Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Es ist den Koalitionsparteien nicht egal und nicht Wurst: Cannabis soll legalisiert werden. Foto: Imago

Mechtilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Großes Thema bei den Ampel-Koalitionsverhandlungen ist die Legalisierung von Cannabis. Die Forderung ist nicht neu. "Durch Deutschland muss ein Joint gehen", plakatierte die Grüne Jugend im Jahr 2002. Das umstrittene Rauschmittel ist 19 Jahre später immer noch verboten. Alle Versuche, den Joint auch legal durch Deutschland reichen zu dürfen, scheiterten im Bundestag, der jüngste im Oktober vergangenen Jahres. Das Thema Legalisierung von Cannabis spielte bei dieser Bundestagswahl auch deshalb wieder eine Rolle. Mit SPD, Grünen, FDP und der Linken hatten vier von sechs Parteien Wahlprogramme beschlossen, die explizit auf die Legalisierung von Cannabis Bezug nehmen.

Wenn die Statistiken nicht lügen, ist der Trend zum Cannabiskonsum umgekehrt proportional zum Fleischkonsum. Denn er nimmt zu. Über ein Viertel der Deutschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren hat, laut Daten des Epidemiologischen Suchtsurveys von 2018, Cannabis mindestens einmal in seinem Leben konsumiert. Regelmäßig wird Cannabis von 5,7 % der 18- bis 25-Jährigen konsumiert. Insgesamt liegt der Hanfkonsum bei 200 t bis 400 t Cannabis jährlich in Deutschland, schätzt der Deutsche Hanfverband. Das entspricht einem Marktwert von mindestens 1,2 Mrd. €. Das ist Geld, das bislang meist die organisierte Kriminalität einstreicht. Statt Konsumenten zu kriminalisieren, ließe sich dieser Schwarzmarkt mit einer Legalisierung eindämmen, lautet ein Argument für eine liberalere Drogenpolitik. Vielleicht könnte sich daraus gleichzeitig eine Anbaualternative für frei werdende Futterbauflächen ergeben. Denn gleichzeitig wird vonseiten der Politik massiv auf einen Rückgang der landwirtschaftlichen Tierhaltung hingearbeitet.

Es findet eine zum Teil an Kriminalisierung grenzende Verurteilung des Fleischkonsums und der landwirtschaftlichen Tierhaltung statt. Um "umweltschädliche Massentierhaltung" zu reduzieren, drängt das Umweltbundesamt (UBA) auf eine Halbierung des Fleischkonsums in Deutschland. Einer der wichtigsten Punkte für den Koalitionsvertrag ist der Umbau der Tierhaltung. Als Blaupause dient das Borchert-Konzept, die Finanzierung und Umsetzung sind offen. Vor Jahren gab es sogar schon Verbotsgedanken. So wollten die Grünen 2013, damals auf Vorschlag von Renate Künast, nach der Bundestagswahl einen fleischlosen Tag in Kantinen einführen und so den Fleischkonsum in Deutschland senken.

Erste Unternehmen zeigen jetzt auch schon Reaktionen und schränken die freie Auswahl ein. Das jüngste Beispiel waren deutsche Mensen und VW-Kantinen. Das Thema geht zudem EU-weit weiter: Mit Helsinki will eine ganze Großstadt auf die vegetarische Ernährungsweise umsteigen. Die Verwaltung der finnischen Hauptstadt will künftig bei von ihr organisierten Veranstaltungen auf Fleischprodukte verzichten. Bei Festen, Seminaren und öffentlichen Gelegenheiten sollen ausschließlich vegetarische Lebensmittel serviert werden. Künftig will man auch keine Kuhmilch mehr anbieten. Ausnahmen vom Fleischverzicht soll es in Helsinki nur noch bei hochrangigen Besuchen auf Bürgermeisterebene geben. Die Extreme weitergedacht, kann man sich fragen, wie die Zukunft der Fleischkonsumenten aussehen mag. Wird man sich künftig an geheimen Orten oder in exklusiven Zirkeln treffen müssen, um eine Currywurst zu genießen? Wird Schnitzelfleisch zur Hehlerware und in Unterführungen gedealt?

nach oben