Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Rinder produzieren Methan, das zwar 25-mal so klimawirksam ist wie CO2 , allerdings wird es in der Atmosphäre innerhalb von rund zehn Jahren zu CO2 umgesetzt. Foto: Imago

Dr. Robert Quakernack Foto: Archiv

Der Nutri-Score hat sich gerade erst in Deutschland durchgesetzt. Er kennzeichnet den Nährwert von Lebensmitteln. Nun drängt mit dem Eco-Score eine ganz ähnliche Kennzeichnung auf den Markt. Allerdings geht es beim Eco-Score um den ökologischen Fußabdruck. Ein Produkt mit dem geringsten Umwelteinfluss erhält auf der fünfstufigen Skala ein dunkelgrünes A, das mit dem größten Umwelteinfluss ein rotes E. Dabei werden unter anderem der CO2-Fußabdruck, Einflüsse auf die Biodiversität, die Recyclingfähigkeit der Verpackung oder die Saisonalität des Lebensmittels berücksichtigt. Als erster deutscher Discounter testet Lidl den in Frankreich entwickelten Eco-Score in seinen Berliner Filialen.

Auch die Politik tritt in Sachen CO2-Einsparung aufs Gaspedal. Nach dem neuen Klimaschutzgesetz will Deutschland bis 2045 klimaneutral sein. Das trifft auch die landwirtschaftliche Produktion. Laut der offiziellen nationalen Treibhausgasberichterstattung entfielen 2019 rund 63,5 Mio. t CO2-Äquivalente auf die Landwirtschaft – ein Anteil von 7 %. Berücksichtigt man bei den Zahlen nicht nur die natürlich freigesetzten Treibhausgase, sondern auch den Energieverbrauch, steigt die Quote immerhin auf rund 8 %. Im weltweiten Schnitt stammen etwa 14 % der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft.

Das wichtigste Treibhausgas für den Agrarsektor ist Methan aus der Tierhaltung. Das Gas entsteht hauptsächlich als Stoffwechselprodukt von Wiederkäuern. Kühe werden daher von Aktivisten gerne als Klimakiller bezeichnet. Allerdings tut man ihnen damit mehr als unrecht. Nach Zahlen des Bundesverbandes Rind und Schwein emittiert die hiesige Rinderhaltung zwar rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Treibhausgase. Der Anteil der deutschen Rinderhaltung an den weltweiten Emissionen der Landwirtschaft betrage jedoch nur 0,3 %. Gemessen am globalen CO2-Ausstoß aller Sektoren seien es sogar nur vernachlässigbare 0,07 %.

Viel entscheidender ist jedoch, dass die Methanemissionen aus der Rinderhaltung innerhalb von rund zehn Jahren in der Atmosphäre zu CO2 umgesetzt und zum Beispiel von Futterpflanzen wieder gebunden werden. Durch diesen natürlichen Stoffkreislauf ist die Rinderhaltung bei gleichbleibenden Tierbeständen quasi klimaneutral. Die Gleichsetzung von biogenem Methan mit Treibhausgasemissionen aus fossilen Quellen wie Erdöl, Benzin und Kohle, die einen zusätzlichen Treibhausgaseffekt verursachen, ist fachlich nicht nachvollziehbar und bedarf einer Anpassung.

Dennoch ist klar, dass auch die Landwirtschaft ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten muss. Initiativen wie das Klimacheck-Programm des Meiereikonzerns Arla belegen das Engagement der Branche. Klimaschutz muss auch kein Kostentreiber sein, sofern Investionen in effiziente Technik von Betriebsmitteleinsparungen ausgeglichen werden.

Fraglich bleibt, ob Verbraucher bereit sind, für klimafreundliche Produkte mehr Geld in die Hand zu nehmen. Voraussetzung dafür sind einheitliche Zertifizierungs- und Kennzeichnungssysteme wie der Eco-Score. Das Ringen um deren Berechnungsgrundlagen ist in vollem Gange. Eine steigende CO2-Steuer wird die Härte der Auseinandersetzung weiter verschärfen.

nach oben