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Rouen ist ein bedeutender französischer Exporthafen für Getreide, davon zeugen die Siloanlagen. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Frankreich ist das größte Land in der Europäischen Union und seit Gründung der EU deren wichtigster Agrarproduzent. Fast zwei Drittel des Landes werden landwirtschaftlich genutzt. Etwa 5 % der Franzosen arbeiten in der Landwirtschaft. Aber auch Frankreich befindet sich im Strukturwandel. Von 2010 bis 2020 sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe um 21 %. Die landwirtschaftliche Fläche reduzierte sich im gleichen Zeitraum um lediglich 1 % und macht weiterhin rund die Hälfte der Landesfläche aus. Die Fläche pro Betrieb nahm entsprechend in allen Bereichen zu, auch im für Frankreich wichtigen Weinbau. Die französischen Höfe sind inzwischen zu 12 % Biobetriebe, das ist ein Anstieg um acht Prozentpunkte seit 2010. Die Zahl der Marktfruchtbetriebe sank wesentlich schwächer als die der Tierhalter und Milchbauern. Knapp eine halbe Million Landwirte bewirtschaften 28 Mio. ha landwirtschaftlicher Fläche. Frankreich ist größter Empfänger von Agrargeldern aus Brüssel und eine landwirtschaftliche Exportmacht mit einem soliden Exportüberschuss, bei dem Wein und Käse eine besondere Rolle spielen.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron steuert seit dem 1. Januar für sechs Monate die EU-Politik. Durchaus mit eigenen Interessen, für ihn fällt der Beginn der Ratspräsidentschaft mit dem Präsidentschaftswahlkampf zusammen. Denn im April sind in Frankreich Wahlen. Macrons Leitmotiv für die Ratspräsidentschaft ist die "europäische Souveränität" mit dem Fokus auf Themen wie Grenzschutz, Verteidigung und Klimawandel. Außerdem will Macron die CO2-Grenzausgleichssteuer vorantreiben, um Wettbewerbsnachteile für europäische Unternehmen zu verhindern, die unter strengeren Umweltauflagen produzieren. Das trifft auch in hohem Maße für die Landwirtschaft zu. So hat Frankreichs Landwirtschaftsminister und enger Vertrauter Macrons, Julien Denormandie, die Leitsätze für den Agrarrat formuliert. Die "Souveraineté alimentaire", also die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln. Für die französische Lebensart ist der Verzehr von heimischen Produkten nahezu eine patriotische Pflicht aus Sicht der Bauern. Deshalb ist der heimische Rindfleischmarkt für die Franzosen schützenswert gegen das Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Mercosur-Ländern. Dafür demonstrierten die französischen Bauern mit Straßenblockaden und brennenden Reifen. Zudem sollen importierte Nahrungsmittel in die EU den gleichen Anforderungen unterliegen, nach denen die europäischen Landwirte produzieren.

Die Aufgabe ist groß, wird aber von den Verbrauchern nicht unbedingt unterstützt. Auch in Frankreich zeigen die Konsumenten einen zunehmenden Hang zu Billigkäufen beim Discounter. Frankreich definiert ein souveränes Europa für die Landwirtschaft über Nahrungsmittelsouveränität. Um dies zu erreichen, sollte über Importregeln Einfluss auf die Erzeugung in Drittländern genommen werden, wie Frankreich es formuliert. Das würde im gleichen Schritt eine Abgrenzung vom Weltmarkt bedeuten und Zielkonflikte hervorrufen. Dann wären Handelskonflikte vorprogrammiert.

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