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Ein frischer Wind weht derzeit auch durch die Agrarbranche. Foto: Ulrike Baer

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Es ist nicht zu übersehen: Es weht ein frischer Wind durch das Bauernblatt. Wir haben die Gestaltung der Seiten behutsam modernisiert und in leserfreundliche Strukturen übersetzt.

Ein frischer Wind weht auch durch die Agrarbranche. Wie kraftvoll der sein wird, muss sich zeigen. Die politischen Ämter sind neu besetzt und haben die Farben gewechselt. Mit Steffi Lemke (Grüne) ist das Bundesumweltministerium mit einer Agrarwissenschaftlerin besetzt, die fachliche Expertise mitbringt. Mit Cem Özdemir (Grüne) ist das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) mit einem landwirtschaftlichen Quereinsteiger besetzt, der sich nach eigenen Worten als oberster Anwalt der Bauern versteht. Damit erhält erstmals eine Partei beide Schlüsselressorts für die Landwirtschaft. Auch der Klimaschutz bleibt in grüner Hand mit Dr. Robert Habeck im neuen Wirtschaftsministerium. Er bringt Erfahrung aus der Landwirtschaft in Schleswig-Holstein mit.

Einen engagierten Vertreter an der Spitze des BMEL können die Bauern brauchen, bei dem, was ansteht in diesem Jahr. Die Beschlüsse zur neuen Gemeinsamen Agrarpolitik sind mit der Veröffentlichung im Amtsblatt nun formell wirksam. Bei der praxistauglichen Ausgestaltung der Eco-Schemes, den finanziellen Anreizen, der Vermeidung von Kannibalisierungseffekten bei Umweltmaßnahmen der Zweiten Säule ist einiges offen geblieben. Noch ruhen Hoffnungen und Forderungen für die Umsetzung auf Landesebene. Das macht der Bauernverband deutlich und ist aktiv.

Der Wind weht den Landwirten und ihrem neuen Minister gleichermaßen von vorne ins Gesicht mit den Herausforderungen durch den Klimawandel, sich ändernden Vorstellungen, Wünschen und Ansprüchen der Verbraucher, Tierwohl, Biodiversität, Gewässer-, Boden- und Artenschutz, Erneuerbare Energien und nicht zuletzt – die ursprünglichste aller Aufgaben – die sichere Versorgung der Bevölkerung mit gesunden, nachhaltig erzeugten Lebensmitteln. Dass es dabei um Geld geht, ist Özdemir bewusst. An den Weihnachtstagen startete er eine Debatte um Ramschpreise. Das konnte Verbrauchern eine Idee geben, dass die nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln kein Low-Budget-Geschäft ist. Nachgelegt hat er mit seiner Ansage für eine Neuausrichtung der Agrarfinanzierung: "Wenn wir Strukturreformen wollen, müssen wir die Landwirtinnen und Landwirte finanziell unterstützen."

Die Aussichten auf den Agrarmärkten im neuen Jahr sind zwar auf den ersten Blick vielversprechend. Getreide, Ölsaaten, Milch und Rindfleisch sind knapp, das heizt die Erzeugerpreise an. Aber der Schweinemarkt ist weiter in einem desolaten Zustand. Die Preise liegen am Boden, die Gefahr eines Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest schwebt über den Betrieben und von der Politik fehlen die drängenden Entscheidungen, um den geforderten Transformationsprozess auf den Weg zu bringen. Doch auch im Ackerbau blendet die positive Preisentwicklung. Die Kostensteigerungen für Betriebsmittel von Dünger bis Diesel lassen die Margen schmelzen.

Die Landwirte brauchen positive und eindeutige Signale, damit sie keinen Schiffbruch erleiden. Im neuen Jahr wird der Wind hoffentlich nicht nur von vorne ins Gesicht wehen, sondern ordentlichen Auftrieb geben, auch zwischen Daumen und Zeigefinger.

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