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Die pauschale Reduktion der N-Düngung von 20 % unter dem Optimum hat vergleichsweise geringe positive Effekte auf die Umwelt. Foto: Friedrich J. Flint

Sönke Hauschild Foto: bb

Der Bundesrat verabschiedete am 27. April die neue Düngeverordnung. Der Druck der EU war groß, die Unzufriedenheit der Landwirte mit dem Ergebnis ist es bis heute. Die drohende Düngeverordnung war ein Grund für die Schlepperdemos seit dem vorigen Herbst. Eine der kritisierten Neuerungen ist die Festlegung von scharfen Auflagen für Flächen in nitratbelasteten Gebieten, vor allem der generelle Düngedeckel von –20 % unter dem errechneten Bedarf. Dieser soll am 1. Januar 2021 in Kraft treten, sorgt aber schon jetzt für große Sorgenfalten auf der Stirn manch eines Landwirtes.

Grundlage solcher politischen Entscheidungen ist der Nitratbericht. Seine Auswirkungen sind also massiv. Weniger massiv scheinen die Wirkungen mancher Maßnahmen selbst zu sein. Das zeigt der aktuelle Bericht, der am 9. Juli veröffentlicht wurde. Ausgerechnet der Düngedeckel bringt praktisch gar nichts (0 bis 10 kg N/ha). Die Kosten für den Landwirt beziffert der Nitratbericht aber auf erhebliche 50 bis 300 €/ha. Das führt zu einer Kostenwirksamkeit eines Kilos Stickstoff von 16 € und ist damit laut Nitratbericht eine sehr teure Maßnahme.

Das zeigen der Vergleich zum Zwischenfruchtanbau mit spätem Umbruch, bei dem die Kostenwirksamkeit bei 2,6 €/kg N liegt, oder der Einsatz stabilisierter N-Mineraldünger bei Wintergetreide (3 kg N/ha). Selbst eine Umstellung auf den Ökolandbau ist rein in Bezug auf die N-Kostenrelation etwa halb so teuer (8,5 kg N/ha). Und die Politik weiß es, denn die Zahlen des Nitratberichtes sind Zahlen der Häuser von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Nun könnte man den Düngedeckel etwas platt beurteilen: "Außer Spesen nichts gewesen." Doch für die Ackerbauern ist es entscheidend, eine ertragsorientierte N-Düngung zur Verfügung zu haben. Und eine Düngung, die per Gesetz 20 % unter dem Optimum bleiben muss, kann das nicht leisten. Der Bauernverband hat die Unverhältnismäßigkeit einer solchen Deckelung immer wieder vorgetragen. Er scheiterte aber daran, dass Bund und Länder mit Verweis auf die restriktive Haltung der EU-Kommission weder auf die Regelung verzichten noch Alternativen wie verpflichtende Wasserkooperationen akzeptieren wollten.

Der Nitratbericht ist nun das politische Eingeständnis in Zahlen: Hier liefern die Ministerien die fachliche Begründung für die Kritik, die die Landwirtschaft übt. Der Bericht erschien gut zwei Monate nach dem Bundesratsbeschluss, die Zahlen müssen den Fachleuten in den Ministerien lange bekannt gewesen sein. Politik darf sich korrigieren. Sie muss es in diesem Fall, denn die Auswirkungen auf die Landwirtschaft sind gravierend, während der Nutzen nahezu bei null liegt. Dieses muss der EU vermittelt, eine Änderung eingefordert werden.

Für die Betriebe ist diese Art der Politik ein Schlag ins Gesicht. Umso mehr muss die Zeit bis zum 1. Januar genutzt werden, um nun Rote Gebiete einzugrenzen, Klagemöglichkeiten gegen die jeweiligen Landesdüngeverordnungen zu prüfen und einzelbetriebliche Ausnahmen für Betriebe mit gewässerschonender Wirtschaftsweise durchzusetzen. Auch hier kann das Eingeständnis im Nitratbericht argumentativ helfen. Der Düngedeckel bleibt eine dumme Idee – aus Sicht der Landwirtschaft wie der Umwelt.

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