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Auf dem Fahrersitz platznehmen und Gas geben, der DBV hat die Zeichen erkannt. Foto: Georg Henkels

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Kleine Meldung, große Wirkung. Der Deutsche Bauernverband (DBV), hat eine Satzungsänderung  angekündigt, von der in Zukunft ein gehöriger Wumms ausgehen kann. Denn das Vereinigte Königreich hat eine, Frankreich hat eine und Europa hat auch eine, nur wir nicht. Gemeint ist eine Frau an der Spitze des Bauernverbandes. ­Minette Batters ist die Präsidentin der National Farmers Union, des britischen Bauernverbands und Christine Lambert ist die Präsidentin der französischen Agrargewerkschaft FNSEA, Fédération nationale des syndicats d'exploitants agricoles, und hat beim Dachverband der europäischen Bauernverbände (Copa) die Nachfolge von Joachim Rukwied, dem Präsidenten des DBV, angetreten. Der Bauernverband wolle jünger und weiblicher werden, hat Rukwied beim Deutschen Bauerntag in Erfurt im Oktober 2020 angekündigt. Wie will eine Männerriege mit einem Durchschnittsalter von 60 Jahren das machen? Eine Frage, die sich einem unweigerlich stellte. So wurde auch aus den Reihen der weiblichen Delegierten eine Satzungsänderung gefordert.

Nach einem Treffen in Präsenz und zwei virtuellen Treffen mit engagierten Bäuerinnen hat das DBV-Präsidium Nägel mit Köpfen gemacht. Der Verbandsrat hat eine Satzungsänderung auf den Weg gebracht, die beim Deutschen Bauerntag im Juni in Lübeck von den Delegierten beschlossen werden soll. Ein neuer Fachausschuss für landwirtschaftliche Unternehmerinnen ist geplant, deren Vorsitzende mit Sitz und Stimme in den Vorstand des DBV berufen werden soll. Damit ist der Weg ins Präsidium frei. Auch die aktuelle Satzung des DBV lässt die Wahl von Frauen ins Präsidium zu, aber der Weg ist lang und noch nicht einmal in allen Landesbauernverbänden einheitlich geregelt. Der DBV ist konsequent von unten nach oben organisiert. Die sogenannte Ochsentour beginnt als Ortsvertrauenslandwirt oder Ortsvertrauenslandwirtin, geht über die Kreis­ebene bis schließlich in den Landeshauptausschuss, mit jeder Wahl einen Schritt nach oben. Das ist keinesfalls undemokratisch, aber im Kern lief es für die Spitzenpositionen doch immer wieder auf Männer im gesetzteren Alter ­hinaus. Ein Ehrenamt im Verband zu übernehmen bedeutet, dass Zeit für den eigenen Hof oder für die Familie fehlt. In den meisten Fällen hielten bisher die Frauen den Männern den Rücken dafür frei. Nur zu sagen, die Türen stünden offen für alle Ämter, reicht nicht. Wer mehr Frauen dabeihaben will, sollte damit beginnen, eingefahrene Verbandsrituale zu ändern, auch Sitzungstermine zu überdenken.

Die Satzungsänderung, die der DBV jetzt vorschlägt, ist eine Weichenstellung für die Verbandsarbeit und eine Art Zeitbeschleuniger. Vielleicht wäre der reguläre Weg eleganter, aber das Ergebnis zählt und der Ausdruck des Wollens. Das ist keine Aktion, "wir gründen einen Arbeitskreis". Das Ziel muss sein, dass Frauen in den Landesverbänden und im DBV-Präsidium selbstverständlich, sichtbar und hörbar werden. Dann wird der Ausschuss bald überflüssig. Gleichzeitig ist es eine Forderung an die Bäuerinnen: Frauen steht auf, der Platz auf dem Fahrersitz wird frei!

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