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Nitratkulisse in Schleswig-Holstein nach alter und neuer Berechnungsbasis. Grafik: Bartosz Rittmann

Dr. Robert Quakernack. Foto: Archiv

Die Veröffentlichung der ersten Nitratkulisse 2018 ließ massive und flächendeckende Einschränkungen für die landwirtschaftliche Nutzung erahnen. Rund die Hälfte der schleswig-holsteinischen Landesfläche wurde damals als nitratbelastet eingestuft. Die Phosphatkulisse umfasste 20 % der Landesfläche. Jetzt gab das Kieler Landwirtschaftsministerium bekannt, dass nach Umsetzung der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Düngeverordnung des Bundes (AVV) die Nitratkulisse auf 10 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der alten Kulisse eingedampft wird. Nach Bauernblatt-Informationen ist diese Reduzierung im Bundesländervergleich die deutlichste. Die Phosphatkulisse ist vorerst gänzlich verschwunden.

Die einschränkenden Bewirtschaftungsvorgaben in der neuen Nitratkulisse und landesweit "moderat erhöhte" Gewässerabstände statt der Ausweisung einer Phosphatkulisse bleiben jedoch große Herausforderungen für die betroffenen Betriebe. Außerdem kann man über die Eignung einzelner Messstellen zum Nachweis der Nitratbelastung durch die Landwirtschaft nach wie vor streiten. Letztlich ist aber die neue Gebietsabgrenzung ein Bekenntnis zur Sacharbeit. Für die Akzeptanz der Bauern ist nun wichtig, dass die feldblockscharfen Trennlinien nach ihrer Veröffentlichung transparent und nachvollziehbar dargestellt werden. Die bislang vorgesehene Überprüfung der N-Kulisse alle vier Jahre sollte in deutlich kürzeren Abständen passieren. Innerhalb der kommenden vier Jahre ist sowohl ein weiterer Rückgang der Nitratwerte als Folge der verschärften Düngeveordnung 2017 als auch eine Veränderung durch die Daten neuer Messstellen zu erwarten.

Für die erfolgte Anpassung der Nitratkulisse ist die langjährige Beteiligung von Landwirten an Sacharbeitsgremien mit den Behörden nicht zu unterschätzen. Schon mit dem Positionspapier des Bauernverbandes Schleswig-Holstein "Veränderung gestalten" hat der Berufsstand klare Bewegungsbereitschaft signalisiert und die Grundlage für eine konstruktive Zusammenarbeit gelegt. Zu nennen ist in diesem Zusammenhang der Dialogprozess zur Zukunft der Landwirtschaft, den Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) nach einem Vorschlag von Verbandspräsident Werner Schwarz ins Leben gerufen hat. Über Düngefragen hinaus erarbeitet zudem die Allianz für den Gewässerschutz in verschiedenen Arbeitsgruppen unter Einbeziehung der Wasserversorger Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualitäten. Aber auch die Schlepperdemos haben sicher ihren Teil beigetragen.

Viele Landwirte, deren Flächen nicht mehr in der Nitratkulisse liegen, können nun aufatmen. Die übrigen Betroffenen dürfen aber nicht alleingelassen werden. Zum einen sollten nachweislich gewässerschonend wirtschaftende Betriebe von den Restriktionen ausgenommen werden. Zum anderen kann die Politik neben der Gewässerschutzberatung weitere Förderinstrumente bereitstellen, um die Betriebe zu unterstützen. Hier sind erste Schritte mit der Agrarumweltmaßnahme "Emissionsarme und gewässerschonende Ausbringung von Wirtschaftsdüngern" und der Investitionsförderung für Güllebehälter und Ausbringtechnik gemacht. Entscheidend sind dabei unkomplizierte Verfahren, damit sich Investitions- und Veränderungslust nicht in Bürokratiefrust wandeln.

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