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Mit wehenden Fahnen und Symbolen aus längst vergangenen Zeiten sind Bauern in Berlin unterwegs. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Bauern aus allen Bundesländern sind seit dem 26. Januar mit einem Großaufgebot an Schleppern in Berlin. Sie sind im Demonstrationsmodus. Die Protestaktionen wurden bereits bis Sonntag, 7. Februar, um eine Woche verlängert, eine weitere Verlängerung bis zum 14. Februar ist beantragt. Die Demonstrationen sind Ausdruck tiefer Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Lage der Betriebe und politischen Entscheidungen, Angefangen mit der Düngemittelverordnung über die Tierschutznutztierhaltungsverordnung, unfaire Handelspraktiken bis zum Insektenschutzgesetz. Die Liste ist lang.

Eines aber ist offensichtlich und prangt überregional in den großen Zeitungen: Viele der demonstrierenden Bauern zeigen Flagge mit einem längst vergangenen Motiv – auf Standarten an Schleppern und Emblem auf Jacken, Mützen, Masken. Es ist das Symbol der Landvolkbewegung, die vor fast hundert Jahren in Schleswig-Holstein für Bauernproteste verantwortlich war, die schließlich in nationalistischer und rassistischer Radikalisierung bis hin zu Bombenanschlägen gipfelten.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gab am Mittwoch voriger Woche bei ihrer Diskussion mit den Landwirten ihrer großen Sorge darüber Ausdruck. Dass Bauern die Fahne mit Pflug und Schwert führten, mache es schwierig, mit Botschaften durchzudringen. Dies wiederholte sie am Abend, als das Symbol offen getragen wurde.

Es kommt vieles zusammen, das verstörend wirkt. Etwa dass der 27. Januar der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in Deutschland ist. Zudem nehmen diese Demonstranten für sich in Anspruch, für alle Landwirte zu sprechen. Und genau so kommt es rüber in den ganzseitigen Bildberichten der großen Tageszeitungen, die aufmerksam geworden sind. Innerhalb kürzester Zeit ist so ein Bild in der Öffentlichkeit entstanden, das die Aufmerksamkeit weit weg von den tatsächlichen Problemen der Landwirtschaft lenkt. Applaus und Unterstützung für dieses Gebaren kommt von Geistern aus der rechten Ecke, und sie sind gekommen, um zu bleiben. Damit ist ein Bild entstanden, das mehr als Unverständnis hervorruft und das die allermeisten Politiker und Landwirte aufschreien lässt.

So machte der Bund der Deutschen Landjugend (BDL) den Mund auf und lancierte eine Protestnote, weil die jungen Landwirte sich fremdschämen für die völkische Symbolik und all das, was in ihr mitschwingt. Es ist die Jugend, um deren Zukunft es geht, und die an den gesunden Menschenverstand appelliert. Traktordemonstranten, die sich danebenbenehmen, sind für ihren ganzen Berufsstand einfach nur peinlich, wenn es nur das wäre. Sie begeben sich jedoch mit der politischen Symbolik ihrer Fahne aus längst vergangenen Zeiten in ein zutiefst antidemokratisches Umfeld. Diese Geister, die einige von ihnen riefen, die werden die Landwirte nun nicht so leicht wieder los.

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