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Die Getreideernte konnte in diesem Jahr bei trockenen Bedingungen eingefahren werden. Foto: imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: bb

Die Getreideernte ist eingebracht. Nach anfänglich feuchtem Start bei der Wintergerste hat das Erntewetter sich zusehends verbessert und eine meist zügige Räumung der Flächen bei bester für Schleswig-Holstein fast ungewöhnlicher Trockenheit erlaubt. Das wird den Handel Einiges an Dienstleistungsumsatz kosten, denn die Trocknung fällt aus in diesem Jahr. Man könnte sogar errechnen, was bei Feuchtewerten von 12 % am Ende an Verkaufsgewicht fehlt.

Partien, die nicht gleich in die Erfassung des Landhandels oder zu den Verarbeitern gingen, liegen jetzt in den Silos und Flachlagern der Scheunen auf den Höfen und harren der Vermarktung. Die ersten Qualitätsbeurteilungen beim Weizen, der Haupthalmfrucht, fallen allgemein gut aus. Vor allem die Hektolitergewichte und Fallzahlen können sich sehen lassen. Woran es fehlt an vielen Standorten, ist der Proteingehalt. Das gilt auch für die Betriebe an der Ostküste Schleswig-Holsteins, die traditionell eine feste Bank für Brotweizenqualitäten sind.

Das heißt konkret, die Landwirte können beim Backweizen die von den Mühlen gewünschte Qualität oftmals nicht mehr erzeugen. Zeigen sich bereits die ersten Auswirkungen des neuen Düngerregimes? Der Stickstoff fehlt, sodass der Weizen in vielen Fällen nur einen Proteingehalt von im Bereich von 11 bis 11,5 % hat. Das bedeutet Abzüge und Einbußen von 80 bis 100€/ha für den Landwirt, denn die Mühlen fordern für Backweizen einen Eiweißgehalt von 12 bis 12,5 %. Zugleich greifen die Mühlen vermehrt auf Backweizen anderer Provenienzen wie Osteuropa zurück.

Das Drehen an der Düngerschraube und pauschale Verordnungen ohne Rücksicht auf die regionalen Bodenverhältnisse werden sich bei den nächsten Ernten noch deutlicher bemerkbar machen. Dadurch kann mit der Zeit eine kuriose Entwicklung entstehen, wenn der Tierbestand immer weiter abnehmen sollte und auf den Äckern nur noch Getreide mit Futterwert produziert werden kann.

Zwar sind die gewünschten Proteinwerte einer Handelspartie für Weizen in gewissem Grade marktabhängig. Dennoch gilt bislang die Regel für die Abrechnung: Eliteweizen soll Proteinwerte von mehr als 14 % aufweisen, Aufmischweizen 13 %, und für normalen Backweizen sind mindestens 12 % gefordert. Wenn Düngung neu gedacht wird, müsste dann nicht auch an dieser Stelle ein aktives Umdenken erfolgen?

Beim Weizen ist die Kenntnis des Rohproteingehaltes gewünscht, weil eine gewisse Korrelation zu positiven Backeigenschaften besteht. Jedoch ist der Proteingehalt weniger qualitätsbestimmend. Gluten beziehungsweise Kleber ist das Reserveprotein des Weizens und bestimmt überwiegend die Backqualität. Mit der entsprechenden Analytik haben die Partien in den Silos und Flachlagern vielleicht noch eine Chance, näher an den grünen Bereich zu rücken.

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