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Was bringt das neue Jahr? Ein Blick in die Glaskugel wird es wohl nicht verraten. Foto: Imago

Mechthilde Becker-Weigel Foto: Archiv

Das neue Jahr fängt ja gut an. In den USA wird die Demokratie mit Füßen getreten – durch eine aufgebrachte Meute von Trump-Anhängern, die am Mittwoch das Kapitol in Washington stürmten, um gegen den Machtwechsel zu protestieren. Ab kommendem Montag werden für die meisten von uns neue Corona-Regeln gelten. Trotz des lang erwarteten Impfbeginns muss der Kampf gegen die Corona-Pandemie verstärkt werden und wird weitere Opfer und Einschränkungen auch der persönlichen Freiheiten fordern.

Im Vergleich dazu herrscht regelrecht Ruhe in der Landwirtschaft, und man sollte die eine oder andere Befindlichkeit nicht überbewerten oder allzu persönlich nehmen. Wenn man etwas genauer in den grünen Mikrokosmos blickt, bleibt eine gewisse Unruhe dennoch nicht verborgen. Trotz Systemrelevanz und anerkannter Notwendigkeit der Bauern als Lebensmittelproduzenten scheint eine Menge ihrer Probleme im neuen Jahr gleich zu bleiben, und das Prinzip von Handel und Gesellschaft besteht fort: "viel fordern, wenig bezahlen". Das zeigen aktuell die Preissenkungen für Butter und die Reaktion von Milchviehbauern in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Nach der zuletzt gezeigten Gesprächs- und Bewegungsbereitschaft der Vertreter des Lebensmittelhandels war das ein Rückschlag. Zufriedenstellende Ergebnisse aus den gerade begonnenen Gesprächen zwischen Landwirtschaft und Lebensmittelhandel werden so erschwert.

Nur zu gut präsent sind noch die gutgemeinten Wünsche der Umweltschützer. Das geplante Insektenschutzgesetz wird große Teile der landwirtschaftlichen Nutzflächen zu Schutzgebieten erklären. Am Ende kann statt der gewollten Vielfalt der Betriebe und Produktionsarten schnell ein verschärfter Strukturwandel stehen.

Das sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie Diskussionen entgleiten, Gesprächsgrundlagen und wissenschaftliche Fakten in den Hintergrund geraten. In diesem Jahr stehen die Bundestagswahl und sechs Landtagswahlen an. Das wird viele Diskussionen noch mehr politisch und ideologisch anheizen. So kann man für das neue Jahr nur wünschen, dass die Fakten nicht auf der Strecke bleiben, dass Vernunft statt Ideologie in die Debatten und Entscheidungen einziehen und dass Achtung und Augenmaß ihren Wert behalten.

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