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Der Handel hält bei seinen Geschäftspartnern die Hand auf. Foto: Imago

Briefe, die mit "Sehr geehrter Geschäftspartner" beginnen, lassen häufig nichts Gutes ahnen. Metro Deutschland hat einen Brief an seine sehr geehrten Geschäftspartner geschickt. "Aktuelle Lieferanteninformation zur Situation Covid-19" heißt es im Betreff. Der Konzern erläutert den Geschäftspartnern darin Teile seines Hygienekonzepts von der Mitarbeiterschulung bis zum Schichtsystem und die logistischen Herausforderungen für die Warenversorgung, die der Ausbruch der Pandemie mit sich brachte.

Es ist einleuchtend, dass all diese Maßnahmen mit Kosten verbunden sind. Metro spricht in der Summe von einem so massiven Kostenblock, der zukünftig nicht mehr über die bisherige Handelsspanne abgedeckt werden könne. Um weiterhin im harten Wettbewerbsumfeld des Lebensmittelhandels bestehen zu können und im gewohnten Umfang seine Kunden zufrieden zu stellen, erfordere dies zur Deckung des enormen Anstiegs seiner Kosten zusätzliche Rabatte. Ein langer Satz für eine schlichte Forderung nach Rabatten! Der Handelsriese geht im Folgenden vom Verständnis seiner Geschäftspartner aus und kündigt an, die notwendigen Maßnahmen im bilateralen Gespräch kurzfristig zu erörtern. Ergänzend bedankt man sich für die bisherige Zusammenarbeit in dieser Krise.

Das klingt mehr nach Geschäft als nach Partnerschaft. Dass die zusätzlichen Rabatte durchgereicht werden bis zur Erzeugerstufe, ist gängige Praxis. Wo ist der im Lockdown noch so viel beschworene Zusammenhalt geblieben? Hier scheint einer der Großen in der Branche die Wahrnehmung dafür verloren zu haben, dass die Covid-19-Pandemie wirklich alle betrifft, und damit sind auch alle Glieder der Lebensmittelkette eingeschlossen. Die Betriebe in Landwirtschaft und Gartenbau stehen genauso vor großen Herausforderungen, verschärften Hygienebestimmungen, Mehrkosten in der Produktion und Schwierigkeiten
bei der Arbeitskräftebeschaffung. Zeitweilig brachen Absatzwege sogar komplett weg, wenn man nur an die Schweinehalter denkt.

Es kann auf dieser Ebene nicht darum gehen, sich gegenseitig die Systemrelevanz zu demonstrieren. Es geht um Achtung, Respekt und einen fairen Umgang der Geschäftspartner miteinander. Wie lange kann und will der Mittelstand sich die Subventionierung des Handels noch leisten, und wo bleibt ein annehmbares Gegenangebot für diese Art der Kosten- und Verlustsozialisierung? Es ist schwer vorstellbar, dass auf Dauer ein geschwächter Lieferant und Geschäftspartner hilfreich ist. Bewegt sich ein Unternehmen mit solch massiven Rabattforderungen nicht schon im dunkelgrauen Bereich der EU-Richtlinie über unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen- kurz UTP-Richtlinie? Wenn es einzelnen Partnern in der Lebensmittelkette zu schwerfällt, ein Minimum an Vereinbarungen einzuhalten, wird die Umsetzung der UTP-Richtlinie umso bedeutsamer. Forderungen nach weitergehenden Regelungen werden verständlicher.

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