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Viele Präventionshoffnungen beruhten auf dem 670 km langen Wildschutzzaun an der Grenze zu Polen. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Die Schlagzeilen hätten größer ausfallen können, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) erstmals in einem Haustierbestand in Deutschland festgestellt wurde. Die Meldungen und Berichte über die Flutkatastrophe haben vieles überlagert.

670 km Schutzzaun, verstärkte Wildschweinbejagung sowie Aufrufe zu Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen konnten den Übertritt nicht verhindern. Es war nur eine Frage der Zeit, wann die Seuche einen Nutztierbestand erreicht. Die betroffenen Betriebe liegen zwar innerhalb der bereits bestehenden Restriktionszone in Brandenburg. Doch schwebt über der gesamten Branche ein Damoklesschwert. Springt das Virus auf Bestände der großen Veredelungsregionen über, sind deutliche Marktverwerfungen zu befürchten. Und aus Tierschutzsicht noch schlimmer: die große Zahl der Keulungen, die dann anstünden.

Die Frage nach Biosicherheitsmaßnahmen des betroffenen Biobetriebes wurde als erstes gestellt. Anscheinend hatte der Betrieb seine Tiere bereits seit September auf behördliche Anordnung hin aufgestallt. Wenn das so ist, wird die Frage nach den Infektionswegen komplexer.

Es stellen sich weitere Fragen: Hätte Brandenburg früher eine Barriere an der Oder errichten müssen? Wie gut sind Hobby-Schweinehalter auf die Seuche vorbereitet? Der Brandenburger Bauernverbandspräsident Henrik Wendorff hat sich gefragt, warum er erst morgens aus dem Radio von dem ASP-Befund erfahren hat. Schweinehalter fragen sich, warum die Seuchenprävention für Hausschweine in Brandenburg nicht konsequenter durchgeführt wurde. So gab es keine Aufstallungspflicht für Klein- und Kleinstbestände. Man sollte kritisch hinterfragen, warum noch Ferkeltransporte aus der Region auch in Richtung Schleswig-Holstein stattgefunden haben. Die Schweinehalter in Brandenburg werden sich fragen, warum die Biogasanlage in dem Ort Sembten, wo vor zehn Monaten das erste mit ASP infizierte Wildschwein entdeckt wurde, immer noch große Mengen Silomais im Grenzverkehr aus Polen bezieht.

Die Handelspartner reagieren noch gelassen. Der Export innerhalb der EU ist rein rechtlich nicht betroffen und bleibt weiter möglich, weil das Regionalisierungsprinzip Anwendung findet. Die Zahl der gefundenen ASP-Wildschweinkadaver in Brandenburg und Sachsen ist in dieser Woche wieder deutlich gestiegen. In Brandenburg ist seit Mittwoch mit Barnim ein fünfter Landkreis betroffen.

Das ASP-Krisenmanagement wirft viele Fragen auf. Der Warnschuss, den der jetzt aufgetretene Fall in einem Haustierbestand ausgelöst hat, müsste weit zu hören sein.

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