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Der Handel mit CO2-Zertifikaten in der Landwirtschaft nimmt zu. Foto: Imago

Dr. Robert Quakernack Foto: Archiv

Wie kann die Erderwärmung noch auf die Marke von 1,5 K begrenzt werden? Darüber berieten die Staatenlenker der ganzen Welt vor Kurzem im schottischen Glasgow. Einig ist man sich, dass Klimaschutz global gedacht werden muss. Dennoch werden die Prioritäten in den verschiedenen Weltregionen unterschiedlich gesetzt. China will beispielsweise noch bis 2030 seine Treibhausgasemissionen steigern und erst bis 2060 Treibhausgasneutralität erreichen. In der EU hat man sich hingegen ambitioniertere Ziele gesetzt. So sollen die Treibhausgasemissionen hier bis 2030 um 55 % reduziert werden (im Vergleich zu 1990). Bereits 2050 soll Treibhausgasneutralität herrschen.

Ein Werkzeug dafür ist der Handel mit Emissionsrechten, wie es ihn in Europa bereits seit 2005 gibt. In diesem System werden Zertifikate mit der Zeit verknappt und damit teuer, sodass die Emissionen als erstes dort gesenkt werden, wo es am ökonomisch sinnvollsten ist. Landwirtschaft und Landnutzung sind vom EU-Emissionshandel (ETS) derzeit ausgenommen. Das liegt vor allem daran, dass die entsprechenden Klimagasquellen sehr diffus und kleinteilig sind. Dennoch gibt es Überlegungen, wie die Landwirtschaft in Zukunft in den ETS einbezogen werden kann.

In Deutschland floriert jedoch der Handel mit CO2-Zertifikaten von privaten Anbietern. Die Idee dahinter: Landwirte betreiben CO2-Bindung durch Humusaufbau auf ihren Flächen. Dafür erhalten sie CO2-Zertifikate. Die Zertifizierer verkaufen die Papiere dann an Unternehmen, die ihre Produkte als CO2-neutral bewerben wollen. Fraglich ist allerdings, wie nachhaltig dieses System ist. Entsprechende Verträge laufen nämlich oft nur wenige Jahre, und was nach Vertragsablauf auf den Flächen passiert, wird nicht mehr kontrolliert. Es droht der klassische Fall von Greenwashing!

Zudem ist der Nachweis von Humusaufbau nur mit viel Arbeitsaufwand oder mathematischen Modellen zu erbringen. Beide Möglichkeiten bergen Unsicherheiten. Eine Rolle spielt auch, von welchem Ausgangsniveau man kommt. Ein Ackerbauer, der seine Humusgehalte im Blick hat, kommt von einem hohen Ausgangsniveau und kann die CO2-Speicherung nicht unendlich steigern. Hier kommt das Kriterium der Zusätzlichkeit zum Tragen. Ein nachhaltiges Humusmanagement ist schließlich essenzieller Bestandteil der landwirtschaftlichen Bodenbewirtschaftung. Die Trennung zwischen üblichem und zusätzlichem Humus ist schwierig. Und was passiert, wenn zertifizierte Landwirte – aus welchen Gründen auch immer – sinkende Humusgehalte haben? Werden diese dann zur Kasse gebeten?

Etwas anders verhält es sich bei CO2-Bindung, die durch den Schutz von Mooren beziehungsweise deren Wiedervernässung erreicht werden kann. Dadurch lassen sich laut Thünen-Insitut (TI) jährlich rund 20 t/ha CO2-Emissionen vermeiden – bei einem CO2-Preis in Höhe von 25 €/t könnten Einnahmen von immerhin 500 € / ha entstehen, bei einem CO2-Preis in Höhe von 100 €/t sogar 2.000 €/ha. Doch auch dieses System hat Schwächen.

Letztlich ist die Einbeziehung der Landwirtschaft in den Handel mit CO2-Zertifikaten für Betriebe nur bedingt finanziell lukrativ. Es drohen vielmehr verwaltungstechnische Monster. Ganz sicher dienen nicht alle bestehenden Humuszertifikate tatsächlich dem Klimaschutz. Globale Lösungen müssen her.

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