Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

Züchter unterwegs für die Milch: Tochtergruppe des Schwarzbuntbullen Trans-Am, präsentiert im Rahmen der Schau "Neumünster am Abend" 2019. Foto: RSH

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Seit 1957 soll der Weltmilchtag am 1. Juni die Milch in den Fokus rücken. Der internationale Tag der Milch geht zurück auf die Agrar- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und den Internationalen Milchwirtschaftsverband (IDF) mit dem Ziel, Milch als natürliches und gesundes Getränk weltweit zu bewerben. Dabei geht es in Deutschland um knapp 58.000 Milcherzeuger, einen Milchkuhbestand von 3,9 Millionen Tieren und eine jährliche Milchmenge von 33,3 Mrd. kg. Die Milch wird von 158 Molkereien verarbeitet. Der Selbstversorgungsgrad liegt bei 115 %. Der deutsche Durchschnittsverbraucher konsumiert jährlich 49,9 kg Konsummilch, 25,4 kg Käse, 14,8 kg Joghurt und 6,3 kg Butter.

Ein Grund zu feiern ist auch, dass die Branche Milch für den Verbraucher wieder sichtbar machen will und sich einigen konnte, eine klaffende Lücke zu schließen. Am 1. Juni startete die Initiative Milch als Teil der Branchenkommunikation. Die Mission ist, über die wunderbare Welt der Milch zu berichten, Transparenz zu erzeugen und die gesellschaftliche Zustimmung zu Milcherzeugung, -verarbeitung und -produkten in Deutschland langfristig zu stärken. Initiatoren der Branchenkommunikation Milch sind der Deutsche Bauernverband (DBV), der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und der Milchindustrie Verband (MIV). Die teilnehmenden Organisationen und Unternehmen aus der deutschen Milchbranche repräsentieren 80 % der Milchmenge. Das Projekt läuft zunächst vier Jahre und wird von den Teilnehmern durch eine Abgabe von 15 ct je Tonne Milch finanziert. Die Gesellschaft zur Umsetzung ist gegründet, die Geschäftsführerin bestellt und eine der renommiertesten PR-Agenturen hat den Zuschlag erhalten.

Diese Eigeninitiative der Branche startet zwölf Jahre nachdem die CMA Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft im März 2009 liquidiert wurde. Die Akteure gehen berechtigterweise davon aus, dass die Milchwirtschaft auch zukünftig in globalen und weitgehend offenen Märkten agieren wird. Das wird die Milchviehhalter nicht davor bewahren, sich auch auf weiter steigende Kosten, bedingt durch Auflagen und Standards, sowie Einschränkungen, siehe Baurecht, einstellen zu müssen. Unterdessen wissen die meisten Verbraucher nicht, wie eine moderne Milchproduktion und -verarbeitung aussieht. Durch teils aggressive Diskussion und Desinformation mag bei einigen Verbrauchern im schlimmsten Falle das Vertrauen in das Naturprodukt Milch gelitten haben, oder sie schränken den Konsum von Kuhmilch aus vermeintlichen Tierschutz- oder Klimagründen ein oder greifen zu pflanzlichen Alternativen. Der Markt für Milchimitate ist hierzulande auf 80 Mio. l (2019) gewachsen, so die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI). Der weltweite Umsatz wird von Innova Market Insights, einem Marktforschungsinstitut aus den Niederlanden, heute auf 16,3 Mrd. US-$ geschätzt. 2010 betrug er noch etwa die Hälfte (7,4 Mrd. US-$).

Mit dem Aufschlag zur Kommunikation zeigt die Branche, dass man sich nicht in Pessimismus ergießt. Mengenbegrenzung und Quotensysteme bremsen Entwicklungen und können nur eine vermeintliche Komfortzone jenseits realer Märkte suggerieren. Dem wird eine klare Absage erteilt. Dafür sollen Drittlandsmärkte akquiriert und die Tierwohlkennzeichnung für die Milch vorangebracht werden. Im kommenden Jahr kann die Initiative Milch auch im Sinne der Milchviehhalter hoffentlich einen erfolgreichen ersten Geburtstag feiern.

nach oben