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Milch schafft es noch in den Kühlschrank, aber nicht mehr in die Köpfe der Verbraucher. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Reden wir über Milch. Anfang 2020 hatten der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Milchindustrie Verband (MIV) vereinbart, eine bundesweite Kommunikation für die Branche zu etablieren, um die gesellschaftliche Zustimmung zu Milchproduktion, -verarbeitung und -produkten in Deutschland langfristig zu erhalten und zu stärken.

Jetzt sind die Hürden genommen. Karsten Schmal, der Milchpräsident des DBV, hat auf dem Berliner Milchforum vorige Woche bestätigt, dass im Rahmen der Sektorstrategie 80 % der Meiereien und der deutschen Milchmenge für das Projekt gewonnen werden konnten. Für die nächsten vier Jahre ist das Kampagnenbudget von 4 Mio. € jährlich gesichert und die Branchenkommunikation Milch kann noch im Frühjahr ihre Arbeit aufnehmen.

Die Zielmarke liegt hoch. Milch und Milchprodukte sollten wieder als gesunde und verantwortungsvoll hergestellte Nahrungsmittel wahrgenommen werden, so formulierte Schmal es kürzlich in einem Interview. Die Verbraucher werden im Fokus der Kommunikationsmaßnahmen stehen. Junge Leute und Familien sollen ins Visier genommen werden. Denn zu viele Menschen wissen nicht mehr, wie Käse oder Joghurt hergestellt werden.

"Das weiße Wunder" kann kommen. So nannte Dirk Benninghoff, der Chefredakteur der zuständigen Kommunikationsagentur, die Kampagne beim Milchforum. Die Bauern sind mit Sicherheit bereit. Denn seitdem im März 2009 nach dem Verfassungsgerichtsurteil von der Gesellschafterversammlung die Liquidation der CMA beschlossen wurde, wurde nicht mehr so laut und werbewirksam über Milch gesprochen.

Milch ist heute nicht mehr selbsterklärend. Sie schafft es noch in den Kühlschrank, aber immer weniger in die Köpfe der Verbraucher. Zudem beginnt im Kühlschrank inzwischen der Wettbewerb zwischen Milch, Hafer- und Sojadrinks, die den Trend und den Zeitgeist ansprechen.

2009 als die CMA aus dem Markt ging, wirtschafteten in Deutschland rund 100.000 Milchviehbetriebe. Heute sind es noch rund 60.000 Milcherzeuger und etwa 150 Meiereien. Die stehen am Markt natürlich im Wettbewerb zueinander. Aber für jeden Einzelnen ist überlebenswichtig, dass ihre Produkte guten Gewissens konsumiert werden. Es wird Zeit, dass wieder über Milch als hochwertiges Lebensmittel gesprochen wird und dass etwas gemacht wird. "Endlich", werden nicht wenige Milchviehhalter sagen, denn sonst sind sie nicht mehr dabei, wenn sich der so nötig erwartete Erfolg einstellt.

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