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Tausende Bauern demonstrierten Ende November mit ihren Schleppern in Berlin. Foto: Bauernblatt

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Die Räder in der Landwirtschaft scheinen sich seit einigen Wochen etwas schneller zu drehen. Und obwohl es Herbst ist und die großen Feldarbeiten abgeschlossen sind, leben wir gerade in heißen Zeiten. Eine Bewegung ist entstanden, die offenbar den richtigen Ton getroffen hat und die Menschen nicht nur anspricht, sondern auch zum Handeln bewegt. Wie sonst könnte es möglich sein, dass Tausende Landwirte ihre Traktoren starten und in die Städte fahren zum Demonstrieren?

Der bisherige Höhepunkt wurde erreicht mit einer Sternfahrt nach Berlin. An der nahmen auch Leute teil, die sonst wahrscheinlich nicht einmal auf die Idee kämen, mit dem Auto in die Hauptstadt zu fahren. Mit dem Traktor haben sie mindestens eine Tagesreise in Kauf genommen. Dafür muss man wirklich ein dringendes Anliegen haben! Schon lange empfinden die Landwirte, dass ihr Ansehen in der Gesellschaft in eine Schieflage geraten ist, die nicht selten in Vorwürfe als Tierquäler und Umweltvergifter gipfelt. Das wollen sie nicht mehr hinnehmen.

Über die Demonstrationen in Hamburg und Berlin brachte das Bauernblatt auf jeweils vier Seiten Berichterstattung mit zahlreichen Fotos und Interviews, ähnlich umfangreich zuvor über die landesweite Treckerdemonstration mit Sternfahrt nach Rendsburg. Das haben unsere Leser aufmerksam verfolgt. Doch nicht nur wohlwollende Rückmeldungen erreichten die Redaktion. In den Sozialen Medien häuften sich geradezu wutentbrannte Beschwerden darüber, dass das Titelbild der vorigen Ausgabe keine Traktoren vor dem Brandenburger Tor zeigte. Die Redaktion hatte wie auch sonst an ihrem Grundsatz festgehalten, dass Titelbilder mit Landschaftsaufnahmen und typischen Fotos aus der Landwirtschaft gestaltet werden und die aktuelle und politische Berichterstattung im Innenteil stattfindet.

Die Zeiten scheinen gerade nicht nur heiß, sondern hitzig zu werden. Denn solche Bemerkungen standen in den vergangenen Wochen nicht allein. Es erreichten uns auch Leserbriefe, in denen zum Beispiel gefordert wurde, dass "der Kampf auf die Straße getragen" werde, ja "dass die Bauern mit allen Mitteln gegen die Grünen kämpfen" sollten. Mit allen Mitteln wohlgemerkt, nicht mit allen legalen Mitteln. Es ging so weit, dass uns ein Telefonat vom rechten Rand erreichte, bei dem mit körperlicher Gewalt gedroht wurde, wenn wir "weiter solche Artikel schreiben". Welcher Art Artikel, das blieb unklar.

Ja, es sind hitzige Zeiten, und nicht jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Doch solches Verhalten erschreckt uns. Man muss nicht lange überlegen, um zu dem Schluss zu kommen: So geht es nicht! Das Schlimmste dabei sind aber nicht persönliche Befindlichkeiten, sondern dieses: Durch eine solche Sprache werden die ernsthaften Bemühungen derjenigen Landwirte massiv geschädigt, die versuchen, die Öffentlichkeit aufzuklären und Verständnis für ihre Lage zu bewirken. Alle, die guten Willens sind für die eigene Sache, sollten sich damit nicht gemein machen!

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