?

Auch die Botschaft von Erntedank, der Dank an Gott für die gute Ernte, droht seine Plausibilität zu verlieren. Viele Zeitgenossen tun den christlichen Glauben als Wunschgebilde einer kindlichen Fantasie ab. Aber die Wirklichkeit, in der wir uns vorfinden, erschöpft sich nicht in den naturwissenschaftlichen Theorien über sie.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch! Ich möchte den Fortschritt der Naturwissenschaften nicht missen, weder in der Medizin noch in der Agrarwissenschaft. Zugleich erleben wir lebenslang die zuverlässige Dauer all dessen, was auf den ersten Seiten der Bibel in der Schöpfungsgeschichte beschrieben wird – die Zeit, Himmel und Erde, das Meer und das trockene Land, das Firmament und Pflanzen, Tiere und Menschen. Gott gewährt uns mit unendlicher Treue unsere Lebenszeit auf der Welt.

Durch das Wunder der Schöpfung bezeugt er sich uns. Und er gibt uns den Auftrag, diese Welt zu bebauen und zu bewahren. Wem das aufgeht, der kann nicht anders, als nach jeder Ernte Erntedank zu feiern. Wir danken Gott mit Wort und Tat: "So lasst uns nun durch Jesus Christus Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen. Gutes zu tun und mit andern zu teilen vergesst nicht; denn solche Opfer gefallen Gott." (Hebräer 13,15-16)

Ich wünsche Ihnen eine gute Ernte und ein fröhliches Erntedankfest!

nach oben