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Die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie stehen unter Beobachtung. Foto: landpixel

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: bb

Innerhalb kürzester Zeit hat sich die Schlachtbranche als Hotspot für Corona-Infektionen herausgestellt. Quer durch das ganze Land sind Betriebe betroffen. Immer wieder geht es um Mitarbeiter, Hygienemaßnahmen und Unterkünfte. Die Konsequenzen sind behördlich angeordnete Schlachthofschließungen und Reihenuntersuchungen von Mitarbeitern und Angehörigen. Die Konsequenzen sind auch stockende Viehvermarktung und mitunter längere Transportwege.

Die Infektionszahlen waren so hoch, dass die Landkreise teilweise ihre geplanten Lockerungen der Kontaktbeschränkungen wieder verschoben haben. Der Landkreis Coesfeld in Nordrhein-Westfalen zog die Reißleine und hat die Öffnung von Restaurants, Musikschulen oder Fitnessstudios um eine Woche verschoben. Das kommt nicht gut an bei den Bürgern.

Auf Verlangen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fand im Bundestag eine Aktuelle Stunde zu dem Thema "Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie" statt. Ergebnis: Die Bundesregierung will jetzt Druck machen auf die Fleischbranche.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigte neue Regeln und Konsequenzen an. "Wir werden aufräumen mit diesen Verhältnissen", sagte er. Das Corona-Kabinett werde am kommenden Montag neue Maßnahmen beschließen. Er vergaß auch nicht, darauf hinzuweisen, dass die Wirtschaft und die Bevölkerung eines ganzen Landkreises in Geiselhaft genommen werden, wenn wie in Coesfeld keine Lockerungen der Pandemie-Maßnahmen möglich seien. Auch Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel (CDU) äußerte Kritik: "Wir haben über die Situation in der Fleischindustrie erschreckende Nachrichten bekommen."

Für die nächsten Tage stellen sich Fragen: Werden weitere Landkreise auftauchen, in denen Corona-Infektionen in Schlachthöfen gemeldet werden? Wann erreicht die Diskussion über mangelnden Schutz von Arbeitskräften die Erntehelfer in den Obst- und Gemüsebaubetrieben?

Die einfachste Lösung für die aktuellen Probleme in der Fleischindustrie proklamieren Vegetarier für sich: kein Fleischkonsum – keine Ausbeutung von Arbeitskräften. Für viele Vegetarier und Veganer mag der aktuelle Corona-Ausbruch in Schlachthöfen ein weiteres Argument gegen Fleischkonsum sein. Die einschlägigen Organisationen rufen bereits dazu auf. Fleisch-Bashing ist nicht gut für die Fleichwarenindustrie und auch nicht für die Landwirtschaft. Denn es bleibt immer etwas haften, an jedem Glied der Kette. Die Rechnung für einen rückläufigen Fleischkonsum oder wie jetzt schon für zurückgestellte Abnahmen von Schlachttieren, zahlt der Bauer mit.

Und wieder sind wir beim alten Thema Verbraucher und Vertrauen. Hier wäre die Frage nach der Verantwortung berechtigt. Aktuell und künftig betroffene Unternehmen brauchen eine Lösung des Problems mit Hygienekonzepten. Die Fleischverarbeitung infrage zu stellen, wäre der falsche Weg. Gemeinschaftsunterkünfte sind keine Besonderheit und ein Standard in vielen Wirtschaftsbereichen. Daraus darf keine Stigmatisierung der Fleischerzeugung werden.

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