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Bei der Scheidung eines Landwirtehepaars steht auch die Zukunft des Hofes auf dem Prüfstand. Foto: Landpixel/Collage: Dierk Paasch

Tonio Keller Foto: Archiv

Wenn es bei einem Ehepaar zur Scheidung kommt, so ist das selten unproblematisch, selbst dann nicht, wenn kein "Rosenkrieg" ausbricht und man friedlich auseinandergeht. Während man noch damit beschäftigt ist, aufwallende oder gärende Emotionen zu verarbeiten, sind gleichzeitig schwerwiegende finanzielle Angelegenheiten zu regeln. Dies ist insbesondere bei Landwirtsehepaaren von Bedeutung, wo vom Ergebnis der Auseinandersetzung das Schicksal des Hofes abhängen kann. Ein Landwirt im Ruhestand, dessen Scheidung rund zehn Jahre zurückliegt, hat sich bereit erklärt, dem Bauernblatt von seinen Erfahrungen zu erzählen.

In seinem Fall wurde offensichtlich eine Lösung gefunden, mit der alle Beteiligten leben können. Doch obwohl hier Vernunft gewaltet oder zumindest die Oberhand behalten hat, schildert der Mann den Prozess als schwierig und langwierig, was ihn zu dem Resümee veranlasst: Es wäre besser gewesen, man hätte schon frühzeitig alles in einem Ehevertrag geregelt. Diese Aussage bekräftigt auch Hans-Heinrich von Maydell, Justiziar beim Bauernverband Schleswig-Holstein und Rechtsberater in solchen Angelegenheiten.

Wie viel mehr muss dies gelten, wenn die Scheidung auch mit einem menschlichen Zerwürfnis einhergeht? Wenn kein zielführendes Gespräch mehr möglich ist und es den Beteiligten- oder auch nur einem von ihnen- darum geht, als Gewinner aus der Schlacht hervorzugehen? Im vorliegenden Fall konnte man sich auf den gemeinsamen Nenner stützen, dem Sohn als Hofnachfolger die langfristige Weiterführung des Betriebes zu ermöglichen. Das beinhaltete auch, ihm einen angemessenen finanziellen Spielraum für Investitionen zu geben, sprich den Hof nicht durch überzogene Forderungen ausbluten zu lassen.

Ein Ehevertrag also bereits bei der Hochzeit- wer mag da schon daran denken? Man soll jung, verliebt und voller gemeinsamer Pläne (so wollen wir es hoffen) bereits die Scheidung und ihre Folgen durchdeklinieren? Das klingt wie eine Zumutung, und dennoch ist es sinnvoll. Zu einem gemeinsamen Leben als Bauern gehört nun einmal die Sorge für den Hof, für seine Substanz und seine Zukunft, für die nachfolgende Generation, die da in der Regel noch gar nicht geboren ist.

Ein weiter Wurf in die Zukunft also, die naturgemäß unbekannt ist und alle möglichen Eventualitäten und Unberechenbarkeiten bereithält. Ein wichtiger Nebeneffekt dabei ist, dass auf diese Weise schon frühzeitig alle Zahlen auf den Tisch kommen und Transparenz geschaffen wird. Früher hat man über so etwas nicht nachgedacht, und mancher Bauernsohn hat erst im Erbfall erfahren, wie es um den Betrieb steht. Die Ehefrauen wussten meist gar nicht Bescheid und konnten bei einer Scheidung trotz lebenslanger Mitarbeit ohne Versorgung dastehen. Da blieb man lieber im Unglück zusammen.

Doch was nicht mehr zusammengehört, das soll sich auch trennen, damit wieder Leben und Zukunft und vielleicht auch neue Liebe einkehren können. Darauf setzt man nicht, wenn man heiratet. Der weite Wurf in die Zukunft ist ein Wagnis unter dem Prinzip Hoffnung sowohl für die Ehe als auch für den Betrieb. Alle Eventualitäten vorauszusehen oder gar sich gegen sie abzusichern ist unmöglich. Doch sich damit rechtzeitig auseinanderzusetzen schafft eine Grundlage der Transparenz und der gegenseitigen Verlässlichkeit, über die man sich bereits einig weiß. Im Fall des Falles kommt noch genug Unvorhergesehenes dazu, mit dem man sich beschäftigen muss. Denn Scheiden tut immer weh.

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