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Für die Schweine haltenden Betriebe in Deutschland kommt es derzeit knüppeldick. Für einen Weg aus der Krise steht letzlich die gesamte Wertschöpfungskette in der Verantwortung. Foto: Imago

Dr. Robert Quakernack Foto: Archiv

Für die Schweine haltenden Betriebe in Deutschland kommt es derzeit knüppeldick. Die Afrikanische Schweinepest (ASP), coronabedingte Absatzeinbrüche in der Gastronomie und eine schwache Grillsaison drücken die Preise für Erzeuger. Dem gegenüber stehen hohe Futter- und Düngerkosten. Momentan machen daher sowohl Ferkelerzeuger als auch Mäster mit jedem verkauften Tier Verlust. Zusätzlich fordern verschärfte Haltungsregeln Investitionen in Umwelt- und Tierschutz. Klar ist: Diese Rechnung kann nicht aufgehen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und ihre Länderkolleginnen aus Niedersachsen, Barbara Otte-Kinast (CDU), und Nordrhein-Westfalen, Ursula Heinen-Esser (CDU), suchten nun am Mittwoch bei einem Branchengespräch einen Ausweg aus der Krise. Sie differenzierten die langfristige Perspektive für die deutsche Nutztierhaltung und warben wiederholt für eine Umsetzung des Borchert-Papiers, um den finanziellen Spielraum für einen Umbau zu ermöglichen. Akute Verbesserungen der Situation auf den Betrieben erhoffen sich die Ministerinnen durch drei Maßnahmen:

1. eine mögliche Erhöhung des Beihilfehöchstbetrags im Rahmen der De-minimis-Regelung (bisher 20.000 € pro Betrieb innerhalb von drei Steuerjahren). Dazu bedarf es jedoch der Zustimmung der EU-Kommission.

2. verstärkte Bemühungen, um weggebrochene Exportmärkte zu öffnen und neue zu erschließen (zum Beispiel in Kanada)

3. eine Vermarktungsinitiative für 5-D-Fleisch, also für Fleisch von Tieren, die in Deutschland geboren, aufgezogen, gemästet, geschlachtet und verarbeitet wurden

Otte-Kinast erklärte zudem, dass sie in Niedersachsen unter anderem die Stundung oder den Erlass von Steuerforderungen möglich machen wolle. In anderen Ländern sei ähnliches zu erwarten. Bereits vor dem Branchengespräch hat die jüngste Bund-Länder-Konferenz zudem beschlossen, die Überbrückungshilfe III bis Ende des Jahres zu verlängern. Jubelschreie der Tierhalter werden die angekündigten Punkte jedoch kaum auslösen. Zu viele offene Fragen lassen zweifeln, ob die politische Salamitaktik der vielen Einzelmaßnahmen am Ende aufgeht.

Mit einer kurzfristigen Entspannung der Marktlage ist sicher zu rechnen. Klöckner bezifferte den Lagerbestand an Schweinefleisch auf 260.000 t. Solange die ASP in Deutschland grassiert, werden außerdem viele Exportmärkte geschlossen bleiben. Und der Anpassungsdruck auf die Betriebe bleibt hoch. Denn ob die Politik der Forderung des Deutschen Bauernverbandes nachkommen wird, sämtliche geplanten gesetzlichen Verschärfungen und Belastungen auszusetzen, ist zumindest mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Eine definitive Absage erteilte Klöckner einer Ausstiegsprämie. Das wäre ein falsches Signal für die jungen Betriebsleiter, so die Ministerin. Zudem würde der Produktionsrückgang aus dem Ausland substituiert werden.

Letztlich steht die gesamte Wertschöpfungskette in der Verantwortung. So darf sich die 5-D-Initiative nicht nur auf die Frischfleischvermarktung beschränken. Auch Verarbeitungsware sollte eingeschlossen werden, zumal der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) ohnehin lediglich ein Drittel der heimischen Schweinefleischproduktion bezieht. Immerhin werden die Bekenntnisse des LEH zu heimischer Ware lauter. Hoffen wir, dass "5D" schnell eine Marktwirkung entfaltet.

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