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Am 22. März verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den ersten Lockdown. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

"Weg mit dir, du fieses altes Jahr." Man könnte große Lust bekommen, dieses Resümee zu ziehen. Das Jahr 2020 hat uns alle vor unbekannte Herausforderungen gestellt. Die größte war mit Sicherheit der Ausbruch der Corona-Pandemie. Am 28. Januar wurde in Deutschland der erste Fall einer Ansteckung mit dem neuartigen Corona-Virus bestätigt. Am 22. März verkündete Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), dass das öffentliche Leben zur Eindämmung der Infektionsgefahr heruntergefahren wird. Davor hat erstmals seit Bestehen des Staatenbundes ein Mitglied die EU verlassen: Am 31. Januar 2020, mehr als drei Jahre nach dem Brexit-Referendum, trat Großbritannien aus der Europäischen Union aus. Mehr als eine Übergangslösung bis zum Ende dieses Jahres war nicht mehr drin. Inzwischen ist zu befürchten, dass keine Einigung mehr über die zukünftigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU zustandekommt.

Am 17. Juni kam es beim größten Schlachtbetrieb Deutschlands, bei Tönnies in Ostwestfalen, zum bis dahin größten Corona-Ausbruch. Der Betrieb wurde stillgelegt, über die ganze Region eine Quarantäne verhängt und zahlreiche weitere Fälle folgten, was in einem regelrechten Stau der Schlachtschweine endete. Am 22. Juli einigten sich die 27 Regierungschefs der Mitgliedstaaten der EU auf einen Finanzplan und beschlossen ein zuvor nicht gesehenes Hilfspaket für Mitgliedstaaten, die besonders schwer unter der Corona-Pandemie leiden. Währenddessen rückte die Afrikanische Schweinepest (ASP) näher. Am 10. September wies das Friedrich-Loeffler-Institut bei einem Wildschweinkadaver das Virus nach. Der Fundort lag nahe der deutsch-polnischen Grenze.

Die Auflagen zur Corona-Pandemie machten es notwendig, dass der 30. Jahrestag der Deutschen Einheit am 3. Oktober fast in aller Stille begangen wurde. Seit dem 4. November 2020 kam es zu einer Reihe von Geflügelpestausbrüchen. Neben Hühnern, Gänsen, Enten und Fasanen aus Hobbyhaltungen waren auch Legehennen und Mastputen aus landwirtschaftlichen Haltungen betroffen.

Dazwischen hatte das Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung, die sogenannte Borchert-Kommission, seine Vorschläge für eine zukunftsfähige Tierhaltung am 7. Februar vorgestellt und empfahl einen grundlegenden und langfristigen Umbau der deutschen Nutztierhaltung, hin zu mehr Tierwohl und Umweltschutz. Das soll schrittweise und tierartspezifisch bis 2040 erfolgen.

Nach jahrelangem Hin und Her trat im Mai die neue Düngeverordnung in Kraft. Als Nachklapp wurde jetzt in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Gebietsausweisung (AVV) vereinbart, dass einheitliche Kriterien für die Ausweisung von Roten Gebieten angewendet und deutschlandweit mehr Messstellen aufgenommen werden. Der Bundesrat beschloss am 3. Juli die siebte Verordnung zur Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung. Damit wurde der Ausstieg aus der Kastenstandhaltung für Sauen eingeleitet.

Neben den Herausforderungen für die Landwirtschaft hat das Jahr 2020 Bürger und Politiker reicher an Erkenntnissen gemacht. Mehr als jemals zuvor befassten sich die Entscheidungsträger mit der Versorgungslage und den internationalen Lieferketten, weil man spürte, wie lebens- und überlebensnotwendig die Ernährung ist. Das ist ein gutes Zeichen für die Landwirtschaft, die wieder auf dem Weg in die Mitte sein könnte.

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