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Kantinenklassiker sind wahrscheinlich nicht immer politisch korrekt nach den neuen Quotenregelungen. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Essen ist politisch. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland soll bis 2030 auf 20 % steigen, bislang liegt sie bei 9,1 %. Dafür müsste sich die Zahl der Biobetriebe verdoppeln. Die Pläne der EU-Kommission sind noch ambitionierter. Diese hat kürzlich ihren Aktionsplan für den Bioanbau vorgestellt. In ihrem Green Deal strebt sie einen Anteil des Ökolandbaus von 25 % im Jahr 2030 an. EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski empfiehlt den EU-Mitgliedstaaten, auch nationale Ziele für eine Strategie der Ökofläche festzulegen. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln soll massiv angekurbelt werden. Ein eigens entworfener Aktionsplan setzt auf die Bewerbung des EU-Biosiegels, Transparenz und vertrauensbildende Maßnahmen wie die Verbesserung der Rückverfolgbarkeit von Bioprodukten. Der Plan beinhaltet zudem Weiterbildungsaktivitäten in Schulen und die Verteilung von Biofrüchten und -milchprodukten. Dem Agrarkommissar ist klar, dass sich längst nicht alle EU-Bürger im gleichen Umfang Biolebensmittel leisten können. Er erwartet, dass die Produkte billiger werden, wenn mehr Landwirte ihre Betriebe umstellen.

Einen anderen Weg geht das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) um die Nachfrage anzukurbeln. Mit der Initiative BioBitte soll der Anteil an Biolebensmitteln in der öffentlichen Außer-Haus-Verpflegung auf mindestens 20 % gesteigert werden. Das BMEL will mit gutem Beispiel vorangehen und hat sich in seiner Zukunftsstrategie ökologischer Landbau (ZöL) dafür ausgesprochen, die Konzessionsvergabe für den Betrieb von Kantinen im Geschäftsbereich des BMEL an einen Wareneinsatz von mindestens 20 % der Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft zu knüpfen. Das BMEL unterhält 13 Kantinen mit Caterer. Diskutiert wurde das Thema auch für die 150 Kantinen des Bundes.

Der World Wide Fund for Nature (WWF) bläst ins gleiche Horn und drängt auf eine politisch begleitete Ernährungswende. Die NGO fordert, dass Bund und Länder bis 2022 verpflichtende Zielvorgaben und Mindestkriterien erstellen und schlägt einen Anteil von 30 % Bioprodukten in öffentlichen Verpflegungsstätten vor.

Kantinenessen ist keine Pflichtveranstaltung. Mit einer Biopflicht steigen unweigerlich die Preise für die Nutzer. Wenn es am Ende darum geht, im Preiskampf mithalten zu können, werden Kantinenbetreiber sich das verordnete Biogrundmaterial über kurz oder lang dort besorgen, wo es mit hiesigen Discounterpreisen konkurrieren kann. Im Ausland, am besten jenseits der EU. Und für die deutschen Biolandwirte bleibt nichts vom Boom.

Auf derlei Forderungen sind die Grünen in ihrem jetzt vorgestellten Wahlprogramm zwar nicht eingegangen, dafür fordern sie aber den Umbau in tiergerechte Ställe durch einen Tierschutz-Cent zu fördern. In ihrem Wahlprogramm zur Bundestagswahl 2013 führte die Forderung nach einem Veggietag in öffentlichen Kantinen zu einem regelrechten Aufschrei. Am Ende hat die Debatte um den Veggieday dem Image der Grünen als Bevormundungspartei befördert und geschadet.

Zu hoch gesteckte und nicht erreichte politische Ziele sollen jetzt offenbar durch die Hintertür und quasi mit Verordnungscharakter durchgesetzt werden. Nachhaltiger, umweltfreundlicher und der hiesigen Landwirtschaft zuträglicher wäre eine Umstellung auf regionale Produkte unabhängig davon, ob die Erzeugnisse aus dem konventionellen oder Bioanbau kommen.

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