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Die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Genschere CrispR/Cas könnte eine große Chance für die Landwirtschaft werden. Grafik: AdobeStock/Mopic

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Zwei Frauen haben das mächtigste Werkzeug der Molekularbiologie entwickelt, die Genschere CrispR/Cas. Für ihre Arbeit werden die beiden Biochemikerinnen mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Das teilte die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Mittwoch in Stockholm mit.

In seiner Begründung für die Nobelpreisverleihung an die Französin Emmanuelle Charpentier und die Amerikanerin Jennifer Doudna schrieb das Nobelpreiskomitee: Mit der CrispR/Cas-Technologie, die landläufig auch Genschere genannt wird, könnten Forscher mit hoher Präzision das Erbgut – also die DNA – von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen verändern.

Diese Technologie habe die Biowissenschaften revolutioniert, trage zu neuen Krebstherapien bei und könne möglicherweise dabei helfen, Erbkrankheiten zu heilen. "In diesem genetischen Werkzeug steckt eine enorme Kraft, die uns alle betrifft. Sie hat nicht nur die Grundlagenforschung revolutioniert, sie führte auch zu innovativen Pflanzen und wird zu bahnbrechenden neuen medizinischen Behandlungen führen", sagt Claes Gustafsson, Vorsitzender des Nobelausschusses für Chemie.

Zunehmende Wetterextreme und Schädlingsresistenzen sowie schwindende Wirkstoffe bei den Pflanzenschutzmitteln machen der Landwirtschaft zunehmend zu schaffen und verlangen von der Züchtung robuste, ertragsstabile Sorten. Neue Züchtungstechniken könnten den Weg dahin deutlich verkürzen. Das hat das EuGH-Urteil jedoch verhindert. Stattdessen wird es auf lange Sicht dazu führen, dass weniger genetisches Ausgangsmaterial für die klassischen Züchtungen verfügbar sein wird. Der Zugriff auf Material aus Ländern, die keine Regulation nach Vorgaben des EuGH Urteils haben, ist kaum möglich.

Werden die Möglichkeiten für die Züchtung durch Reglementierungen und Wettbewerbsnachteile weiter eingeschränkt, kann man sich die Folgen schnell ausmalen. Die Züchter werden ins Ausland abwandern und sich immer stärker auf lukrative Kulturen zurückziehen. Die Folgen wird auf Dauer nicht nur die Landwirtschaft zu spüren bekommen. Das Thema Ernährungssicherheit könnte schnell eine neue Qualität bekommen.

Aktueller denn je ist die Frage, ob die Gentechnikvorschriften nicht arg in die Jahre gekommen sind und noch zu den rasanten Entwicklungen unserer Zeit passen. Aus der Wissenschaft kommt mit der Preisverleihung ein klares Signal für eine positive Bewertung der Genschere CrispR/Cas. Das könnte eine große Chance für die Landwirtschaft werden.

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