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Die Verwertung von Grünland durch Kühe hat Vorteile für Mensch und Natur. Foto: Imago

Dr. Robert Quakernack Foto: Archiv

"Es geht um alles oder nichts", warnte Ursula von der Leyen (CDU) kurz vor Beginn des Klimagipfels, der noch bis Ende kommender Woche in Glasgow stattfindet. Die EU-Kommissionspräsidentin fordert alle Länder der Welt zu mehr Klimaschutz auf. Die Klimakrise sei eine existenzielle Bedrohung. Daher ist auch die Landwirtschaft gefordert.

Eines der wichtigsten Klimagase aus der Landwirtschaft ist Methan. In Glasgow haben sich zahlreiche Staaten dazu verpflichtet, ihre Me­thanemissionen bis zum Jahr 2030 um mindestens 30 % gegenüber dem Stand von 2020 zu senken. Sie traten einem entsprechenden Abkommen bei, das die EU und die USA im September initiierten. Beteiligt sind nun Länder, die für rund die Hälfte der weltweiten Methan­emissionen verantwortlich sind und zugleich etwa 70 % der Weltwirtschaft repräsentieren. Zu den Unterzeichnern gehören neben der EU sowie den USA unter anderem auch Kanada, Israel und Japan.

Laut von der Leyen ist eine Reduzierung der Methanemissionen einer der wirkungsvollsten Schritte zur Reduzierung des Klimawandels. Als eine besonders große Methanemissionsquelle wird in dem Abkommen neben Erdöl und Gas, Kohle sowie Mülldeponien auch die Landwirtschaft genannt. Hier gilt die Haltung von Wiederkäuern als Hauptemittent, der sich allerdings in einem entscheidenden Punkt von den vorgenannten Quellen unterscheidet: Er ist biogen und nicht fossil!

Prof. Wilhelm Windisch von der Technischen Universität München verglich die Methan­emissionen aus der Tierhaltung gegenüber dem Sender NTV kürzlich mit Wasser in einer Badewanne. Da sich die Moleküle innerhalb weniger Jahre in der Atmosphäre abbauten, bleibe der Treibhausgaseffekt der Tierhaltung bei gleichbleibenden Beständen unverändert – die Wanne laufe nicht über. Ganz anders sei die Lage bei fossilen Methan­emissionen, die einen zusätzlichen Treibhausgas­effekt verursachten und die Klimagaswanne zum Überlaufen bringen können. Das Gleiche gelte für CO2 aus fossilen Quellen, das sich zudem nicht abbaute, sondern tausende Jahre in der Atmosphäre halten könne.

Laut Windisch hat auch der Weltklimarat mittlerweile eingesehen, dass die Bedeutung der Methanemissionen aus der Tierhaltung in bisherigen Modellen mindestens um den Faktor 3 bis 4 überschätzt wurden. Das sei dem zuvor fehlenden Wissen über den Methanabbau in der Atmosphäre geschuldet. Die Mär von der Kuh als Klimakiller kann damit wohl endgültig ad acta gelegt werden.

Trotzdem würde eine Abstockung von Tierbeständen Treibhausgase aus dem System nehmen und einen relativ schnellen Abkühlungseffekt erzeugen. Positiv für das Klima wäre aber vor allem eine bessere Futterverwertung, also geringere Emissionen pro Produkteinheit. Aus Klimasicht sollte in der Haltung daher noch mehr auf hohe Tiergesundheit und Langlebigkeit geachtet werden.

Die Nutzung von Grünland durch Wiederkäuer stellt zudem ein natürliches System dar, mit vielen positiven Effekten für Natur, Umwelt und eben für die menschliche Ernährung. Denn der menschliche Organismus wird auch in Zukunft Gras nicht als Nahrungsmittel verwerten können. Wiederkäuer für das Klima zu opfern, kann also keine Option sein.

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