Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Die Grüne Woche bringt Landwirte und Verbraucher zusammen. Foto: Dr. Robert Quakernack

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Die Grüne Woche hat zum 85. Mal stattgefunden. Das spricht für Routine, und so war es auch, zumindest auf der politischen Bühne. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, sagte bei der Eröffnungspressekonferenz, dass sich die Stimmung in der Landwirtschaft verschlechtert habe. Sie sei laut Konjunkturbarometer auf "Drei minus" gesunken. Gleichzeitig freute sich Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, über die gestiegene Stimmung bei der Lebensmittel­industrie, die er mit "Zwei plus" beschrieb. Irgendwo dazwischen müssen einige Gewinne der Landwirtschaft "untergegangen" sein.

Der Bauernverbandspräsident trat die Flucht nach vorne an und nahm die Grüne Woche wörtlich: Die Landwirtschaft soll grüner werden! Denn Gestaltungswillen sei da. Beim Green Deal und beim Umbau der Tierhaltung wolle der DBV mitgestalten.

Ja, solange es um die Bauern geht, sind Zusagen möglich und umsetzbar. Sobald die Verbraucher mit ins Spiel kommen, wird es erfahrungsgemäß schwieriger. Schnell tun sich Zielkonflikte auf. Die Bekenntnisse und Forderungen der Verbraucher spiegeln sich nicht im Einkaufsverhalten wider und die Bekenntnisse der Politiker nicht in der gesetzlichen Umsetzung. Schon ist man beim Thema Wertschätzung. Die vermissen die Landwirte an der Supermarktkasse und im Alltag von Verbrauchern und bei der Politik. Deshalb gehen sie seit Oktober auf die Straße.

Und so war da doch etwas anders bei der Grünen Woche in diesem Jahr. Die Bauern hatten genug von landwirtschaftlichem Bullerbü und politischen Festtagsreden in den Messehallen. Außerhalb des Geländes fanden landesweit Demonstrationen statt, 20.000 Traktoren waren von Nürnberg bis Kiel unterwegs. Sie sollten nach Ankündigung der Organisation Land schafft Verbindung (LsV) Gegenveranstaltungen zur Demonstration "Wir haben es satt" (WHES) sein.

In Kiel fiel eine Fehlfarbe ins Auge: Als die demonstrierenden Bauern einheitlich in gelben Westen dastanden, erinnerte dies an die Gelbwestendemonstrationen in Frankreich. Das klärte sich auf: Beim Blick von hinten offenbarte sich die Hauptgenossenschaft Kiel als Sponsor der Westen – ein Werbecoup!

Trotz besten Demowetters in Berlin, war die WHES-Demo deutlich schwächer besucht als in den vergangenen Jahren. Die 27.000 von den Organisatoren angemeldeten Demonstranten sind nicht erschienen. Die Polizei sprach von 15.000. Auch diese Zahl dürfte zu hoch gegriffen sein. Der Teilnehmerschwund ist schwer zu deuten. Werden die Verbraucher müde, nur dagegen zu sein? Auch bei den von LsV organisierten Traktordemos muss man fragen, wie lange sie noch in dieser Stärke stattfinden und wie lange die Bauern den Druck aufrechterhalten können. Die Natur wird in den nächsten Wochen dafür sorgen, dass es auf den Straßen wieder ruhiger wird.

Wer bei der Grünen Woche darauf gesetzt hatte, ein hohes Politikeraufkommen werde eine Menge Fragen klären, wurde enttäuscht. Es ist eben nicht alles im grünen Bereich.

nach oben

Hinweis zur Nutzung von Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Nutzung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter.