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Die Afrikanische Schweinepest wurde bei Wildschweinen in Brandenburg festgestellt. Foto: Agrar-Press

Mechthilde Becker-Weigel Foto: bb

Am Mittwoch hat das Landeslabor Berlin-Brandenburg den Verdacht der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei einem Wildschweinkadaver festgestellt, der wenige Kilometer von der deutsch-polnischen Grenze im Landkreis Spree-Neiße gefunden wurde. Das teilte das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) am Mittwochabend mit. Eine Probe des betreffenden Kadavers wurde im Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem nationalen Referenzlabor virologisch untersucht. Das endgültige Ergebnis gab Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstagmorgen bekannt. Damit ist eingetreten, was seit Langem befürchtet wurde: Die ASP hat Deutschland erreicht.

Als erste Maßnahme nach der Bestätigung wird Deutschland für Drittlandsexporte vorerst gesperrt. Vor allem Ostasien wird auf absehbare Zeit als Käufer wegfallen. Ob Lieferungen, die bereits auf dem Weg nach China sind, gestoßen werden, ist noch fraglich. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden nicht auf sich warten lassen. Die Schweinepreise werden ihr Niveau von 1,47 €/kg SG nicht halten können. Es wird erwartet, dass sie wieder auf 1,20 €/kg SG herunterrauschen. Die Handelsströme müssen sich neu finden. Bis das erreicht ist, werden leider die Bauern die Rechnung zahlen müssen.

Die Probleme, die sich jetzt für den Handel und das internationale Geschäft stellen, können nicht ausgeblendet werden. Deshalb wird die Regionalisierung so wichtig. Nur so kann der Schaden gering gehalten und der Export wieder angeschoben werden. Das könnte eher gelingen, wenn man es schafft, die ASP aus Haustierbeständen fern zu halten.

Alle Maßnahmen sind gefragt und müssen zur Anwendung kommen. Das oberste Gebot für die Landwirte ist jetzt, auf die Biosicherheit in ihren Betrieben zu achten. Eine Hilfe zur Selbsteinschätzung der Biosicherheit in Schweine haltenden Betrieben gibt die vom FLI entwickelte Risikoampel. Sie steht auf der Website des FLI zur Verfügung.

Vor allem Sauenhalter können die Möglichkeit der sogenannten Freibeprobung nutzen und durch Früherkennungsuntersuchungen der Veterinärämter einen Status erlangen, der das Verbringen von Schweinen ermöglicht. Gerät man mit gesunden Tieren in eine Sperr- oder Beobachtungszone, könnte das die Vermarktung retten, weil Verbringung ermöglicht wird. Auf der wirtschaftlichen Seite wird nun deutlich, wie wichtig Versicherungslösungen sind. Wer bislang keinen Vertrag hat, könnte leer ausgehen.

Den Schweinehaltern werden viele Überlegungen und Sorgen durch die Köpfe schießen, gerade in einer Zeit, in der die Branche ohnehin in Aufruhr ist. Betriebe, die noch unentschieden sind, werden Investitionsentscheidungen auf Eis legen.

An erster Stelle für alle sollte nun die Vorbeugung stehen. Wichtige Partner für die Prävention und Eindämmung von ASP sind die Jäger. Das Monitoring und die ständige Überwachung der Wildschweinebestände fallen in ihren Bereich.

Von jetzt an läuft die Zeit für die Schweinehalter noch schneller. Die Erfahrungen aus den EU-Nachbarländern zeigen aber auch: Mit solchen Krisen kann umgegangen werden – mit der nötigen Besonnenheit und Vorsicht. Tschechien hatte im Sommer 2017 einige Fälle, gilt aber seit gut einem Jahr wieder als ASP-frei. Im Dreiländereck Frankreich-Luxemburg-Belgien wurden im Herbst 2018 infizierte Wildschweine gefunden, den belgischen Behörden gelang es bisher, ein Ausbreiten zu verhindern.

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