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Blick vom Aschberg in die Hüttener Berge Foto: Ulrike Baer

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Dem deutschen Wald geht es schlecht und der Pflegebedarf steigt. Das zeigt der jüngst vorgestellte Waldzustandsbericht. Schleswig-Holstein verfügt über vergleichsweise wenig Waldfläche, dafür über umso mehr Knicks. Und man könnte meinen, jedes Jahr würden dieselben Diskussionen um die 68.000 km Knicklänge geführt. Denn bis Ende Februar herrscht mitunter bunte Meinungsvielfalt über den besten Umgang und die Pflege. Die Knicks sind einmalig und nicht nur markante Landschaftselemente, ursprünglich empfohlen in der "Holtz- und Jagdverordnung" von 1737, die der dänische König Christian VI. (1699 bis 1746) als Landesherr erließ. Damit reagierte dieser auf die Holzknappheit in den Herzogtümern.

Der Berliner Schriftsteller Theodor Mügge (1802 bis 1862) erklärte seinen Lesern die Knicks in dem Wanderführer "Streifzüge in Schleswig-Holstein und im Norden der Elbe" aus dem Jahr 1846 mit den Worten: "... hier aber sind alle Felder mit Brustwehren von Erde eingefaßt, auf denen dichtes Buschwerk und viele Bäume, Buchen, Eichen, Eschen und Vogelbeeren wachsen. ... Die Erdwalle ... trennen mit ihrer Beholzung nicht allein die Felder und sorgen für Brennmaterial, sie halten auch die Kühe auf dem angewiesenen Weideraum fest ...". Diese Funktionen waren lange gefragt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Straßenbau, Siedlungsflächenentwicklung, Flurbereinigung und die Mechanisierung der Landwirtschaft mit dem Streben nach größeren Schlägen tausende Kilometer Knicks gekostet. In den 1970er Jahren begann man die Wallhecken zu schützen. Ihr Schutz ist garantiert im Landesnaturschutzgesetz. Die Bauern stehen in der Tradition und Verantwortung, das Knicknetz zu pflegen und die Landschaftselemente zu erhalten.

Unterstützung kommt dabei von vielen Seiten, hauptsächlich in Form von Ratschlägen, von den Gemeindeverwaltungen bis zum Naturschutzbund und Spaziergängern sowie in landesweiter Hoheit vom Landwirtschaftsministerium (Melund). Dieses wollte in diesem Jahr den Rückschnitt von Knicks auf den jährlichen Zuwachs begrenzen. Das hätte zur Folge gehabt, dass die Knicks weit in die Flächen hineinwachsen, da nur alle drei Jahre einkürzt werden darf. Dies hätte aber die Bewirtschaftung stark behindert. Der Vorschlag wurde zurückgenommen, nachdem massiv Bedenken geäußert wurden. Nächstes Jahr ist wieder Zeit für Diskussionen. Vielleicht dann im ökologischen und ökonomischen Einklang.

 

 

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