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Liebe Leser, machen wir uns  nichts vor: Noch nie war die Kluft zwischen der Gesellschaft und der Landwirtschaft größer, und noch nie gingen Realität und Vorstellungen so weit auseinander. Die sogenannte Generation Landlust schwelgt in anderen Sphären. Sie einerseits auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und andererseits trotzdem das Idyll des Landes nicht zu vermiesen, ist eine Mammutaufgabe. Ist das zu schaffen? Ja, denn Landwirte antworten mit findigen und mutigen Ideen, wie auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) zu sehen ist.

Beispiel eins: Parallel zu dieser Messe findet die Fashion Week in Berlin statt. Gegensätzlicher kann es kaum sein: Für einige Stunden tauschten  der Modedesigner Matthias Maus mit seinem Blogger Dutt (Hochsteckfrisur)  und Fake-Tattoos und  der bodenständige Landwirt Heiko Terno im karierten Hemd die Plätze und kommentierten das Geschehen für die „BZ“.
Beispiel zwei: Sven Stein und Marco Stepniak haben auf der IGW den diesjährigen Kommunikationspreis des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten erhalten. Die Journalisten wurden für ihren Beitrag „Vom Ferkel zum Steak“ geehrt, der bundesweit in „BILD“ und gleichzeitig als multimediales Onlinedossier auf Bildplus publiziert wurde. Stein sagte bei der Preisverleihung: „Ich habe jetzt gehörigen Respekt vor den Landwirten und ihrer Arbeit.“ Außerdem habe er einen ganz anderen Bezug zu Nahrungsmitteln bekommen.
 Beispiel drei: Der Streifen „Die schöne Krista“, ein Dokumentarfilm von Regisseurin Antje Schneider und Kameramann Carsten Waldbauer. Dort steht die Kuh Krista von  Landwirtsehepaar Jörg und Janine Seeger im Mittelpunkt. Schneider und Waldbauer, die zuvor keinerlei Berührungspunkte mit der Landwirtschaft hatten, sagten in einem Interview mit dem Bauernblatt: „Uns war nicht klar, mit wie viel Herz und Leidenschaft die Bauern ihren Beruf leben. Das hat uns sehr berührt.“
Beispiel vier: Die Gewinner von „Clip my farm“. Junge Menschen aus Schleswig-Holstein belegten die Plätze eins und zwei. Sie machten zum einen musikalisch mit „Rhythm of Nature“ und zum anderen erfinderisch mit einer besonderen Kameraführung „Landwirtschaft im Rhythmus der Natur“ auf den Beruf Landwirt aufmerksam (Seite 88).
 
All diese Beispiele zeigen, dass sich die landwirtschaftliche Basis auf ein Terrain wagt, wie es bisher noch nicht der Fall war. Nicht immer wurde in den die Messe begleitenden Foren gelobt, es gab auch kritische Worte, die den Bauernverband ermahnen, die Bedenken der Bevölkerung ernst zu nehmen. Armin Huttenlocher, Kommunikationsberater von FleishmanHillard Deutschland, bemängelte auf dem Fachforum Milch des DBV: „Statt einem klaren Schnitt, dem Bekenntnis zu einer entschlossenen Auseinandersetzung mit kritischen Themen und dem festen Willen zu einer wirtschaftlichen und tragfähigen Veränderung verfängt man sich in der Landwirtschaft in Kompromissformeln und Scheinmanifesten.“ Und Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, mahnte und ermunterte zugleich  auf dem Bäuerinnenforum, nicht auf den Schutz des Staates zu setzen, sondern sich auf die eigenen Kräfte zu besinnen.

Allemal ein guter Anfang. Öffentlichkeitsarbeit ist das A und O. Jeder einzelne Landwirt ist gefordert! Jetzt heißt es dranbleiben, weitermachen und selbstkritisch neu Wege begehen. Mit innovativen, pfiffigen, mutigen und entschlossenen Ideen wird das  zu packen sein, meinen Sie nicht?

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