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Rechnet sich der Naturschutz die eigene Bilanz auf Kosten der Bauern schön? Foto: imago

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: bb

Schlechte Noten für die Landwirtschaft – Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) stellt den Bauern ein mieses Zeugnis aus. Bei der Vorstellung des Berichtes zur Lage der Natur hieß ihre schlichte Bilanz: zu viel Dünger, zu viele Pestizide, riesige Felder mit wenig Abwechslung. Die Landwirtschaft in Deutschland nehme immer mehr Tieren den Lebensraum und das Verschwinden artenreicher Wiesen und Weiden stehe am Anfang einer Kette.

Den Bericht zur Lage der Natur lässt das Bundesumweltministerium alle sechs Jahre erstellen. Grundlage für die Analyse sind Daten, die ehrenamtliche Naturschützer und Behörden bundesweit ermitteln. Aus rund 14.000 Stichproben werden Rückschlüsse auf die Lage der Natur in Deutschland gezogen. Die Umweltministerin sprach von einem gemischten Bild, insgesamt gehe es der Natur nicht gut. Zwar gehe es in dem Bericht nur um einen Bruchteil der mehr als 50.000 Arten, die in Deutschland lebten, er sei aber repräsentativ genug, um Rückschlüsse zu ziehen. Der Treiber hinter den Verlusten im sogenannten Offenland ist für Schulze ganz eindeutig die intensive Landwirtschaft und da brauche es dringend eine Trendwende. Die SPD-Politikerin mahnte an, das kürzlich verschärfte Düngerecht nun konsequent umzusetzen und bekräftigte, dass noch in diesem Jahr ein Insektenschutzgesetz kommen solle. Die Umweltverbände, die Musterschüler in der Debatte, begrüßen die Pläne.

Der landwirtschaftliche Berufsstand zieht den Befund selbst nicht in Zweifel, aber die fertigen Schuldzuweisungen, mit denen die Branche ständig konfrontiert wird, werden hier in traditioneller Weise bestätigt. Das Urteil über die Landwirtschaft und die Landwirte war wieder einmal schnell gefällt. Die Bauern sind aus Sicht der Umweltministerin in der Natur anscheinend so etwas wie die Klassenrabauken der Mittelstufe.

Wenn man den Schulvergleich weiterführen will, muss man sich fragen, ob die Lehrpläne stimmen. Standortbestimmung ist wichtig, aber wurden auch die richtigen Schlüsse gezogen? Das Umweltministerium hat millionenschwere Programme aufgelegt, und der Erfolg? Hat sich der Naturschutz in den vergangenen 20 Jahren als effizient genug erwiesen? Wurde auf die richtigen Konzepte und Kooperationen gesetzt? Wird überhaupt ausreichend miteinander gesprochen?

Die Negativkampagne gegen die Bauern ist wieder gestartet. Dabei sprechen die Fakten eine differenziertere Sprache. Am Artenschwund sind alle beteiligt: Lichtverschmutzung, Versiegelung, Verkehr, Grünanlagen und Hausgärten spielen ebenso eine Rolle wie die Landwirtschaft. Dass sich die Landwirtschaft seit Jahren nicht davor scheut, ihre Hausaufgaben für den Erhalt der Artenvielfalt zu machen, bleibt geflissentlich unerwähnt. Oder wer hat massenweise Blühflächen angelegt oder Rückzugsflächen für den Vogelschutz, zum Beispiel Lerchenfenster?

Eine derartige Stimmungsmache, wie sie gerade wieder losgeht, haben Bauern selten erlebt. Die Umweltverbände und Nabu-Freunde als Musterschüler der Nation, wenn es um die Natur geht. Und mit den Bauern wird nicht einmal diskutiert. Diesen Eindruck erweckt die Bundesumweltministerin mit einseitigen Schuldzuweisungen. Setzen, sechs.

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