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Es wird eng in den Ställen. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel. Foto: Archiv

Nach dem chinesischen Horoskop war 2019 ein Jahr des Schweins. Es ging am 24. Januar 2020 zu Ende. Manche Schweinehalter hierzulande fühlten ihr Jahr des Schweins am 3. Juli 2020 zu Ende gehen, als die Länderkammer der Änderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung mit deutlicher Mehrheit zustimmte. Doch kaum ein Schweinehalter wird Zeit zum Nachdenken darüber haben, denn inzwischen herrscht in der Branche der Ausnahmezustand. Er begann im Juni mit dem regionalen Lockdown im Kreis Gütersloh, der wegen der Corona-Infektionen in Schlachtunternehmen verhängt wurde. Durch die Corona-Auflagen und Personalmangel sind die Schlachtkapazitäten begrenzt, und es wird enger in den Schweineställen.

Der Super-GAU ereignete sich am 10. September, als der erste Fall von Afrikanischer Schweinepest (ASP) bei einem Wildschweinkadaver im Landkreis Spree-Neiße bekannt geworden war. Seitdem erschüttern ASP und Corona gemeinsam den Schweinemarkt. Der Drittlandshandel ist gesperrt, und die Vermarktung innerhalb der EU ist häufig nur zu niedrigeren Preisen möglich. Vor allem der Ausfuhrstopp nach China trifft die Branche hart. Alternative Abnehmer für die in China beliebten Ohren, Köpfe, Schwänze und Pfoten von Schweinen zu finden, ist schwierig. Mit jedem neuen ASP-Fall verlängert sich das Exportverbot.

Die Überhänge an Schlachtschweinen nehmen zu. Solange diese nicht abgenommen werden, wird der Druck in der Kette weitergereicht bis zu den Sauenhaltern, die ihre Ferkel nicht loswerden. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands schätzt, dass trotz Anpassungen auf der Erzeugerseite und rückläufigen Beständen mehr als 100.000 Schlachtungen in der Woche fehlen, um den bereits bestehenden Überhang von 400.000 Tieren nicht noch zu erhöhen. Als Maßnahme wurden bereits Importe aus Dänemark und den Niederlanden reduziert. Der Anstieg von Sauenschlachtungen deutet an, dass bereits eine Reihe von Sauenhaltern beginnen, ihre Betriebsaufgabe umzusetzen. Weniger Besamungen von Sauen können sich erst im kommenden Jahr auswirken. Es wird erwartet, dass bis Weihnachten mehr als eine Million Schweine in der Warteschlange stehen.

Die ganze Branche braucht jetzt schnell politische Weitsicht und Entscheidungen, die Handlungsfähigkeit herstellen. Das bedeutet in erster Linie die Ausweitung der Schlacht- und Zerlegekapazitäten. Ein Anfang könnte die Arbeitsquarantäne sein, die bereits in ersten Betrieben erprobt wird. Auch unkonventionelle Lösungen sind willkommen. Jetzt muss dafür gekämpft werden, dass möglichst viele Betriebe auch das nächste Jahr des Schweins 2031 noch erleben können.

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