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Mit Schweinehaltung lässt sich derzeit Geld verdienen. Foto: agrar-press

Sönke Hauschild. Foto: Archiv

Fällt in China ein Sack Reis oder ein Schwein um, stört uns das nicht. Fallen wegen der Afrikanischen Schweinepest (ASP) reihenweise Schweine um, dann ist das selbst der Zeitung "Bild" zum Jahresende eine Schlagzeile wert: "Die Schnitzelkrise ist ausgebrochen!" Falsch, die Krise wurde gerade abgeblasen. Schweine machen Schweinehalter wieder glücklich.

Die Preise steigen, die Stimmung sinkt – das gilt für die Verarbeiter. Sie klagen über einen Mangel an Schweinefleisch. Doch in einer Marktwirtschaft gibt es keinen Mangel, hier gilt: Wer mehr zahlt, bekommt die Ware. Es ist schon irritierend: Die Verbraucher sind doch laut Umfragen bereit, für gute Lebensmittel mehr auszugeben. Kaum müssen sie es, wird es medial beklagt.

Die "Bild" zitiert Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied: "Wir haben in den vergangenen zehn Jahren fast die Hälfte aller Schweinemastbetriebe verloren." Schuld daran, analysiert die Zeitung, seien neben immer strengeren Auflagen auch die seit Jahren sinkenden Fleischpreise. Wahr ist: Die heimische Fleischerzeugung ist von drei Seiten in Gefahr. Und nur die Niedrigpreisgefahr ist derzeit gebannt.

Die ASP steht im Osten vor der Tür. Der Sprung über die Oder würde alles verändern. Es sind grundlegende Umwälzungen in der Struktur der Schweinebranche zu befürchten. Auch die politische und rechtliche Unsicherheit bleibt absehbar erhalten. Und so wird trotz guter Preise nicht investiert. Viele Ferkelerzeuger sehen den ersehnten Preisanstieg eher als willkommene Unterstützung für den Ausstieg. Man kann es verstehen. Denn vor allem die Sauenhalter sind bei gesetzlichen Änderungen die Gebeutelten.

Inzwischen wacht die Politik auf und macht sich Sorgen um die heimische Sauenhaltung: Gibt es tatsächlich nur noch etwa 200 Sauenhalter in Schleswig-Holstein? Was, wenn auch die verschwinden? Vielleicht hilft dies, das politische Handeln auf ein Tempo zu beschleunigen, das den Betrieben endlich Planungssicherheit gibt.

Deutsche Verbraucher werden sich vorerst an hohe Preise für Schweinefleisch gewöhnen müssen. Das ist gut so! Nichts hat dem Image der Schweinehaltung so geschadet wie das Verramschen des guten Produktes. Was teuer ist, wird wertgeschätzt und genossen. Schweinefleisch als Spezialität? So weit wird es nicht kommen. Aber das Image wird sich ändern.

Irgendwann ist China wieder da. Dann sicher mit einer Produktion auf anderem Qualitätsniveau. Sollen Schweine dauerhaft Glück bringen, dann muss das deutsche Produkt zu einer Marke mit schwer kopierbarem, aber begehrtem Markenkern werden. Noch ist Zeit, diesen Kern zu entwickeln. Das werden national wie international nicht die Themen Tierschutz oder Nachhaltigkeit sein, auch wenn jeder Betrieb hier dranbleiben muss. International ist es die gesicherte Qualität.

Hierzulande wird wohl nur echte Liebe das "Zwiebelleder" der Geldbörse überwinden können. Und diese Liebe geht durch den Magen. Wie kann sich Schweinefleisch geschmacklich herausheben, um preislich attraktiv zu bleiben? Denn nur dann bekommt Deutschland einen Markt, in dem Schweinefleisch nicht nur als Lockvogel dient.

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